Bohemian Rhapsody

Bo­he­mi­an Rhap­so­dy er­zählt die Ge­schich­te vom Auf­stieg der le­gen­dä­ren Band Queen und ih­res Front­manns Fred­die Mer­cu­ry. Den Rah­men der Hand­lung bil­det der fu­rio­se Auf­tritt beim Live Aid Kon­zert 1985 im Wem­bley Sta­di­on vor fast 2 Mil­li­ar­den Fern­seh­zu­schau­ern.

Ein paar wit­zi­ge Dia­lo­ge und ge­lun­ge­ne Mo­men­te hat Bo­he­mi­an Rhap­so­dy schon. Bei­spiels­wei­se das "Ma­king of" des über­krea­ti­ven Ti­tel­songs. Oder die dreist-char­man­te Be­wer­bung Mer­cu­rys (zu die­sem Zeit­punkt noch Far­rokh Bul­sa­ra) bei sei­nen künf­ti­gen Mit­strei­tern.
Ra­mi Ma­lek, aus­ge­stat­tet mit ei­nem zu gro­ßen Über­biss, macht sei­ne Sa­che als Fred­die gut. Bri­an May sieht ge­nau­so aus, wie Bri­an May da­mals aus­sah. Und auch Ro­ger Tay­lor und an­de­re Weg­be­glei­ter (u.a. Bob Geldof) sind spit­ting images der Ori­gi­na­le. Ge­ne­rell lag den Pro­du­zen­ten wohl sehr viel an der mög­lichst fo­to­gra­fisch ge­nau­en Ko­pie der Vor­bil­der. Trotz­dem wirkt der Film selt­sam künst­lich, bei­na­he wie ei­ne Thea­ter­auf­füh­rung. Per­fekt aus­ge­leuch­te­te Sets, je­de Men­ge Pe­rü­cken (als sol­che un­schwer er­kenn­bar) und 1:1 Ko­pien der be­rühm­ten Büh­nen­out­fits gau­keln ei­nen Zeit­ko­lo­rit vor, den die Bild­spra­che dann wie­der und wie­der mit mo­der­nen Mätz­chen zu­nich­te­macht. Fährt ein Tour­bus durch die ame­ri­ka­ni­sche Wei­te, reicht es nicht, das ein­fach zu zei­gen, nein, die Ka­me­ra fliegt von ei­ner Au­ßen­to­ta­le durch die Wind­schutz­schei­be ins In­ne­re des Bus­ses. Das mag ein net­ter, op­ti­scher Gag sein – hier ist es ein­fach nur ober­fläch­li­che Spie­le­rei und stört. Die 80er-Jah­re Schwu­len­clubs von Mün­chen sind zwar „ver­rucht“ rot aus­ge­leuch­tet, aber eben nur Ku­lis­sen, die so asep­tisch wir­ken, als kön­ne man dort vom Bo­den es­sen.
So han­gelt sich der Film et­was holp­rig von Sze­ne zu Sze­ne. Vie­les wird nur be­haup­tet, wie das schlech­te Ver­hält­nis Fred­die Mer­cu­rys zu sei­nem Va­ter, oh­ne dass der Zu­schau­er je Nä­he­res da­zu er­fährt. Zur Ober­fläch­lich­keit der Sto­ry passt der un­an­ge­nehm glat­te Look des Films. Geht es hier nicht um Rock 'n' Roll? Das hät­te ru­hig um ei­ni­ges schmut­zi­ger und rea­ler sein kön­nen. Statt­des­sen saust die Ka­me­ra über die CGI-Mas­sen im Wem­bley Sta­di­on und man hat den Ein­druck, ei­ne Schlacht­sze­ne in "Herr der Rin­ge" zu se­hen.

Zum Fi­na­le kon­zen­triert sich der Film dann ganz auf die Re­pli­ka­ti­on des be­rühm­ten Live Aid-Auf­tritts von 1985. Das ge­hört zu den bes­ten Sze­nen, denn trotz al­ler Künst­lich­keit der Bil­der, sind die Songs im­mer noch so stark, dass man ein­fach mit­ge­ris­sen wird.

FAZIT

So­li­de, aber mut­los. „Bo­he­mi­an Rhap­so­dy“ ist kein Film für ech­te Fans ge­wor­den, mehr ei­ne Show im Stil der Stage En­ter­tain­ment Pro­duk­tio­nen. Ein Sur­ro­gat, wie fürs Mu­si­cal­thea­ter ge­macht.

USA, 2018
Re­gie Bryan Sin­ger
134 min
Ki­no­start 31. Ok­to­ber 2018

Halloween

⭐️⭐️

SPOI­LER ALERT: Mi­cha­el My­ers er­mor­det auch in die­ser Fort­set­zung vie­le Men­schen. Wie schon im Ori­gi­nal ist Scream-Queen Ja­mie Lee Cur­tis mit da­bei. Dies­mal als „badass“-Großmutter, die den Se­ri­en­kil­ler end­lich zur Stre­cke brin­gen will. Da­bei ste­hen ihr Toch­ter und En­kel­toch­ter zur Sei­te, so­zu­sa­gen als ein weib­li­ches 3‑­Ge­ne­ra­tio­nen-Kil­ler­kom­man­do.

MACHART

Zu­recht be­män­gelt ein jun­ger Mann im Lau­fe des Films, dass „die Mor­de von Mi­cha­el My­ers heu­te kei­ne gro­ße Sa­che mehr sind“. Lei­der wahr. In Zei­ten wie die­sen braucht es schon schwe­re­re Ge­schüt­ze, um die ab­ge­stumpf­te Mas­se zu scho­cken. Und so tut sich auch die­se Fort­set­zung des Slas­her-Klas­si­kers et­was schwer, den nö­ti­gen Thrill zu er­zeu­gen. Zu oft ist mitt­ler­wei­le das Ori­gi­nal von 1978 ko­piert und per­si­fliert wor­den (u.a. Scream).
Im­mer­hin hat der Film ei­ne glaub­wür­di­ge Haupt­dar­stel­le­rin, die mit häss­li­cher Bril­le und strup­pi­gem Grau­haar mu­tig zu ih­rem Al­ter steht. Bei­na­he un­ge­schminkt, fast schon in Fran­ces McDormand'scher Art, ver­leiht Ja­mie Lee Cur­tis der Rol­le die nö­ti­ge Ernst­haf­tig­keit. So hat „Hal­lo­ween“ 2018 dem Gen­re zwar nichts grund­sätz­lich Neu­es hin­zu­zu­fü­gen, nimmt aber we­nigs­tens sei­ne Fi­gu­ren ernst und schafft so die nö­ti­ge Fall­hö­he, um ein paar net­te Schock­mo­men­te und ein biss­chen Span­nung zu er­zeu­gen.

FAZIT

Nicht viel Neu­es aus Had­don­field. Geht als Re­tro­film in Ord­nung.

USA, 2018
Re­gie Da­vid Gor­don Green
109 min
Ki­no­start 25. Ok­to­ber 2018

Bad Times at the El Royale

⭐️⭐️⭐️

„Die Höl­le, das sind die an­de­ren“, wuss­te schon Sat­re. Die "an­de­ren" sind in die­sem Fall sie­ben Frem­de, die 1969 wäh­rend ei­ner stür­mi­schen Nacht im Ho­tel El Roya­le fest­sit­zen. Es gibt kein Ent­kom­men. Wer ist gut? Wer ist bö­se? Wem kann man ver­trau­en? Und vor al­lem: Wer wird die Nacht über­le­ben?

MACHART

Un­ter an­de­rem che­cken Jeff Bridges, Da­ko­ta John­son, Jon Hamm und Chris Hems­worth in das her­un­ter­ge­kom­me­ne Ho­tel ein. Her­vor­ra­gen­de Schau­spie­ler, die sich, ganz im Ta­ran­ti­no-style, mit aus­schwei­fen­den Mo­no­lo­gen in Sze­ne set­zen dür­fen. Da­zu gibts hef­ti­ge Bru­ta­li­tät und ei­nen schö­nen Sound­track mit Best of Soul­hits. Die ei­gent­li­chen Stars des Films aber sind das Ho­tel­set und die Aus­stat­tung. Da wird die Be­set­zung fast zur Ne­ben­sa­che. Mit sei­nen per­fekt durch­ge­styl­ten Breit­wand­bil­dern er­in­nert "Bad Times at the El Roya­le" an die gu­te, al­te Zeit Hol­ly­woods. Sehr hübsch an­zu­se­hen.

FAZIT

Den Ho­tel­auf­ent­halt kann man vor al­lem we­gen der tol­len 60er-Jah­re-Aus­stat­tung ge­nie­ßen.
Wem „The Ha­teful 8“ ge­fal­len hat, soll­te auch hier sei­nen Spaß ha­ben.
USA, 2018
Re­gie Drew God­dard
141 min
Ki­no­start 11. Ok­to­ber 2018

The Happytime Murders

Ein Kil­ler met­zelt nach­ein­an­der die ehe­ma­li­gen Dar­stel­ler der Kin­der­se­rie "The Hap­py­ti­me Gang" nie­der. Pri­vat­de­tek­tiv Phil macht sich mit sei­ner Part­ne­rin Con­nie Ed­wards (Me­lis­sa Mc­Car­thy) an die Lö­sung des Falls. Das Be­son­de­re an "The Hap­py­ti­me Mur­ders": Die Hälf­te der Dar­stel­ler sind se­sam­stra­ßen­ar­ti­ge Pup­pen. Hm.

MACHART

Ge­nau. Die Haupt­dar­stel­ler sind Pup­pen. Und zwar kom­plett ver­sau­te. Das ist dann auch mehr oder we­ni­ger der ein­zi­ge Witz des Films. Der Gag, sich Stoff­pup­pen da­ne­ben be­neh­men und sie dre­cki­ge Sprü­che raus­hau­en zu las­sen, hat sich re­la­tiv schnell er­schöpft. Zu­mal das Ni­veau ste­tig sinkt. War­um soll es nach der x‑ten Wie­der­ho­lung noch lus­tig sein, dass je­mand „Du Arsch­loch“ oder „fick dich!“ sagt? Dar­über be­öm­melt sich bes­ten­falls ein 10-Jäh­ri­ger. An­de­rer­seits ist der Film für Kin­der kom­plett un­ge­eig­net: Den größ­ten La­cher hat ei­ne obs­zö­ne Por­no­film­sze­ne mit ei­ner Milch ab­sprit­zen­den Kuh und ei­nem Kra­ken. We­nigs­tens sind bei­de aus Stoff und mit Wat­te ge­füllt.

FAZIT

Lie­be Me­lis­sa Mc­Car­thy, laut Pres­se­heft bist Du "ak­tu­ell nach Jen­ni­fer Law­rence und Scar­lett Jo­hans­son die dritt­best­ver­die­nen­de Schau­spie­ler in der Welt". Dann mach doch bit­te mal wie­der ei­nen gu­ten Film!

USA, 2018
Regie Brian Henson
91 min
Kinostart 11. Oktober 2018

Abgeschnitten

★★

Und war­um auch nicht: Bei der Aut­op­sie ei­ner ver­stüm­mel­ten Frau­en­lei­che fin­det der Rechts­me­di­zi­ner Paul Herz­feld in de­ren Kopf ei­nen Zet­tel mit der Han­dy­num­mer sei­ner Toch­ter Han­nah. Die ist ent­führt wor­den und der Kid­nap­per schickt auf die­se kom­pli­zier­te Wei­se Herz­feld auf ei­ne obs­zö­ne Schnit­zel­jagd, von Lei­che zu Lei­che. Die mor­bi­de Spur führt nach Hel­go­land, aber die In­sel ist we­gen ei­nes Un­wet­ters von der Au­ßen­welt ab­ge­schnit­ten. Herz­feld kommt nicht wei­ter. Des­halb bit­tet er die jun­ge Co­mic­zeich­ne­rin Lin­da um Hil­fe, die ge­ra­de auf Hel­go­land fest­sitzt. Sie soll für ihn – per te­le­fo­ni­scher An­wei­sung – di­ver­se, bö­se zu­ge­rich­te­te Lei­chen auf­schnip­peln und ob­du­zie­ren. Nur so kann der Se­ri­en­kil­ler ge­stoppt wer­den. Voll gru­se­lig.

MACHART

Ein biss­chen "Sie­ben", ein biss­chen "Das Schwei­gen der Läm­mer". Re­gis­sur Chris­ti­an Alv­art hat kei­ne Angst vor copy/​paste. Die vie­len An­lei­hen bei den ame­ri­ka­ni­schen Vor­bil­dern sind of­fen­sicht­lich. "Ab­ge­schnit­ten" ist ein sehr kon­stru­ier­ter, leid­lich span­nen­der deut­scher Thril­ler mit reich­lich com­pu­ter­ani­mier­tem Schnee und viel, viel scham­lo­ser Wer­bung für Mer­ce­des Benz.

Die Be­set­zung ist pro­mi­nent: Schon wie­der Lars Ei­din­ger. Das macht aber nichts, den sieht man im­mer ger­ne, dies­mal als Psy­cho­pa­then, der sei­ne Op­fer in den Selbst­mord treibt. Mo­ritz Bleib­treu, bor­der­line fehl­be­setzt, spielt den Rechts­me­di­zi­ner Paul Herz­feld. Jas­na Frit­zi Bau­er ekelt sich viel als un­frei­wil­li­ge Ob­duk­ti­ons­ge­hil­fin. Und Fah­ri Yar­dim macht, was er am bes­ten kann und be­schränkt sich auf sei­ne Stan­dard­rol­le des tür­ki­schen "Ham­bur­ger Jung mit Herz".

Den Ti­tel des Films kann man üb­ri­gens in mehr­fa­cher Hin­sicht wört­lich neh­men: Ei­ne Va­ter-Toch­ter-Be­zie­hung, Hel­go­land im Un­wet­ter und di­ver­se mensch­li­che Glied­ma­ßen, al­les ist und wird hier ab­ge­schnit­ten.

FAZIT

Halb­wegs span­nen­der Lei­chen­por­no.

Deutschland, 2018
Regie Christian Alvart
132 min
Kinostart 11. Oktober 2018

A Star Is Born

★★★★

Der ab­ge­half­ter­te Rock­mu­si­ker Jack­son Maine (Brad­ley Coo­per) ent­deckt die jun­ge, un­be­kann­te Sän­ge­rin Al­ly (La­dy Ga­ga) in ei­nem Nacht­club. Die hat zwar schon al­le Hoff­nung auf ei­ne Kar­rie­re auf­ge­ge­ben, aber mit viel Nach­druck ver­hilft Jack­son der hoch­ta­len­tier­ten Al­ly zu ei­nem gran­dio­sen Start ins Mu­sik­busi­ness. Ne­ben­bei ver­lie­ben sich die bei­den in­ein­an­der und hei­ra­ten. Al­ly macht Welt­kar­rie­re, wäh­rend Jack­son sich nicht von sei­nen in­ne­ren Dä­mo­nen be­frei­en kann und im­mer tie­fer ins Dun­kel weg­drif­tet.
Neu­in­ter­pre­ta­ti­on ei­nes be­reits drei­mal ver­film­ten Stof­fes.

MACHART

Di­rekt zu An­fang: Al­ko­hol, Pil­len und viel „Fuck“-Gefluche: Das hät­te auch schief­ge­hen kön­nen und zu ei­nem Fremd­schäm-Ego­trip des Re­gis­seurs und Haupt­dar­stel­lers Brad­ley Coo­per wer­den kön­nen.
Aber „A Star Is Born“ über­rascht po­si­tiv, wech­selt ge­konnt zwi­schen be­ein­dru­ckend in­sze­nier­ten Kon­zert­sze­nen und un­er­war­tet lei­sen, zärt­li­chen Mo­men­ten. Dass der Film so gut funk­tio­niert, liegt in ers­ter Li­nie an sei­nen bei­den Haupt­dar­stel­lern: Coo­per spielt den dro­gen­ab­hän­gi­gen, ge­bro­che­nen Star mit viel Schmerz und Tief­gang. Dass La­dy Ga­ga tat­säch­lich sin­gen kann, weiß man spä­tes­tens seit ih­rem ful­mi­nan­ten Auf­tritt bei der Os­car­ver­lei­hung 2015. Da­nach gab es zwar schon ei­nen Em­my für ih­re Rol­le in „AHS: Ho­tel“ aber nun über­rascht sie noch­mal mehr mit ih­rem dif­fe­ren­zier­ten, weit von ih­rem sons­ti­gen Büh­nen-Al­ter Ego ent­fern­ten, zu­rück­ge­nom­me­nen Spiel.

Statt sei­ne Ak­teu­re im Stu­dio vor ei­ne green­screen zu stel­len und dann ein CGI-Pu­bli­kum da­hin­ter­zu­set­zen, hat Re­gis­seur Coo­per bei ech­ten Fes­ti­vals, vor ech­ten Zu­schau­ern ge­dreht (un­ter an­de­rem in Glas­ton­bu­ry und Coa­chel­la). Das war ei­ne wei­se Ent­schei­dung, denn sel­ten wirk­ten Kon­zert­auf­nah­men, in de­nen Schau­spie­ler Sän­ger mi­men, au­then­ti­scher und mit­rei­ßen­der.

Wie man ei­ne ernst­haf­te, schüch­ter­ne Singer/​Songwriterin zu ei­nem JLo-ar­ti­gen Plas­tik-Pop­we­sen ver­biegt, das ist schon ein sehr in­ter­es­san­ter Blick hin­ter die Ku­lis­sen des Mu­sik­ge­schäfts. Da­von hät­te es ger­ne noch mehr ge­ben kön­nen. Et­was red­un­dant füh­len sich hin­ge­gen die Dra­mas­ze­nen an. Im­mer wie­der mi­nu­ten­lang clo­se-ups von ver­heul­ten Ge­sich­tern. Aber die braucht es wohl, denn „A Star Is Born“ will Os­cars! Min­des­tens zwei hät­te er auch ver­dient: für die bes­te Haupt­dar­stel­le­rin und die bes­ten Ori­gi­nal­songs.

FAZIT

Sou­ve­rä­nes Re­gie­de­büt von Brad­ley Coo­per. Ein paar Straf­fun­gen hät­ten nicht ge­scha­det, aber ins­ge­samt ein er­staun­lich kraft­vol­les und ge­lun­ge­nes Mu­sik­dra­ma. Selbst für La­dy Ga­ga-Ha­ter emp­feh­lens­wert.

USA, 2018
Regie Bradley Cooper
136 min
Kinostart 04. Oktober 2018