Wackersdorf

AK­TU­EL­LES PO­LIT-DRA­MA

Ober­pfalz in den 80er Jah­ren: Im Zo­nen­rand­ge­biet stei­gen die Ar­beits­lo­sen­zah­len. Des­halb muss Land­rat Schu­ie­rer (Jo­han­nes Zei­ler) Per­spek­ti­ven für die Be­völ­ke­rung schaf­fen. Da kom­men ihm die Plä­ne der Baye­ri­schen Staats­re­gie­rung ge­ra­de recht: In Wa­ckers­dorf soll ei­ne ato­ma­re Wie­der­auf­be­rei­tungs­an­la­ge ge­baut wer­den. Das ver­spricht wirt­schaft­li­chen Auf­schwung für die gan­ze Re­gi­on. Doch als der Frei­staat ge­walt­sam ge­gen ei­ne Bür­ger­initia­ti­ve vor­geht, die sich für die Na­tur und ge­gen die An­la­ge aus­spricht, wach­sen in Schu­ie­rer Zwei­fel. Bei sei­nen Nach­for­schun­gen fin­det er her­aus, dass die An­la­ge doch nicht so harm­los ist wie be­haup­tet wird. „Wa­ckers­dorf“ er­zählt, wie es zur Pro­test­be­we­gung ge­gen den Bau der Wie­der­auf­be­rei­tungs­an­la­ge kam.

MACHART

Der Film be­sticht durch sei­ne an­ge­neh­me Un­auf­ge­regt­heit. An Ori­gi­nal­schau­plät­zen im Land­kreis Schwan­dorf ge­dreht, ver­folgt der Film die Ge­burts­stun­de der zi­vi­len Wi­der­stands­be­we­gung der BRD. Ein Plä­doy­er für de­mo­kra­ti­sche Wer­te und Bür­ger­en­ga­ge­ment, heu­te so ak­tu­ell wie da­mals.

FAZIT

Das Po­lit-Dra­ma aus den 1980er Jah­ren könn­te eins zu eins in die Jetzt-Zeit ver­legt wer­den. Ein An­sporn, sich po­li­tisch zu en­ga­gie­ren oder min­des­tens zu in­ter­es­sie­ren. Span­nend er­zählt und ne­ben­bei noch ei­ne ech­te Zeit­rei­se in die ei­ge­ne Ju­gend.

Deutschland, 2018
Regie Oliver Haffner
123 min

B12 – Gestorben wird im nächsten Leben

BAYE­RI­SCHER HEI­MAT­FILM

Das Le­ben ist ei­ne lan­ge, viel be­fah­re­ne Bun­des­stra­ße – des­halb trifft sich pünkt­lich je­den Tag der glei­che Stamm­tisch in ei­ner her­un­ter­ge­kom­me­nen Rast­stät­te, di­rekt an der B12 ge­le­gen. Da­zu ge­hö­ren: Kon­rad, ehe­ma­li­ger Rock'n'Roll-Tänzer und An­wär­ter auf zwei neue Hüft­ge­len­ke; Franz, schlitz­oh­ri­ger, stets gut ge­laun­ter "Saukopf"-Experte, so­wie Ma­ne, der stoi­sche Park­platz­wäch­ter mit ei­ner Vor­lie­be für zu viel Bier.

„Jo mei, I me­chad nur noch ster­ben“, sagt Alt­wirt Lenz Gant­ner bei je­der Ge­le­gen­heit und zu je­dem, der es nicht hö­ren will. Nach ei­nem Schlag­an­fall ist er mit sei­nen 89 Jah­ren am En­de und haust in der ehe­ma­li­gen Groß­kü­che des Rast­hofs. Sein Sohn Man­fred ist der Chef und hat we­nig Mit­leid mit dem Al­ten. Denn der hat ihm, ne­ben der schrab­be­li­gen An­samm­lung von Ge­bäu­den und Con­tai­nern, auch die Schul­den ver­macht. Nun sträubt er sich zu­dem ve­he­ment ge­gen jeg­li­che Neue­rung. Ka­put­ter Ort, ka­put­te Men­schen. Könn­te man mei­nen.

MACHART

Im Do­ku­men­tar­film „B12“ geht es um die ganz gro­ßen The­men des Le­bens: Lie­be, Freund­schaft und Tod. Kom­pri­miert auf ein be­eng­tes Bio­top: Hei­mat, di­rekt an der Schnell­stra­ße. Chris­ti­an Lerchs Lang­zeit­stu­die nimmt sich viel Zeit für sei­ne schrä­gen Ge­stal­ten und be­ob­ach­tet ge­nau. Der selbst­mit­lei­di­ge Lenz wird beim Ge­nuss ei­ner Le­ber­knö­del­sup­pe plötz­lich wie­der sehr agil und auch die ver­meint­li­che Er­blin­dung ist beim Be­trach­ten al­ter Schul­fo­tos auf ein­mal ver­ges­sen. So schafft der Film vie­le ko­mi­sche Mo­men­te. Der Hö­he­punkt ist ei­ne Sze­ne von solch er­staun­li­cher Dus­se­lig­keit, dass man es kaum glau­ben möch­te.

FAZIT

Hu­mor- und lie­be­vol­le Be­ob­ach­tung von ech­ten baye­ri­schen Ori­gi­na­len. Se­hens­wert.

Deutschland, 2018
Regie Christian Lerch
92 min

Ocean's 8

FE­DER­LEICH­TER GANGS­TER­FILM

Elf Jah­re nach Ste­ven So­der­berghs Oce­an 11- 13 Tri­lo­gie gibt es nun ei­ne Art Fort­set­zung, dies­mal mit weib­li­chem Cast. San­dra Bul­lock spielt Debbie Oce­an, die Schwes­ter von Ge­or­ge Cloo­neys Dan­ny. Nach ei­ner 5‑jährigen Haft wie­der auf frei­em Fuß, plant sie ei­nen mil­lio­nen­schwe­ren Raub in der New Yor­ker Met. Ein von Car­tier ge­lie­he­nes Dia­mant­col­lier soll von Daph­ne Klu­gers (An­ne Hat­ha­way) zar­tem Hals ge­klaut wer­den. Da­zu be­nö­tigt Debbie, ge­nau wie ihr Bru­der, ei­ne Crew von Spe­zia­lis­tin­nen. Mit da­bei als bes­te Freun­din die über­coo­le Ca­te Blan­chett. Da­ne­ben gibt Sa­rah Paul­son die ver­meint­lich bra­ve Haus­frau, Ri­hann­na, ge­gen ihr Image be­setzt, den Tech­nerd und He­le­na Bon­ham Car­ter over­ac­ted als über­dreh­te Mo­de­de­si­gne­rin.

MACHART

Zwar kein ak­tu­el­ler Kom­men­tar zu #me­too, aber da­für glit­zert es we­nigs­tens ge­wal­tig: vom Dia­mant­col­lier bis zum Teint der Dar­stel­le­rin­nen. Der ge­plan­te Raub ist ein Kin­der­spiel und läuft so rei­bungs­los wie ein Schwei­zer Uhr­werk ab. Ge­nau das aber ist das Man­ko des Films. Al­les läuft viel zu glatt und har­mo­nisch. Es gibt kei­ne wirk­li­chen Über­ra­schun­gen (au­ßer ein paar Twists ge­gen En­de) und des­halb will auch kei­ne rech­te Span­nung auf­kom­men. Was für ei­nen Film des "Heist"-Genres ein Pro­blem ist. Zu fe­der­leicht ist die Ge­schich­te in­sze­niert, die Cha­rak­te­re wer­den nur an­ge­deu­tet, da­durch bleibt es ein ober­fläch­li­ches Ver­gnü­gen.

Bleibt al­lein die Fra­ge: Was ist mit San­dra Bul­locks Pro­fil pas­siert? Sah das schon im­mer so com­pu­ter­ani­miert per­fekt aus?

FAZIT

Emp­feh­lens­wert für al­le, die mitt­ler­wei­le ge­nug Tes­to­ste­ron-Su­per­hel­den in Welt­un­ter­gangs­schlach­ten ge­se­hen ha­ben und sich nach (sehr) leich­ter Kost für ei­nen lau­en Som­mer­abend seh­nen. Ocean’s 8 sieht su­per aus, hat ei­ne Top­be­set­zung und tut nie­man­dem weh. Ein Film wie ein Souf­flé.

USA, 2018
Regie Gary Ross
111 min

Meine teuflisch gute Freundin

PLAT­TER KLA­MAUK

Der Teu­fel (Sa­mu­el Fin­zi) lebt! Und er ist Ban­kier in Frank­furt. Sei­ne Toch­ter Lil­lith (Em­ma Ba­ding) ist ein lau­ni­scher Teen­ager und will end­lich be­wei­sen, dass sie auch schon er­wach­sen und ein ech­ter Teu­fel ist. Des­halb soll sie das bra­ve Pro­vinz­mäd­chen Gre­ta Bir­ken­stein (Ja­ni­na Fautz) zum Bö­sen ver­füh­ren. Ei­ne Wo­che hat sie da­für Zeit. Al­so zieht sie kur­zer­hand bei Fa­mi­lie Bir­ken­stein ein und ver­sucht, das dau­er­freund­li­che Mäd­chen auf die dunk­le Sei­te zu lo­cken. Aber die Din­ge ent­wi­ckeln sich an­ders als ge­plant. Gre­ta scheint nicht nur ge­gen jeg­li­che Bos­heit im­mun zu sein, die sonst so eis­kal­te Lilth ver­liebt sich un­ge­plan­ter­wei­se auch noch in den Au­ßen­sei­ter Sa­mu­el (Mor­ten Har­ket re­born: Lud­wig Si­mon). Ih­re Mis­si­on droht gründ­lich zu miss­lin­gen.

MACHART

Die „Bi­bi und Tina“-Filmreihe hat wohl ge­nü­gend Geld ein­ge­spielt, so­dass sich frü­her oder spä­ter je­mand fra­gen muss­te: wie könn­te man die Kuh noch mel­ken? Her­aus kam nun die­ser al­ber­ne Film. Nichts ge­gen gut ge­mach­te Teen­ager­ko­mö­di­en – selbst „Fack ju Göh­te“ hat­te ja noch sei­ne Mo­men­te – aber das hier ist ein­fach nur schlecht. Die Gags be­we­gen sich fast durch­weg auf 60er-Jah­re-Pau­ker­film-Ni­veau. Er­staun­lich, dass im Jahr 2018 Dreh­buch­au­to­ren die Idee, je­man­dem Juck­pul­ver ins Hemd zu streu­en, noch wit­zig fin­den. In die­sem Stil han­gelt sich die Ge­schich­te mehr schlecht als recht von ei­nem dümm­li­chen Ka­lau­er zum nächs­ten. Die ge­stan­de­nen Schau­spie­ler be­mü­hen sich, ha­ben aber ge­gen das plat­te Dreh­buch und die bie­de­re In­sze­nie­rung kei­ne Chan­ce.

FAZIT

Neu­er Na­me, neue Be­set­zung, al­te Wit­ze. Die Deut­sche Film- und Me­di­en­be­wer­tung hat „Mei­ne teuf­lisch gu­te Freun­din“ ge­ra­de mit dem Prä­di­kat „be­son­ders wert­voll“ aus­ge­zeich­net. War­um?

Deutschland, 2018
Regie Marco Petry
99 min