
Auf die interessante Frage, weshalb Männer in Pornofilmen manchmal die Socken anbehalten, auch wenn sie ansonsten komplett nackt sind, fabuliert die Google-KI: Es sei ein „visuelles Signal für Normalität“ und rege durch „verbotene Kleidung“ die Fantasie an.
Womit wieder Mal bewiesen wäre, dass KI im Grunde nichts weiß. Bei soviel Quatschaussagen („verbotene Kleidung“?) erübrigt sich fast die eigentliche Frage, warum Heiner Lauterbach in letzter Zeit auffällig häufig mit Volltoupet auftritt. Es muss eine Art Code sein. Vielleicht: Dieser Film ist mir peinlich, aber ich brauche das Geld. Eingeweihte Fans verstehen und verzeihen. Dabei müsste sich weder Lauterbach noch Iris Berben oder der restliche Cast für irgendetwas schämen. Nein – Socken im Bett oder Perücken auf dem Kopf sollten eher Drehbuchautor Richard Kropf und Regisseur Marc Rothemund tragen.
Ob Weißt du noch, Enkel für Anfänger oder Traumschiff (beliebige Episode): Wenn deutsche Filme vom Älterwerden erzählen, laufen die Beziehungen erstaunlich gleich ab. Männer werden ü70 muffelig, Frauen wollen endlich noch einmal leben. Inszeniert wird diese ewig gleiche Drehbuchidee routiniert von Marc Rothemund, Sönke Wortmann oder Markus H. Rosenmüller – mal besser, mal schlechter. Immerhin: Diesmal ist die Location neu. EIN FAST PERFEKTER ANTRAG spielt in Regensburg – der Stadt mit der hässlichsten Uni Deutschlands, dafür mit vielen kameratauglichen Gassen und Brücken. Witwer Walter ist ein Griesgram, der alles bewertet, vorzugsweise negativ. Alice dagegen ist Kunstprofessorin, Freigeist, umgeben von jungen Menschen. Vor 40 Jahren waren sie ein Paar, bis Alice Walters Heiratsantrag ablehnte. Nun treffen sie sich zufällig wieder – und Walter wittert die Chance auf späte Genugtuung.
Naja. Und was dann halt so alles passiert im Malen-nach-Zahlen-Drehbuch: Walter schreibt sich an der Uni ein, um Alice näher zu sein, und trifft dort auf sämtliche Klischees des Typs „junge Studierende“: Rebell, Digga-Proll, Nicht-binär, Emanze – etcetera pp. Aus Verachtung wird Freundschaft, aus Abneigung Liebe. Willkommen in der heilen Welt der deutschen Komödie. Blöd nur, dass dabei jede Glaubwürdigkeit über Bord geht.
Iris Berben bemüht sich redlich, doch selbst sie kann nicht erklären, warum ihre Figur plötzlich Gefühle für den spießigen Walter entwickelt. Ein Blick auf alte Fotos, ach ja, wir hatten auch schöne Tage – und schon ist die Liebe zurück. Konstruiert wirkt das, wie so vieles hier. So wird eine vom arschlochhaften Universitäts-Präsidenten gerade noch kompromisslos ausgesprochene Kündigung schmunzelnd zurückgenommen, nur weil es jetzt besser in die Handlung passt: Wie viele Jahre wollen Sie noch bei uns bleiben, gnädige Frau? „Lame“, würden die Regensburger Studenten dazu sagen.
Nur eine einzige Nebenhandlung in EIN FAST PERFEKTER ANTRAG ist wirklich gelungen: Walter und sein Hund. Da kommen einem tatsächlich die Tränen. Vielleicht hätte der Film als Drama besser funktioniert.
Deutschland 2026
98 min
Regie Marc Rothemund
alle Bilder © LEONINE Studios