
Es ist alles eine Frage des Drucks: Wenn vor der Premiere von DER ASTRONAUT – PROJECT HAIL MARY ein aufgekratzter Moderator wieder und wieder betont, wie wahnsinnig lustig und (vor allem) zum Weinen der gleich gezeigte Film sei, sitzt man 156 Minuten mit staubtrockenen Augen da und fragt sich, ob man eventuell ein Herz aus Stein hat.
Apropos Stein, darum geht’s in drei Sätzen: Ryland Grace (Ryan Gosling) erwacht alleine auf einem Raumschiff, Lichtjahre von der Erde entfernt. Seine Mission: eine mysteriöse Substanz entschlüsseln, die unsere Sonne erlöschen lässt. Bald bekommt er unerwartete Hilfe von einem knuddeligen Steinwesen.
Zwei Oscar-Kandidaten, ein Film: Ryan Gosling darf in gleich drei (!) aufeinanderfolgenden Szenen sein schauspielerisches Können durch Weinen beweisen. Doch so richtig packt es einen nicht, Tränen auf der Leinwand sind nicht immer Garant für Tränen beim Zuschauer.
Sandra Hüller möchte man zur sicher üppigen Gage gratulieren – und es war bestimmt eine Erfahrung, bei einer Hollywood-Großproduktion dabei zu sein – doch die Rolle der ESA-Mitarbeiterin Eva Stratt, die auf der Erde das Projekt leitet, hätte von Gaby Dohm bis Nicole Kidman jede spielen können. Hüllers Talent blitzt nur kurz auf, denn meist erklärt sie mit steinerner (ein roter Faden?) Miene der Menschheit, dass sie dem Untergang geweiht ist. Immerhin darf sie in einer Karaoke-Szene ihr Gesangstalent beweisen.
Während des Films rattert eine endlose Referenzliste durchs Hirn: Gravity, E.T., Spaceman, Das Schwarze Loch, sogar Galaxy Quest – und natürlich Der Marsianer. Kein Wunder, schließlich basiert auch dieser Film auf einem Roman von Andy Weir. Das Setup ähnelt sich: ein Mann allein in einer fremden Welt, der sich mit Wissenschaft und Improvisation aus einer schier ausweglosen Situation retten muss. PROJECT HAIL MARY beginnt ähnlich realistisch – bis Rocky auftaucht, ein liebenswerter Alien, der dank Sprach-App schnell mit Menschenstimme kommuniziert. Hübsch gemacht – überhaupt, die Effekte sind erstklassig – doch die Buddy-Nummer wird zunehmend gefühlig, um nicht zu sagen: kitschig.
Sagen wir, wie’s ist: PROJECT HAIL MARY ist mit 156 Minuten entschieden zu lang. Vieles, vor allem im dritten Akt, wird qualvoll ausgespielt. Vielleicht waren aber auch die Erwartungen zu hoch, denn es ist wie immer: Wenn die „First Reactions“ der Influencer von einem „Meisterwerk“ oder gar dem „besten Science-Fiction-Film des Jahrzehnts“ schwärmen, gilt es skeptisch wie die Suze zu sein.
Originaltitel „Project Hail Mary“
USA 2026
156 min
Regie Phil Lord & Christopher Miller
alle Bilder © Sony Pictures