
TRON: ARES ist kein Film, sondern ein Hochglanzprodukt ohne Seele. Alles daran wirkt, als hätte ein Algorithmus ein Drehbuch berechnet, ohne zu begreifen, was Erzählung, Rhythmus oder Stil bedeuten. Das Ergebnis ist ein ästhetisch wie dramaturgisch entkerntes Produkt – laut, teuer, leer.
Regisseur Joachim Rønning inszeniert Szenen, als hätte er zwar ein hohes Budget, aber keine Idee gehabt. Die Bilder schwanken zwischen bombastischem Effektkino und billiger Digitalästhetik, die an minderwertige Fernsehproduktionen erinnert. Besonders grotesk wird es, wenn der Film versucht, den Look des 80er-Originals zu zitieren – und in einem halbgaren Hybrid aus „Kampfstern Galactica“ (der schlechten TV-Serie mit Lorne Greene) und scheußlichem Analog/Digital-Meshup endet.
Die Geschichte: egal. Irgendwie kann jetzt die Tron-Welt des Grids in die Realität gebracht werden – allerdings mit einer Lebenszeit von nur 29 Minuten. Warum? Auch das ist egal. Verschiedene Kasperletheater-Charaktere begeben sich auf die Jagd nach der „Unendlichkeits-Formel“. Jared Leto spielt einmal mehr Jared Leto: selbstbezogen und manieriert. Gillian Andersons Talent wird achtlos verschwendet; sie bleibt eine Randnotiz in einem Film, dessen Mitwirkung sie spätestens bei der Premiere bitterlich bereuen dürfte. Jodie Turner-Smith und Evan Peters verwechseln Kiefermahlen und Augenaufreißen mit Schauspiel.
Die Handlung ist ein Lehrstück der Belanglosigkeit: Figuren reden endlos, während sie im Auto sitzen, tun nichts nachvollziehbares, bleiben bedeutungslos. Trotz aller Banalität erklären immer wieder (offensichtlich nachträglich eingefügte) Dialoge die Handlung. Backstorys existieren nur, weil das Handbuch für Drehbuchschreiben es so vorsieht. Nichts trägt, nichts verbindet sich.
Selbst der Score von Nine Inch Nails – sonst ein Garant für Dichte und Atmosphäre – scheitert hier komplett: Musik und Film finden nie zueinander; jeder Einsatz wirkt zufällig.
TRON: ARES steht sinnbildlich für misslungenes Franchise-Kino: Produkte, die sich als Ereignisse verkleiden, während sie inhaltlich verdorren. Eine leere Simulation von Kino – perfekt gerendert, aber ohne jede Seele. Die Amerikaner haben für solche Unterhaltungsware ein schönes deutsches Wort: Dreck.
Originaltitel „Tron: Ares“
USA 2025
119 min
Regie Hans Joachim Rønning
alle Bilder © Walt Disney Company