Horst Schlämmer sucht das Glück

HORST SCHLÄMMER SUCHT DAS GLÜCK

Eine Herausforderung: Einen Text über die Kunstfigur Horst Schlämmer zu schreiben, ohne ein einziges Mal die Worte „Weisse Bescheid, Schätzelein“ zu verwenden.

Ab 26. März 2026 im Kino

Humor ist Geschmackssache. In einem Land, in dem von Loriot bis Mario Barth alles erfolgreich sein kann, hat auch Hape Kerkeling seinen Platz gefunden – irgendwo dazwischen: mal feinsinnig, mal ironisch, mal erstaunlich platt. Seine Figur Horst Schlämmer, der schmierige stellvertretende Chefredakteur aus Grevenbroich, kehrt nun nach fast 17 Jahren zurück ins Kino.

Und ja: Die Deutschen lieben Schlämmer. Als übergriffiger Trenchcoatträger mit Toni-Erdmann-Gebiss, der in die reale Welt stolpert, hatte er durchaus seine Momente – sein legendärer Auftritt bei „Wer wird Millionär?“ ist bis heute der beste Beweis. Genau hier aber liegt das Problem dieses Films: Nichts daran ist spontan oder gar anarchisch, alles inszeniert.

Horst Schlämmer sucht das Glück

HORST SCHLÄMMER SUCHT DAS GLÜCK ist als Mockumentary angelegt: Eine junge Kollegin begleitet den Reporter mit der Kamera quer durch die Republik auf der Suche nach – nun ja – dem Glück. Deutschland hat schlechte Laune, und Schlämmer versucht zu ergründen, warum das so ist. Was nach bissiger Gegenwartsbeobachtung klingt, bleibt erstaunlich brav. Begegnungen mit Drogendealern, überdrehten Schaffnerinnen oder Lachgruppen wirken durchweg wie Ausschnitte einer mäßig lustigen Sketchshow auf Sat.1. Wo Formate wie „Borat“ von der Reibung zwischen Realität und Inszenierung leben, fehlt hier jede Fallhöhe. Man spürt zu deutlich: Das ist alles nur gespielt.

Dazwischen Interviewszenen mit Prominenten wie Markus Söder oder Kardinal Woelki. Doch auch diese Momente zünden nicht – eher wirkt es, als habe man sie im Film belassen, einfach weil sie eh schon gedreht waren, egal, ob lustig oder nicht.

Horst Schlämmer sucht das Glück

Da die Suche nach dem Glück scheinbar nicht abendfüllend ist, streut der Film immer wieder kurze Persiflagen ein – angelehnt an Heimatfilme und deutsche Serien der 60er bis 90er-Jahre, von Traumschiff über Klinik unter Palmen bis Unser Lehrer Doktor Specht. Kerkeling spielt dabei mal einen Großwildjäger, mal eine Lehrerin, mal eine betrogene Ehefrau – und gibt dem Campaffen Zucker. Eine hübsche Idee, die jedoch mit dem Rest nichts zu tun hat und erstaunlich einfallslos umgesetzt ist. Denn statt die jeweiligen Epochen und Formate liebevoll zu karikieren, sehen alle diese Szenen gleich aus – glatt, modern, völlig ohne den Charme ihrer Vorbilder. Eine verpasste Chance.

Alles hat eben seine Zeit. Als Schlämmer vor über 20 Jahren zum  ersten Mal auftauchte, war er eine treffende Karikatur toxischer Männlichkeit. Heute wirkt er fast harmlos – vielleicht, weil die Welt um ihn herum längst schlimmer als er selbst geworden ist. Angeblich sehnen sich die Deutschen gerade nach leichter Unterhaltung – der Film wird also garantiert sein Publikum finden, in der Pressevorführung wurde jedenfalls viel gelacht. Ist halt alles Geschmackssache.

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2026
97 min
Regie Sven Unterwaldt

Horst Schlämmer sucht das Glück

alle Bilder © LEONINE STUDIOS

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