
Colin ist schüchtern, unscheinbar, lebt noch bei seinen Eltern. In einer Bar begegnet er dem sexy Biker Ray – und ist sofort verloren. Kaum zu fassen, dass ausgerechnet er die Aufmerksamkeit des großen Geheimnisvollen auf sich zieht. Die Beziehung folgt klaren Regeln: Ray dominiert, Colin ordnet sich unter. Er kocht, putzt, schläft auf dem Bettvorleger. Und wirkt dabei seltsam glücklich. Erst nach und nach meldet sich ein Wunsch, der in diesem Arrangement nicht vorgesehen ist: Nähe auf Augenhöhe.
Was kommt nach RomCom? DomCom. Das Setting erinnert entfernt an Fifty Shades of Grey, nur ohne Hochglanz-Erotik und mit deutlich mehr Herz. Alexander Skarsgård spielt Ray mit stoischer Präsenz und einer Aura des Unnahbaren. Die eigentliche Überraschung ist jedoch Harry Melling, vielen noch bekannt als Harry Potters Cousin Dudley Dursley. Den unterwürfigen Colin spielt er mit so viel zittriger Unsicherheit, dass es herzerweichend ist.
Bemerkenswert, wie unvoyeuristisch das alles inszeniert ist. Ein Film über Sex, der fast unerotisch wirkt. Keine reißerischen Bilder, keine kalkulierte Provokation. Dafür wunderbare Szenen, wie das Abendessen bei Colins Eltern. Die Mutter, schwer krank und ohne diplomatische Filter, konfrontiert Ray mit ihren Sorgen: Nichts weiß man über ihn, nichts gibt er von sich preis. Aber wie im wahren Leben verweigert auch der Film die große Aussprache. Ray bleibt Ray. Er erklärt sich nicht. Er geht.
Regisseur Harry Lighton landete mit seinem Debüt in Cannes einen Überraschungserfolg und gewann den Drehbuchpreis. Kein Erotikfilm, kein Skandal – PILLION ist ein stilles, eigenwilliges Liebesdrama mit Humor, Herz und Vorhängeschloss.
Originaltitel „Pillion“
Großbritannien 2025
107 min
Regie Harry Lighton
alle Bilder © Weltkino