
Erbitterter Familienstreit ums Vermögen! Skandal! Was hätte das für eine Edel-Soap werden können – Denver Clan reloaded. Doch Regisseur Thierry Klifa inszeniert das große Drama um L’Oréal-Chefin Liliane Bettencourt als betulich-langatmige Rekonstruktion.
Was soll man über Isabelle Huppert sagen, außer dass sie – wie so oft – makellos ist. Ihr Spiel ist mit Abstand das Beste an diesem Film. Die Rolle der Marianne Farrère (aka Liliane Bettencourt), migränegeplagte Milliardenerbin, gefangen zwischen Ehemann, Angestellten und Reichtum wie in einem goldenen Sarkophag, ist ihr auf das gelangweilte Gesicht geschneidert. Blass, schön, entrückt – wie eine sorgfältig geschminkte Wachsfigur. Das Problem: Der Film um sie herum ist deutlich weniger bissig oder böse, als es diese Geschichte verdient hätte.
Dass Pierre-Alain Fantin (ein bisschen zu überdreht: Laurent Lafitte) nichts Gutes im Schilde führt, ist von Anfang an klar. Er geht erstaunlich offen mit seinen unlauteren Absichten um, versteckt weder seine Homosexualität noch seinen Hunger nach Ruhm und Geld. Marianne Farrère hingegen fühlt sich gesehen, erweckt – und glaubt, endlich einen echten Freund gefunden zu haben. Tochter und loyaler Diener sehen das naturgemäß anders: Der Schmarotzer muss weg.
Hupperts scharfe Zunge, Fantins respektlose Neckereien: Die erste Hälfte funktioniert noch halbwegs, getragen von dem flamboyanten Eindringling, der wie eine Abrissbirne durch die perfekt aufgeräumte Welt der Überreichen pflügt. Doch in der zweiten Hälfte zerfasert der Film zusehends. Szenen reihen sich nur noch aneinander. Mag sein, dass es „so war“ – aber dies ist ein Spielfilm. Gerade ein True-Crime-Drama braucht einen dramatischen Bogen.
Auch die interessanten Nebenstränge verlaufen im Sand: die familiären Verstrickungen mit den Nazis, spätere finanzielle Zuwendungen an die Rechten, das allzu vertraute Verhältnis von Monsieur Farrère zu seinem blondierten Diener Jérôme (Raphaël Personnaz). Alles wird angerissen, nichts wirklich vertieft. Episode folgt auf Episode.
Mit einem besseren Drehbuch oder ambitionierterer Regie hätte DIE REICHSTE FRAU DER WELT tatsächlich skandalös gut werden können. Hätte, hätte, Diamantenkette. So aber bleibt ein sauber gespielter, edel ausgestatteter Film, der eine sensationelle Geschichte erstaunlich leblos erzählt.
Originaltitel „La femme la plus riche du monde“
Frankreich / Belgien 2025
121 min
Regie Thierry Klifa
alle Bilder © Neue Visionen Filmverleih
Ein Kommentar
„Hätte, hätte, Diamantenkette“…
Sehr schön.
Ich male mir gerade eine Situation aus, in der ich diesen Ausdruck mit Fug und Recht verwenden könnte.