
Schon der Titel „Ältern“ – ein mäßig originelles Wortspiel aus „Alte“ und „Eltern“ – zeigt, worum es geht: Kinder werden flügge, die noch gar nicht so alten Eltern stehen plötzlich mit leerem Nest da.
Die literarische Vorlage stammt von Jan Weiler, dessen „Pubertier“-Bücher das Phänomen der heranwachsenden Kinder mit lakonischem Witz seziert haben. Nun sind diese Pubertiere erwachsen, gehen ihrer Wege – und lassen ratlose Eltern zurück, die sich fragen müssen, was vom Leben nach der Familie noch übrig ist. Regie-Routinier Sönke Wortmann inszeniert das Ganze als Mischung aus warmherziger Komödie und milder Lebensbilanz.
Erfreulich, dass der Film Mal nicht mit den üblichen Verdächtigen besetzt wurde: Sebastian Bezzel, vielen als grantelnder Provinzermittler aus den Eberhofer-Krimis vertraut, spielt hier einen Mann im schleichenden Abgang. Einer, der nicht weiß, wie ihm geschieht. Immer gerne gesehen: Anna Schudt als seine Frau und auch Kya-Celina Barucki und Philip Müller bekommen die von Erwachsenen erdachten Teenager-Rollen erstaunlich frei von Peinlichkeiten hin. Das passt.
Neu ist das natürlich alles nicht: Man kennt die Tonlage, die Erzählweise, die Dramaturgie. Auch die Unsitte, das halbe Buch aus dem Off vorlesen zu lassen, scheint bei deutschen Literaturverfilmungen unausrottbar. Ein Beispiel ist der neue Freund der Tochter Carla: „Dumm wie Gold, mit einem Herz aus Stroh“, wie sie selbst über ihn sagt. Seine Spezialität besteht darin, zuverlässig jedes Sprichwort zu verdrehen – was für einige hübsche Szenen sorgt. Doch kaum hat man darüber geschmunzelt, meldet sich die Stimme des Vaters aus dem Off, um den Witz noch einmal zu erklären. Wer braucht das? Niemand. Denn Erklärung ist bekanntlich der natürliche Feind jeder Pointe.
Nicht jeder Gag zündet, nicht jede Szene trägt. Aber immer wieder ist DIE ÄLTERN tatsächlich witzig, gelegentlich sogar laut lachend lustig. Unterm Strich eine der besseren deutschen Komödien der letzten Zeit: freundlich ironisch, mit Haltung, ohne Zynismus. Ein Film, der weiß, was er will – und für wen er gemacht ist.
Deutschland 2026
104 min
Regie Sönke Wortmann
alle Bilder © Constantin Film