Couscous und Geheimnisse

COUSCOUS UND GEHEIMNISSE

Mütter haben es nicht leicht. Ihre Kinder erst recht nicht.

Ab 25. Juni 2026 im Kino

Vor allem dann nicht, wenn die Mutter lieber in Algerien leben würde, der verstorbene Ehemann eigentlich noch da sein sollte, der Sohn endlich eine algerische Frau heiraten müsste und die Tochter gefälligst nicht von einer Affäre schwanger sein sollte. Fatima hat zu allem eine Meinung – und sowieso immer recht. Statt die Dinge zu akzeptieren, wie sie sind, macht sie lieber ihren Kindern das Leben zur Hölle.

Ihr Sohn Mehdi (Younès Boucif) bekommt das besonders deutlich zu spüren. Der junge Koch führt ein anstrengendes Doppelleben: Zu Hause spielt er den perfekten Sohn, während er seine französische Freundin Léa und seine beruflichen Pläne vor der Mutter geheim hält. Doch Léa drängt darauf, endlich die Schwiegermutter in spe kennenzulernen. Also kommt Mehdi auf eine ebenso verzweifelte wie absurde Idee: Er engagiert eine Ersatzmutter.

Couscous und Geheimnisse

Klingt erstmal nach alberner Verwechslungskomödie. Ist es aber nicht. Tatsächlich funktioniert das Ganze über weite Strecken erstaunlich gut. Vor allem wegen Hiam Abbas als Ersatzmutter. Die ist genau das Gegenteil der echten Mutter: lebenslustig, schlagfertig, voller Geschichten und mit einer bewegten Vergangenheit. Kein Wunder, dass sie im Laufe des Films nicht nur Mehdi, sondern fast alle anderen auch um den Finger wickelt. 

Ganz ohne Probleme kommt La petite cuisine de Mehdi (Originaltitel) allerdings nicht davon. Je länger der Film dauert, desto schwerer fällt es, der konstruierten Geschichte zu glauben. Vor allem im Mittelteil wirkt manches seltsam sprunghaft. Mitunter hat man das Gefühl, als wären ein paar Szenen der Schere zum Opfer gefallen: Warum steht Léa jetzt plötzlich bei der echten Mutter vor der Tür?

Couscous und Geheimnisse

Umso erfreulicher, wie Amine Adjina die ernsteren Themen in seinem Regiedebüt behandelt. Generationskonflikte, Culture-Clash und familiäre Erwartungen werden mit leichter Hand erzählt, ohne je ins Klamaukige oder Belehrende abzurutschen.

Besonders gelungen: COUSCOUS UND GEHEIMNISSE verweigert die allzu einfache Versöhnung. Mehdi braucht zwar viel zu lange, um seiner Mutter endlich die Stirn zu bieten. Doch statt großer Läuterung bleibt Fatima erstmal genau so, wie sie vorher war: manipulativ, anstrengend und permanent auf der Suche nach Mitleid. Das ist vielleicht nicht besonders herzerwärmend, fühlt sich aber sehr realistisch an.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „La petite cuisine de Mehdi“
Frankreich 2025
104 min
Regie Amine Adjina

Couscous und Geheimnisse

alle Bilder © Lighthouse

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