Berlinale 2026 Tag 3

BERLINALE 2026 – TAG 3

Heute mit Verweigerung und: DAO, ROSEBUSH PRUNING und YÖN LAPSI

15. Februar 2026

Verehrte Leser, Sie haben es hier – gut eine Woche vor der Preisverleihung – zuerst gelesen: DAO wird mindestens einen Darstellerpreis gewinnen (Laien! Die gewinnen immer!), wenn nicht sogar den Preis für den Besten Film.

Woher diese Gewissheit? DAO konnte aus weiter unten beschriebenen Gründen nicht gesichtet werden. Und es gewinnt verlässlich immer der Film den Goldenen Bären, den man verpasst hat.

Wettbewerb

Dao

DAO

Da rutscht einem direkt das Herz in die Hose: 185 Minuten aus Senegal? Passend dazu das längste Copyright aller Zeiten für ein Bild. Leider keine Bewertung möglich, da der größtenteils mit Laien besetzte und improvisierte Film im Presseheft als „eine unaufhörliche, kreisende Bewegung, die durch alles fließt und die Vielfalt der Welt verbindet“ beschrieben und von Menschen, die ihn schon sehen durften, mit verdrehten Augen kommentiert wurde. Deshalb in Kombination mit „abends im Schneeregen mit der BVG zum Potsdamer Platz fahren“ chancenlos.

INFOS ZUM FILM

Frankreich / Senegal / Guinea-Bissau 2026
185 min
Regie Alain Gomis
Bild © Les Films du Worso – Srab Films – Yennenga Productions – Nafi Films – Telecine Bissau Produções – Canal+ Afrique

Wettbewerb

Rosebush Pruning

ROSEBUSH PRUNING

Pro Tag mindestens ein Film im Wettbewerb mit queerem Thema. Seit Tricia Tuttle nichts Besonderes mehr. Und das ist auch gut so. Vor allem, wenn es so unterhaltsam zugeht wie bei ROSEBUSH PRUNING. Ein Film, der vor ein paar Jahren noch für ein Skandälchen gesorgt hätte. Doch inzwischen gab es Saltburn – und eine gewisse Badewasser-Szene.

Der brasilianisch-algerische Regisseur Karim Aïnouz kopiert relativ schamlos das Erfolgsrezept: Man nehme ein paar gutaussehende Jungschauspieler, die tatsächlich spielen können, werfe sie in eine sexuell ambivalente Story in erlesenem Setting und lasse sie unerhörte Dinge tun – bis hin zum Mord. Dazu viel ungewöhnlicher Austausch von Körperflüssigkeiten. Ist beim zweiten Mal vielleicht nicht mehr ganz so shocking, aber trotzdem spaßig.

Zwei Dinge noch: Erstens spielt hier Pamela Anderson mit und ist – keine Überraschung – wieder sehr gut. Zweitens verdient der Vorspann ein ausdrückliches Lob: Während bei anderen Filmen gefühlt zehn Minuten lang eine Produktionsfirma nach der anderen, dazu Förderanstalten und, und, und genannt werden (beim weiter unten besprochenen YÖN LAPSI dauerte das so lange, dass das Publikum mit Gelächter reagierte), bevor der Film überhaupt beginnt und anschließend noch sämtliche Darsteller und Gewerke eingeblendet werden, reicht hier eine schlichte, knallgelbe Tafel. Steht alles drauf. Kann ab jetzt immer so gemacht werden.

INFOS ZUM FILM

Italien / Deutschland / Spanien / Vereinigtes Königreich 2026
97 min
Regie Karim Aïnouz
Bild © Felix Dickinson

Wettbewerb

YÖN LAPSI

Wie wäre es mit einem fleischfressenden Baby im finnischen Wald – und das um 9.00 Uhr morgens zur ersten Pressevorführung? Gerne. Dazu Rupert „Ron Weasley“ Grint in einem finnisch-litauisch-französisch-englischen Horrorfilm? Und dann auch noch im Wettbewerb? Why not.

Womit wir beim eigentlichen Thema wären: Schwangerschaft. Neun Monate lang wächst ein fremdes Wesen im eigenen Leib heran. Regisseurin Hanna Bergholm macht daraus keinen naturalistischen Prozess, sondern eine Pointe – sie schneidet kühn von der Zeugung direkt zur Geburt. Keine Zwischenstufen, kein Warten, kein dicker Bauch. Und kaum liegt das Kind in den Armen, setzt das nächste Phänomen ein: der Vater und sein Mansplaining darüber, wie das alles nun zu funktionieren habe – mit dem Halten, dem Stillen und dem ganzen Rest. Ab da wirkt YÖN LAPSI wie die Fortsetzung von Rosemary’s Baby: Was passiert nach dem berühmten Blick in die Wiege? Nur liegt dort diesmal nicht Satan, sondern ein behaarter Troll.

„Night Born“ – so der englische Verleihtitel – sollte unbedingt als Komödie verstanden werden. Als sehr schwarze, mit Momenten der bewussten Albernheit. Manches funktioniert hervorragend, an anderen Stellen verstolpert sich das Drehbuch in zu plötzlichen, kaum nachvollziehbaren Wendungen. Immerhin: gut gemacht, unterhaltsam und zur Abwechslung was ganz und gar Unpolitisches im Wettbewerb.

INFOS ZUM FILM

Englischer Titel „Night Born“
Finnland / Litauen / Frankreich / Vereinigtes Königreich 2026
92 min
Regie Hanna Bergholm
Bild © Pietari Peltola

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