No Other Choice

NO OTHER CHOICE

Erstmal unbeliebt machen: Another „Parasite“ it‘s not.

Ab 05. Februar 2026 im Kino

Auf dem Plakat prangt ein Zitat der Washington Post, das natürlich eine Verbindung zu Parasite herstellt. Klar – NO OTHER CHOICE kommt schließlich auch aus Südkorea. Nach dieser Logik wären Fack ju Göhte und In die Sonne schauen ebenfalls vergleichbar: beides deutsche Filme.

Aber na gut, selbstverständlich ist Park Chan-wook ein Regisseur, den das Arthousepublikum liebt: Oldboy, Die Taschendiebin, Die Frau im Nebel waren allesamt Festivalerfolge. Auch NO OTHER CHOICE erfährt viel Liebe und fast durchweg Jubelkritiken. Nur: Warum?

No Other Choice

War Parasite ein bis ins Detail durchkomponiertes Gesamtkunstwerk, ist NO OTHER CHOICE eher ein ordentlich gemachtes Genrestück – mit guten Ideen, aber ohne die skalpellscharfe Präzision. Das zeigt vor allem der Humor. Bei Bong Joon-ho ist er fein austariert, klug gesetzt und nie Selbstzweck. In NO OTHER CHOICE wird die Grenze zur Klamotte hingegen mehr als einmal überschritten. Der Witz ist oft flach, überdreht und gelegentlich geschmacklich fragwürdig – was der Geschichte immer wieder die Schärfe nimmt.

No Other Choice

Dabei klingt die Ausgangsidee vielversprechend. Man-su (Lee Byung-hun) ist Manager in einer Papierfabrik – eine seiner Hauptaufgaben besteht darin, mit einem Holzknüppel auf riesige Papierrollen zu klopfen, um so deren Qualität zu prüfen – und glaubt, er habe es geschafft: Familie, Haus, sicherer Job. Dann wird er entlassen, und es heißt sparen, wo es geht. Plötzlich sind die Tennisstunden der Gattin und das Netflix-Abo seines Sohns Geschichte. Nach Monaten der erfolglosen Jobsuche fasst Man-su einen drastischen Entschluss: Er beginnt, seine Konkurrenten bei den raren Stellenausschreibungen auszuschalten – buchstäblich.

No Other Choice

Das klingt nach bitterböser Satire auf den Arbeitsmarkt oder zumindest nach finsterer Komödie über die Arm-Reich-Schere unserer Gesellschaft. Und tatsächlich sind die immer abstruser werdenden Mordszenen nicht ohne Unterhaltungswert. Dazu setzt Kameramann Kim Woo-hyung auf ungewöhnliche visuelle Ideen: das Spiel mit Perspektiven, Miniaturen und Bildüberlagerungen hat Reiz und Eigenwillen. Doch diesen Momenten stehen Slapstick und unbeholfene Comedy-Szenen im Weg. Während sich bei Parasite der Irrsinn langsam einschleicht, ist hier schon mit der ersten Szene klar, wohin die Reise geht: Achtung, jetzt wird’s absurd und schräg. Dazu zieht sich NO OTHER CHOICE unnötig in die Länge. Eine gute halbe Stunde kürzer, stärker auf das Wesentliche konzentriert und mit mehr dramaturgischer Fallhöhe – dann hätte hier tatsächlich ein zweiter Parasite entstehen können. Immerhin geht NO OTHER CHOICE als südkoreanischer Vorschlag für die Oscars 2026 ins Rennen. Sollte er gewinnen, hätte er immerhin das mit Bong Joon-hos Meisterwerk gemeinsam.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Eojjeol suga eopda“
Südkorea 2025
139 min
Regie Park Chan-wook

No Other Choice

alle Bilder © PLAION PICTURES

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