Verflucht normal

VERFLUCHT NORMAL

John Davidson war kürzlich in den Medien, weil er bei den diesjährigen Bafta Awards schwule und schwarze Schauspieler mit unangemessenen Beleidigungen beschimpft hat. VERFLUCHT NORMAL erzählt seine Geschichte.

Ab 28. Mai 2026 im Kino

Ficken! Hitler! Drecksau! Die meisten verbinden mit dem Tourette-Syndrom vor allem eins: unkontrollierte Beleidigungen. Genau dieses Klischee greift die britische Dramödie VERFLUCHT NORMAL (Originaltitel „I Swear“) auf – und versucht gleichzeitig, aufzuklären.

Im Mittelpunkt steht John Davidson. Anfang der 1980er gerade noch ein ganz normaler, fußballbegeisterter Junge, überfällt ihn die Krankheit wie aus heiterem Himmel. Mit katastrophalen Folgen: Die überforderten Eltern trennen sich, in der Schule wird John gemobbt. VERFLUCHT NORMAL begleitet ihn über mehrere Jahrzehnte – von den ersten verstörenden Ausbrüchen bis zu dem Punkt, an dem er lernt, mit seiner Erkrankung zu leben und öffentlich für mehr Verständnis zu werben.

Verflucht normal

Regisseur Kirk Jones bewegt sich dabei auf schwierigem Terrain. Denn VERFLUCHT NORMAL möchte lustig sein, ohne sich über seinen Protagonisten lustig zu machen. Das gelingt die meiste Zeit. Manche Szenen sind richtig komisch, andere gehen an die Schmerzgrenze, gerade weil sie so nah an der Realität sind. Vor allem aber zeigt der Film, wie erschöpfend es sein muss, permanent die Kontrolle über den eigenen Körper und die eigene Sprache zu verlieren – und wie belastend das auch für Familie und Freunde sein kann.

Verflucht normal

Großen Anteil daran, dass der Film über weite Strecken so gut funktioniert, haben die beiden Hauptdarsteller: Sowohl Scott Ellis Watson als jugendlicher Davidson als auch Robert Aramayo in den späteren Jahren verleihen der Figur eine Menschlichkeit, die den Film immer wieder rettet. Gerade Aramayo schafft es, die Wut, Scham und Verzweiflung hinter den impulsiven Ausbrüchen spürbar zu machen, ohne dabei in eine „Schauspieler-schielt-auf-Oscar“-Performance abzurutschen.

Trotzdem bleibt VERFLUCHT NORMAL ein klassisches Biopic nach bekanntem Muster. Rückschläge, kleine Siege, emotionale Versöhnungen – manches fühlt sich wie abgehakt an, anderes kommt zu kurz. Letztlich erfährt man über das Tourette-Syndrom wenig, das man nicht schon aus anderen Filmen oder Dokus kennt. So bleibt eine typisch britische, sympathische Dramödie mit einem sensationellen Robert Aramayo.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „I swear“
GB 2025
121 min
Regie Kirk Jones

Verflucht normal

alle Bilder © Wild Bunch Germany

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