
WIR GLAUBEN EUCH erzählt von der nervenaufreibenden Anhörung einer Mutter, ihrer beiden Kinder und des Vaters vor einer Familienrichterin. Präzise inszeniert und makellos gespielt, ist der Film so spannend wie ein Thriller.
Alice (Myriem Akeddiou) ringt nach Luft, ihr Magen rebelliert, die Angst ist ihr ins Gesicht geschrieben. Es fällt ihr sichtlich schwer, sich zusammenzureißen. Denn gleich muss sie ihrem Ex-Mann (Laurent Capelluto) gegenübertreten, der sein Besuchsrecht für die gemeinsamen Kinder einklagt: den wütenden zehnjährigen Etienne (Ulysse Goffin) und die 17-jährige Lila (Adèle Pinckaers). Die Familienrichterin soll entscheiden, was für die Kinder das Beste ist. Weder Etienne noch Lila wollen weiteren Kontakt zu ihrem Vater.
WIR GLAUBEN EUCH legt Schicht für Schicht frei, enthüllt nach und nach, was geschehen ist – und was auf dem Spiel steht. Myriem Akeddious außergewöhnliche Darstellung vermittelt die gesamte emotionale Zerrüttung ihrer Figur. Den Wechsel aus Wut, Hoffnung und Frustration spielt sie schlicht sensationell.
Bei einer Laufzeit von nur 78 Minuten bleibt keine Zeit für Nebengeschichten. Das Regieduo Devillers und Dufeys konzentriert sich ganz aufs Wesentliche und bleibt nonstop dicht an den Figuren. Jede Rolle ist punktgenau besetzt. Die Anhörung entfaltet sich beinahe in Echtzeit – man glaubt, selbst im Gerichtssaal zu sitzen. Ein Feel-Good-Movie ist das wirklich nicht, aber ein extrem aufwühlendes.
Selbst schuld: Das intensive, klaustrophobische Kammerspiel ging bei der Berlinale 2025 in der Sektion „Perspectives“ komplett unter. Umso mehr ein Grund, beim nächsten Mal wieder genauer auf die Nebenreihen zu schauen – und weniger auf den oft öden Wettbewerb
Originaltitel „On vous croit“
Belgien 2025
78 min
Regie Charlotte Devillers und Arnaud Dufeys
alle Bilder © eksystent filmverleih