Das Sommerbuch

DAS SOMMERBUCH

Ein Film, so aufregend wie ein Bildschirmschoner

Ab 25. Juni 2026 im Kino

DAS SOMMERBUCH handelt von Sophia, ihrem Vater und ihrer Großmutter, die auf einer winzigen Insel im Finnischen Meerbusen leben. Es ist eine Geschichte vor allem über die Beziehung zwischen einer sehr alten Frau und einem kleinen Mädchen, das die Welt entdeckt.

Dass hier Amerikaner und Briten Finnen spielen, ließe sich unter anderen Umständen mit „erhöht die Chancen auf dem internationalen Kinomarkt“ erklären. Doch Charlie McDowells Buchverfilmung ist so bleiern, dass auch Stars wie Glenn Close nichts ausrichten können. DAS SOMMERBUCH ist für den Programmkinomarkt gemacht – hätte also besser mit finnischen Schauspielern funktioniert – und wäre um einiges authentischer gewesen.

Das Sommerbuch

Es gibt gelungene Filme, die nur aus stimmungsvollen Bildern und ergreifender Musik bestehen – jedes beliebige Terrence-Malick-Werk ist dafür der beste Beweis –, doch bei DAS SOMMERBUCH hat sich der Zauber der rauen Natur, unterlegt mit Pianogeklimper, spätestens nach einer Viertelstunde erschöpft. Was vor allem an den Figuren und der auf der Stelle tretenden Geschichte liegt. Da ist zum einen der von Anfang bis Ende eindimensional bleibende Vater: ein Witwer, der, vom Tod seiner Frau gelähmt, den emotionalen Kontakt zu seiner kleinen Tochter verloren hat. Die wird von Emily Matthews gespielt. Das äußerlich einer deutschen Ex-Kanzlerin nicht unähnliche Mädchen quält seine Großmutter (und die Zuschauer) mit altklugen Sprüchen und endlosen Fragen. Kein Wunder: Die Kleine langweilt sich halt. So sehr, dass sie den lieben Gott um einen Sturm bittet, damit „endlich etwas passiert“. Dem möchte man sich anschließen.

Das Sommerbuch

Dann wäre da noch die sonst verlässlich gute Glenn Close als steinalte Großmutter. Nur leider wird ihr kaum mehr zugestanden, als niedlich-schrullig auf den Tod zu warten. In zahlreichen Szenen scheint sie bereits auf halbem Weg ins Jenseits: Mal bricht sie würgend zusammen, dann blickt sie aufs Meer und schließt bedeutungsschwer die Augen, einmal faltet sie gar im Bett die Hände – wie aufgebahrt liegt sie da. Insgeheim beneidet man sie in solchen Momenten. Ein wenig Schlaf wäre jetzt genau das Richtige. Dazu kommt – und das mag dem begrenzten Budget geschuldet sein –, dass Glenn Close unter einer wenig überzeugenden Faltenmaske und Grauhaarperücke verschwindet. In manchen Einstellungen erinnert sie an eine missglückte Variante von Mrs. Doubtfire.

Tove Janssons „Das Sommerbuch“ ist ein Roman, in dem fast nichts geschieht und doch zwischen den Zeilen sehr viel. Eine Qualität, die Regisseur McDowell nicht auf die Leinwand übertragen konnte. Manche Bücher sollten besser unverfilmt bleiben.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „The Summer Book“
Finnland / Vereinigtes Königreich / USA 2024
95 min
Regie Charlie McDowell

Das Sommerbuch

alle Bilder © Film Kino Text

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