
Schon Kate Bush wusste: „Tiefer, tiefer, irgendwo in der Tiefe gibt es ein Licht.“ Tom schmeißt für den Eröffnungsfilm der Berlinale die große Tykwer-Maschine an: pseudotiefsinnige Gespräche, märchenhafte Berlin-Realität im Dauerregen und ein kryptischer roter Faden – irgendwas mit Gespenstern und Flüchtlingen – sind die Versatzstücke dieses zwischen Kitsch, Blödsinn und Genialität schwankenden Films.
DAS LICHT erzählt von einer Familie zwischen Zerfall und Neubeginn. Tim (Festival-Stammgast Lars Eidinger) und Milena (Nicolette Krebitz) leben entfremdet, ihre fast erwachsenen Zwillinge Frieda und Jon bewegen sich ebenfalls in eigenen Welten — Frieda mit politischen Aktionen, Jon in virtuellen Realitäten. Das Auftauchen der syrischen Haushälterin Farrah (Tala Al-Deen) verändert das Familiengefüge komplett.
Die Zutaten: viel – nein, sehr viel Dialog, eine Zeichentricksequenz, eine Musicaleinlage, die aussieht, als hätte ein Studentenfilm versucht, „La La Land“ zu kopieren, und eine schamlos von der genialen Burberry-Kampagne (hier der Link zum Original) geklaute „Menschen-fliegen-durch-die-Luft“-Szene. Tykwer nimmt, was ihm gefällt – dazwischen flackert eine geheimnisvolle Lampe. Hokus Pokus Fidibus. Nur Sinn ergibt das selten bis gar nicht. DAS LICHT ist das filmische Äquivalent zu einem bekifften WG-Diskussionsabend mit viel Alkohol und LSD-Trips, bei dem alle mal etwas sagen dürfen. Man kann sich darauf einlassen und Tykwers Mut bewundern – langweilig ist es jedenfalls nicht – oder sich einfach nur wundern. So oder so lässt es einen am Ende ratlos zurück.
Deutschland 2025
162 min
Regie Tom Tykwer
Bild © Frederic Batier / X Verleih AG
Und gleich noch mal: Talent borrows, genius steals. Ob Roman Polanski Klage einreicht? Das ist schon mehr als „inspiriert von“, das ist schlicht geklaut. Dabei fängt es gar nicht so schlecht an: Die coole Berliner Notärztin Judith reist mit ihrem Mann in die österreichische Provinz. Ihr Vater, der sie als Kind zur Adoption weggegeben hat, hat ihr ein prächtiges Haus vererbt, inklusive voll ausgestatteter Arztpraxis. Die überwiegend weibliche Ü70-Dorfgemeinschaft erwartet die neue Frau Doktor schon sehnlichst. Doch irgendetwas stimmt nicht, Judith wird bald von blutigen Visionen heimgesucht, kurze Momente werden zu Tagen, Tage plötzlich zu Monaten und nicht nur die Dorfbewohnerinnen verhalten sich immer seltsamer. Dann ist Judith trotz sterilisiertem Ehemann plötzlich schwanger. „Rosemaries Baby“ lässt grüßen.
Hm, naja, also, positiv zu vermerken sind die stark von der Serie „Dark“ inspirierte Stimmung, die Schauspieler und das Sounddesign. Leider wird die Geschichte vom teuflischen Dorf immer alberner und wirrer. Deutsche und Horror-Thriller geht halt nicht zusammen.
Österreich, Deutschland 2025
115 min
Regie Andreas Prochaska
Bild © Lotus Filmproduktion, Senator Film Produktion
Ein Kommentar
Wie ich lese ist Framerate im Berlinalemodus, sehr schön.