
DER MAGIER IM KREML ist einer dieser Filme, bei denen man sich ständig fragt: Wie viel davon ist wahr – und wie viel erschreckend gut erfunden? Sicher wissen es nur die Beteiligten. Aber was Olivier Assayas hier erzählt, wirkt plausibel. Und genau das macht den Film so beklemmend.
Im Mittelpunkt steht Wadim Baranow (Paul Dano), ein hochintelligenter, ehrgeiziger Mann, der im Chaos des postsowjetischen Russlands Karriere macht. Vom Avantgarde-Regisseur wird er zum Produzenten von Reality-TV-Shows – und schließlich zum inoffiziellen Berater eines eher unscheinbaren ehemaligen KGB-Agenten: Wladimir Putin (Jude Law). Während Russland nach dem Zusammenbruch der UdSSR orientierungslos durch die 90er-Jahre taumelt, hilft Baranow dabei, Putins Macht zu zementieren – mit Reden, inszenierten Bildern und Fernsehauftritten. Schritt für Schritt entsteht so das Bild eines starken Führers.
Der Film basiert auf dem Roman von Giuliano da Empoli und spannt einen großen zeitlichen Bogen: vom Ende der Sowjetunion bis zur Annexion der Krim 2014. Assayas erzählt diese Jahre als politisches Intrigenspiel, nah an realen Ereignissen und gerade deshalb so wirkungsvoll.
Ein Glücksgriff ist Jude Law als Wladimir Putin. Passt das? Erstaunlich gut. Law spielt keine biografische Kopie, sondern eine kühl kalkulierende Machtfigur. Paul Dano steht ihm als Baranow in nichts nach: brillant, kontrolliert, fast beängstigend ruhig. Er säuselt sich durch Sitzungen und Gespräche, immer einen Schritt voraus. Die Figur ist lose an den realen Kreml-Strategen Wladislaw Surkow angelehnt.
DER MAGIER IM KREML ist vor allem ein Dialogfilm, unterstützt von dokumentarischem Archivmaterial. Wer Action erwartet, ist hier falsch. Und trotzdem sind die zweieinhalb Stunden durchgehend fesselnd. Ein kluger, unterhaltsamer Blick auf Macht – und ihren Missbrauch.
Originaltitel „Le Mage du Kremlin“
USA / Vereinigtes Königreich / Frankreich 2025
156 min
Regie Olivier Assayas
alle Bilder © Constantin Film