
FATHER MOTHER SISTER BROTHER ist zweifellos besser als Jarmuschs letzter Film The Dead Don’t Die, eine blutleere Konsumsatire mit Zombies, bei der es wenig zu lachen gab. Die Latte liegt also tief. FATHER MOTHER SISTER BROTHER ist ein in drei Teile gegliederter Film, in dem es … ja, worum eigentlich geht?
Das erste Kapitel, FATHER, erzählt von den erwachsenen Geschwistern Jeff und Emily (Adam Driver und Mayim Bialik), die ihrem Vater (Tom Waits) erstmals seit zwei Jahren wiederbegegnen. In dessen abgelegenem Haus in New Jersey weiß keiner so recht, was er sagen soll. Fragen, ob man mit Wasser anstoßen darf, und ähnliche Banalitäten sorgen für einen von qualvollen Pausen gespickten Nachmittag.
Im zweiten Kapitel, MOTHER, verlagert sich die Handlung nach Dublin. Eine dominante Mutter (immer gut: Vanessa Redgrave) empfängt ihre beiden erwachsenen Töchter zur Teatime. Das macht sie einmal im Jahr – eine Qual für alle Beteiligten, denn auch diese Familie hat sich nichts zu sagen. Die Töchter werden von Vicky Krieps und Cate Blanchett verkörpert, was dieses Kapitel zumindest schauspielerisch interessant macht.
Der dritte und zugleich stärkste Teil, SISTER BROTHER, handelt von den Zwillingsgeschwistern Skye und Billy (Indya Moore und Luka Sabbat), die ein letztes Mal die leergeräumte Pariser Wohnung ihrer verstorbenen Eltern besuchen. Alte Fotos, Kinderzeichnungen, Erinnerungen: Hier geht es nicht um Lieb- und Sprachlosigkeit, sondern um das genaue Gegenteil – Kommunikation und Wärme.
Neben der oft steifen Inszenierung stören die langen, lachhaft schlecht gemachten Dialogszenen im Auto. Im Studio vor Greenscreen gedreht, wirken sie erstaunlich unfertig. Die Schärfe liegt auf den Gesichtern der Schauspieler; schon die B-Säule im Auto (da, wo der Gurt herauskommt) verschwimmt, während die nachträglich eingefügten Landschaftsaufnahmen knackscharf vorbeiziehen. Oder sollte das eine künstliche, irreale Atmosphäre erzeugen?
Jarmusch selbst bezeichnet FATHER MOTHER SISTER BROTHER als „Anti-Actionfilm“. Das trifft es. Der Elevator Pitch ließe sich so formulieren: Familien treffen sich, es geschieht fast nichts, und zwischendurch fahren Skateboarder durchs Bild. Bei den Filmfestspielen von Venedig wurde dieses Nichts mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.
Originaltitel „Father Mother Sister Brother“
USA / Irland / Frankreich 2025
110 min
Regie Jim Jarmusch
alle Bilder © WELTKINO
Ein Kommentar
Das mit der B-Säule im Auto ist extra gut erklärt 😉