Marty Supreme

MARTY SUPREME

Pingpong: Wird ein Film über einen Sport, den niemand so richtig ernst nimmt, bei den Oscars abräumen?

Ab 26. Februar 2026 im Kino

Es war einmal in den frühen 80er-Jahren. Ein guter Freund wollte auf keinen Fall E.T. im Kino sehen. Die Begründung für die Klassikerverweigerung: „Zu viel Hype.“

40 Jahre später tauchen MARTY SUPREME und sein Hauptdarsteller (und Produzent) Timothée Chalamet gefühlt in jedem Artikel und bei jeder Preisverleihung auf, bevor der Film überhaupt in die Kinos kommt. Die Liebe zu Kylie Jenner hier, Oscar-Chancen da, Sexszenen zwischen der doppelt so alten Gwyneth Paltrow und Timothée dort: Skandal! Skandal? Man ist medial schon vor dem Essen übersättigt. Aber wie damals bei E.T. ist auch der Hype um MARTY SUPREME berechtigt.

Marty Supreme

Darum geht’s in einem Satz: Die Geschichte eines jungen Mannes mit grenzenloser Energie.

Und in vier Sätzen: Marty Mauser (Chalamet) schlägt sich Anfang der 50er-Jahre als Schuhverkäufer in Lower Manhattan durch. Seinen Job hasst er, viel lieber will er an den Tischtennis-Weltmeisterschaften in Japan teilnehmen. Doch dazu fehlt ihm das Geld. Wie Marty in einer atemlosen Odyssee Sponsoren, leere Kassen, eine schwangere (von ihm), verheiratete (nicht mit ihm) Freundin (Odessa A’zion) und Ex-Hollywood-Star Kay Stone (Gwyneth Paltrow) unter einen Hut zu bringen versucht, erzählt Josh Safdie in seinem furiosen Film.

Marty Supreme

Zum Glück ist daraus kein klassisches Sports-Movie geworden. Natürlich gibt es Spielsequenzen, aber die Tischtennisduelle – spontanes Gähnen schon beim Wort – sind so spannend wie ein „Boris Becker vs. Stefan Edberg“-Tennismatch in den 80ern. Also sehr.

MARTY SUPREME ist ein Film, bei dem – bis auf die Länge – alles stimmt. Vor allem Chalamet, der schon nach wenigen Minuten vergessen macht, dass er ein multimedialer Superstar ist, und ganz in seiner Rolle aufgeht. Dazu hervorragend besetzte Nebenrollen, allen voran Gwyneth Paltrow als reife Frau, die zu einem sexuellen Abenteuer mit einem Jungmann nicht Nein sagt. Atmosphäre, Kamera, Ausstattung, Sets, Kostüme: alles überragend. Die größte Überraschung ist die Musik – ein origineller Soundtrack aus 80er-Jahre-Synthiepop, inklusive Alphavilles „Forever Young“.

Marty Supreme

Ob MARTY SUPREME bei den Oscars abräumt? Zu wünschen wäre es ihm. Denn Timothée hat sich für die Rolle die Seele aus dem Leib trainiert und mimt Marty Mauser mit so viel Hingabe, Tempo und Verletzlichkeit, dass man bis zum Ende mit ihm fühlt: Wie bei Call Me by Your Name zeigt auch dieser Film als letzte Einstellung sein weinendes Gesicht. Damals waren es gebrochenes-Herz-Tränen, bei MARTY SUPREME sind es Freudentränen.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Marty Supreme“
USA 2025
149 min
Regie Josh Safdie

Marty Supreme

alle Bilder © TOBIS

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