
Emma Thompson, eine Hütte im Nirgendwo, eisige Winterlandschaften und eine Blutspur: Wer bei „patente Frau auf den Spuren eines Verbrechens im Schnee“ nicht unweigerlich an Frances McDormand in Fargo denkt, hat in der Filmhochschule nicht aufgepasst. Was Spannung und Plotführung angeht, spielt der Coen-Klassiker allerdings in einer anderen Liga.
Barb ist eine frischgebackene Witwe und hat einen nicht besonders schlauen Plan: Inmitten eines Schneesturms will sie an den Lake Hilda in Minnesota fahren, um dort die Asche ihres verstorbenen Mannes zu verstreuen. Natürlich verfährt sie sich und wird unfreiwillige Zeugin einer Entführung. Die nächste dumme Idee: Sie will das junge Mädchen, das im Keller einer Hütte gefangen gehalten wird, auf eigene Faust befreien.
Keine Spoiler – nicht aus falsch verstandenem Ehrgefühl, sondern weil die Geschichte schlicht zu wirr ist. Ständig denkt man: Sie macht was? Warum trifft sie mit dem Zielfernrohr zum zehnten Mal nicht? Wieso ist die kaputte Tür plötzlich wieder heil? Was genau ist eigentlich der Plan?
Ein paar Szenen funktionieren – etwa wenn Emma Thompson plötzlich zur weiblichen MacGyver wird – im Ganzen jedoch bleibt alles zu konstruiert. Bemerkenswert ist immerhin, dass Täterin, Opfer und Heldin allesamt Frauenfiguren sind. Männer versagen auf ganzer Linie oder sind so krank, dass sie eh zu nichts mehr taugen. Dazu die Musik von Volker Bertelmann, der den großartigen Soundtrack zu Konklave komponiert hat und für Im Westen nichts Neues sogar einen Oscar gewann. Insgesamt reicht das für einen soliden Thriller, der Potenzial zu Größerem gehabt hätte.
Originaltitel „Dead of Winter“
USA 2025
97 min
Regie Brian Kirk
alle Bilder © LEONINE STUDIOS