Allegro Pastell

ALLEGRO PASTELL

Das passiert einem ja auch selten: Man schaut den fünften Film der Woche – und ein paar Tage später hat man ihn schon komplett vergessen.

Ab 16. April 2026 im Kino

Aber keine Sorge: Die Erinnerung an die schweren Probleme der Millennials kehrt mit ein bisschen Konzentrationsarbeit wieder zurück. Millennials, also Anfang bis Mitte 30-Jährige, haben im Grunde die gleichen Sorgen und Nöte wie die Generationen davor, sehen dabei aber besser aus. Zum Beispiel Fernbeziehungspaar Tanja und Jerome. Der Webdesigner wohnt im Haus seiner Eltern in Frankfurt, die aufstrebende Schriftstellerin in Berlin-Neukölln (wo sonst?). Treffen macht die Deutsche Bahn möglich, ansonsten E-Mails, Chats und Videocalls. Es ist eine Liebe, die erstaunlich reibungslos funktioniert – vielleicht ein bisschen zu reibungslos.

Die erste größere Krise ist dann auch eher unspektakulär: Zum 34. Geburtstag baut Jerome seiner Freundin eine Website. Statt Begeisterung erntet er Misstrauen. Er habe sie die ganze Zeit ausgehorcht, nur um die Seite möglichst persönlich wirken zu lassen. Danach ist die Stimmung im Eimer. Während man als Zuschauer noch denkt: Eure Probleme und Wohnungen möchte ich auch haben, folgen Affären und Verletzungen – aber selbst die wirken erstaunlich kontrolliert und banal.

Allegro Pastell

Das passt zum Grundgefühl des Films. ALLEGRO PASTELL ist weniger ein Drama als ein sehr gepflegtes Beziehungs-un-Drama. Probleme sind vorhanden, aber bitte nicht zu schlimm. Konflikte werden angesprochen, aber möglichst ohne Kollateralschäden. Man lebt, liebt und leidet im Schonwaschgang. Das hat etwas Zeitgeistiges – und gleichzeitig etwas leicht Blutleeres.

Allegro Pastell

Dass der Film dabei so nah an seiner Vorlage bleibt, wundert nicht. Leif Randt hat seinen eigenen Bestseller adaptiert, mit Figuren, die vor allem um sich selbst kreisen, in einer Welt, in der echte Konsequenzen selten spürbar werden. Regisseurin Anna Roller setzt das gemeinsam mit Kameramann Felix Pflieger in Bilder um, die genau so aussehen, wie man es erwartet: sauber, glatt, instagramtauglich. Schöne Menschen in schöner Umgebung, stets gut ausgeleuchtet. Sylvaine Faligant spielt Tanja mit überzeugender Mischung aus Distanz und Verletzlichkeit, doch vor allem Jannis Niewöhner überrascht angenehm – vielleicht liegt ihm die Gegenwart tatsächlich besser als die Historie mit angeklebtem Bart.

Am Ende bleibt ein Film, der sich genauso verhält wie seine Figuren: das treffende Porträt einer Generation, die alles reflektiert und dabei wenig riskiert. Insgesamt schön anzusehen, dabei immer leicht distanziert. Die Zielgruppe wird trotzdem sagen: Cute, ich lieb’s!

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2026
100 min
Regie Anna Roller

Allegro Pastell

alle Bilder © DCM

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