Berlinale 2026 Tag 7

BERLINALE 2026 – TAG 7

Heute mit der ganzen Wahrheit und: NEW DAWN, ETWAS GANZ BESONDERES und MOSCAS

19. Februar 2026

Ist das nun fatalistisch oder nur realistisch? Die Zuschauer der Berlinale (wenigstens die mit Geschmack) sind sich einig: MOSCAS und QUEEN AT SEA sind die bisher besten Filme im Wettbewerb und haben beide einen Preis verdient. Mit resigniertem Achselzucken sind sich dieselben Menschen einig: Gewinnen werden „die Schanelec“ oder DAO. Was zu befürchten ist.

Wettbewerb

A New Dawn

A NEW DAWN

Mit einer Lauflänge von nur 76 Minuten ist A NEW DAWN schon jetzt der Gewinner des Goldenen Ehrenbärens. Allerdings ist das Interesse an Anime-Filmen hier bei Framerate gering, beziehungsweise nicht existent. Ignorante Grüße.

INFOS ZUM FILM

Japan / Frankreich 2025
76 min
Regie Yoshitoshi Shinomiya
Bild © A NEW DAWN Film Partners

Wettbewerb

Etwas ganz Besonderes

ETWAS GANZ BESONDERES

Lea träumt vom Superstar-Dasein und hat sich deshalb bei einer Talentshow beworben. Auf die Frage des Redakteurs: „Wer bist du und was macht dich aus?“ weiß die 16-Jährige keine Antwort. Derweil wird im thüringischen Gera das Museum unter der Leitung ihrer Tante saniert, und die Pension der Großeltern kämpft ums wirtschaftliche Überleben. Leas Eltern, Matze und Rieke, sind frisch getrennt, da Rieke von einem anderen Mann schwanger ist.

Deutschland in den 20er-Jahren der 2000er: Patchwork-Familie, etwas vom abgehängten Osten, Nazis und Castingshow. Eva Trobischs Film malt ein realistisches Bild der ehemaligen DDR und BRD ein Vierteljahrhundert nach Mauerfall. Vielleicht ist das Luxusproblem von HOME STORIES – so der englische Titel –, dass er zu viele interessante Figuren und Nebengeschichten hat. Der multiperspektivisch erzählte Film springt zwischen Lea, ihren Eltern, der Tante und den Großeltern hin und her. Anfangs funktioniert das gut, doch je weiter sich die Geschichte verzweigt, desto mehr franst sie aus. Konzentriert auf die Tochter-Vater-Handlung hätte das mehr Wucht entfaltet. So wirkt das Ganze wie eine Sammlung von Ausschnitten aus einem Familienfilm, bei dem immer wieder Teile fehlen. So gesehen natürlich auch ein gutes Sinnbild für den Osten Deutschlands heute. Mit Max Riemelt, Eva Löbau und Florian Lukas ist das gut besetzt und insgesamt ordentlich. Solide – aber nicht preisverdächtig.

INFOS ZUM FILM

Englischer Titel „Home Stories“
Deutschland 2026
116 min
Regie Eva Trobisch
Bild © Adrian Campean / Trimafilm

Wettbewerb

Moscas

MOSCAS

Immer wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Das gilt auch für Festivalprogramme – ganz besonders für die Berlinale. MOSCAS, ein Film, den man sich fast gekniffen hätte. Schließlich ist schon Tag sieben, und das frühe Aufstehen geht in die Knochen. Aber dann: zum Glück den inneren Schweinehund überwunden.

Fliegen sind lästige Tiere. Sie machen unangenehme Geräusche und lassen sich nicht vertreiben. Für Olga sind ihre Mitmenschen kaum weniger nervig. Das Leben erträgt sie nur mit Ohrstöpseln. Bevor sie mit anderen in einen Fahrstuhl steigt, nimmt sie lieber die Treppe – trotz entzündetem Fußnagel. Dass sie einen Untermieter, dessen Frau im nahegelegenen Krankenhaus behandelt wird, aufnimmt, hat nichts mit Sehnsucht nach Gesellschaft zu tun, sondern rein finanzielle Gründe. Ärger ist programmiert, denn der neue Mitbewohner schmuggelt seinen neunjährigen Sohn mit ins Zimmer. Doch völlig unerwartet baut Olga eine Verbindung zu dem Kind auf.

MOSCAS fühlt sich an wie ein langer Kurzfilm. Das ist ein Kompliment. Der Verzicht auf klassische Dramaturgie und die Liebe zu kleinen, oft schrägen Details wirken erfrischend anders. In einzelne Blöcke zerschnitten, hätte das auch Stoff für zehn originelle Short Stories sein können. Statt jetzt pseudoklug über „einen Film über Trauer, Verlust und Einsamkeit“ zu salbadern, die schlichte Erkenntnis: MOSCAS ist ein reizender, zu Herzen gehender Film über Menschlichkeit. Und das Beste: wunderbar trockener Humor – und dabei auch noch kurzweilig. Eine Seltenheit im Festivalprogramm.

INFOS ZUM FILM

Englischer Titel „Flies“
Mexiko 2026
99 min
Regie Fernando Eimbcke
Bild © Kinotitlán

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