
Die drei Kratzer könnten aber auch etwas anderes bedeuten: Laut Legende dienten sie früher Landstreichern als Warnung: „Vorsicht, hier lauert Gefahr.“ Maddie und Tyler reisen in einem Campingbus quer durch die Vereinigten Staaten. Als sie eines Nachts von einem Auto überholt werden, das kurz darauf gegen einen Baum kracht, ahnen sie noch nicht, dass eine der drei Regeln für Dauercamper lautet: Nachts niemals anhalten. Für den Fahrer kommt jede Hilfe zu spät. Doch aus dem mit drei Kratzern markierten Wrack entweicht ein unheimlicher Gast und nistet sich bei Maddie und Tyler ein. Als kurz darauf auch ihr Mercedes-Van die seltsamen Symbole trägt, wird die Reise zum Horrortrip.
Regisseur André Øvredal hat ein durchwachsenes Œuvre vorzuweisen. So gut „The Autopsy of Jane Doe“ war, so wenig konnte sein letzter Film „The Last Voyage of the Demeter“ begeistern. (Framerate-Urteil: langweilig.) Auch PASSENGER funktioniert nur teilweise.
Da ist zunächst einmal die originelle Idee. Der Film ist gut gemacht und ordentlich gespielt. Mit Jacob Scipio und Lou Llobell hat Øvredal zwei nicht besonders aufregende, aber effektive Schauspieler besetzt. Dazu kommen einige gelungene Jumpscares. Wer hätte gedacht, dass ein Supermarktparkplatz so unheimlich sein kann? Øvredal gelingt es in ein paar Szenen durchaus, eine bedrohliche Atmosphäre zu erzeugen. Albern wird es vor allem gegen Ende. Zudem ist das Drehbuch längst nicht ausgearbeitet genug, um 94 Minuten zu tragen. Nach gut einer Stunde beginnt man sich zu fragen, wie lange der Spuk eigentlich noch dauern soll.
Zum Schluss kippt der Film dann endgültig ins Fantastische. Das ist schade, denn gerade der Kontrast aus realem Reisealltag und unheimlicher Legende macht bis dahin den Reiz aus. Kontraproduktiv ist außerdem, das Monster zu lange und zu deutlich im Licht zu zeigen. Es ist dann eben doch nur ein geschminkter Schauspieler mit künstlichem Gebiss.
Die wichtigste Frage aber bleibt unbeantwortet: Wenn die drei Kratzer im Lack eine Warnung vor Gefahr sein sollen — von wem stammen sie dann eigentlich? Vom Monster selbst? Das ergibt ungefähr so viel Sinn, wie sich mit einem Fahrrad zwischen zwei parkenden Autos durchzuquetschen.
Originaltitel „Passenger“
USA 2026
94 min
Regie André Øvredal
alle Bilder © Sony Pictures