
Tommy (Anson Boon) ist ein richtiges Arschloch. Der 19-jährige Kleinkriminelle terrorisiert seine Umwelt, säuft, schnieft und fickt alles, was ihm in die Quere kommt – eine pain in the ass für die Menschheit. Mit seinen Verfehlungen prahlt er auch noch auf Social Media. Natürlich ist das nur die Oberfläche: Dass er mehrfach ältere Männer als „Pedos“ bezeichnet, kann Provokation sein – oder ein Hinweis auf ein selbst erlebtes Trauma. Eines sehr bedröhnten Abends wird Tommy entführt. Ernüchtert findet er sich am nächsten Morgen angekettet in einem Kellerraum wieder. Seine Entführer: eine biedere Familie, die dem Jungen Anstand beibringen will.
Der aus „Adolescence“ bekannte Stephen Graham überzeugt als gestrenger Vater, aber vor allem der junge Anson Boon ist herausragend – als wandelnde, entsicherte Handgranate.
Jan Komasas GOOD BOY – WIR WOLLEN NUR DEIN BESTES ist ein Paradebeispiel für Spoiler-Verbot. Man sollte vorher so wenig wie möglich über die Handlung wissen. Denn immer wieder überrascht, schockiert und verunsichert der Film. Nur soviel: Die Geschichte erinnert ein bisschen an „Misery“ meets „Clockwork Orange“.
GOOD BOY ist ein schwarzhumoriger Psychothriller, dessen zwiespältige Botschaft sich auf zwei einfache Phrasen herunterbrechen lässt: Der Zweck heiligt die Mittel. Und: Nur mit harter Hand lässt sich eine verlorene Jugend wieder auf Kurs bringen. Sind die vermeintlichen Feinde am Ende vielleicht doch die Retter? Eine interessante Frage, die der Film bewusst offen lässt. Nur schade, dass einige Handlungsstränge komplett im Sande verlaufen, und auch das Finale nach allem, was zuvor passiert ist, etwas unglaubwürdig wirkt.
Das ist allerdings Jammern auf hohem Niveau: Regisseur Jan Komasa hat mit GOOD BOY – WIR WOLLEN NUR DEIN BESTES einen düsteren Psychothriller geschaffen, der lange im Gedächtnis bleibt.
Originaltitel „The Good Boy“ zuvor „Heel“
Polen / GB 2025
110 min
Regie Jan Komasa
alle Bilder © X-Verleih