
„Here comes the mother f*%#ing BRIDE!“ steht auf dem Plakat.
In Wahrheit müsste es heißen: „Here comes the mother f*%#ing CAST“:
Jessie Buckley, Christian Bale, Annette Bening, Penélope Cruz, Jake Gyllenhaal, Peter Sarsgaard – Maggie Gyllenhaal hat für ihre Regiearbeit zu einem Familientreffen der Oscar-Gewinner und -Nominierten eingeladen. Mehr Starpower geht kaum.
Die Geschichte spielt im Chicago der 1930er-Jahre. Frankensteins Monster (Christian Bale) bittet die brillante Dr. Euphronius (Annette Bening), ihm eine Gefährtin zu erschaffen. Gemeinsam erwecken sie die ermordete Ida wieder zum Leben. Die Braut (Jessie Buckley) ist geboren. Es folgen Romanze, Wahnsinn, Mord und Tanzrevue.
Man versteht natürlich sofort, was die Schauspieler gereizt hat: Hier darf hemmungslos overacted werden. Vor allem Buckley nutzt das aus. Sie schreit, deklamiert, spuckt Vokabeln wie ein wandelndes Lexikon. Doch mehr als einmal hat man das Gefühl, einer Schauspielerin beim „spielen“ zuzuschauen – selten ein gutes Zeichen. Mit ihrem Hang zum „too much“ hatte Buckley schon den grandiosen „Hamnet“ nicht unbedingt zu einem besseren Film gemacht. Christian Bale wirkt dagegen geerdeter: Sein Monster ist kein Karikatur-Wesen, sondern ein einsamer, über hundert Jahre alter Mann mit sehr menschlicher Sehnsucht nach Nähe.
Apropos „too much“: Regisseurin Maggie Gyllenhaal packt in ihre Neuinterpretation des Universal-Klassikers „Bride of Frankenstein“ so viele Metaebenen, Empowerment-Verweise und Filmzitate, dass einem schwindlig werden kann. Sogar Mary Shelley schaut vorbei, um Gewalt gegen Frauen anzuprangern. Klingt kompliziert verkopft – ist aber erstaunlich gut zu verstehen.
Problematisch ist dagegen das Jonglieren mit den Genres. Musical, Groteske, Bonnie-und-Clyde-Gangsterdrama, Krimi, Horrorfilm. Jede einzelne Idee für sich interessant, Gyllenhaal findet zudem grandiose Bilder für ihr Mashup. Nur so richtig gut zusammenpassen will das Ganze nicht. Nach einer wilden Tanznummer wirken die Passagen mit dem Ermittlerteam (Cruz und Sarsgaard) fast banal. Und je länger der Film dauert, desto mehr strengt er an. Schon vor dem boulevardesken Finale verdreht man innerlich öfters die Augen und denkt „ist ja gut, ich hab’s verstanden“.
THE BRIDE! ist ein gut zweistündiger Film, auf den man sich mit Haut und Haaren einlassen muss, sonst funktioniert er nicht. Aber selbst dann wird es nach der Hälfte eher Geduldsprobe als Vergnügen. Oder anders ausgedrückt: Gyllenhaal ist vor lauter Überambition mutig gescheitert.
Originaltitel „The Bride!“
USA 2026
126 min
Regie Maggie Gyllenhaal
alle Bilder © Warner Bros. Pictures Germany
Ein Kommentar
Ging mir genauso.