
Statt sich darüber auszulassen, wie Grenzen sprengend und bildgewaltig Christopher Nolans DIE ODYSSEE ist, könnte man auch einfach die Besetzungsliste runterbeten: Matt Damon, Tom Holland, Anne Hathaway, Robert Pattinson, Lupita Nyong’o, Zendaya und Charlize Theron.
Für alle, die nicht in der Schule aufgepasst haben: Homers Odyssee erzählt von der zehnjährigen Irrfahrt des griechischen Helden Odysseus nach dem Trojanischen Krieg. Während er auf dem Weg nach Hause zornige Götter, Zauberinnen und andere Gefahren überstehen muss, wartet seine Frau Penelope in Ithaka und hält sich dort eine ganze Reihe aufdringlicher Freier vom Leib.
Christopher Nolan macht aus der 3.000 Jahre alten Geschichte Kino, das größer kaum sein könnte. Gedreht im 70mm-IMAX-Format, mit einem wuchtigen Soundtrack von Ludwig Göransson, überwältigenden Locations und gigantischen Sets.
Und trotzdem braucht DIE ODYSSEE ganz schön lange, bis sie endlich Fahrt aufnimmt. Die erste Stunde wirkt wie eine aufwendig bebilderte Vorbereitung auf den eigentlichen Film. Später entwickelt die Geschichte zwar mehr Spannung und Wucht, so richtig packen will es einen aber selten.
Natürlich gibt es starke Momente: Die Begegnung mit der Zauberin Circe, die Odysseus’ Männer in Schweine verwandelt, gehört zu den Höhepunkten des Films. Allerdings zeigt DIE ODYSSEE, dass selbst Christopher Nolan bei Spezial-Effekten an seine Grenzen stoßen kann. Während die Bilder sonst spektakulär sind, wirken einige der Kreaturen künstlich. Besonders der Zyklop erinnert in seiner seltsam wächsernen Optik an Steven Spielbergs unguten THE BFG. Bei Nolan sollte man erwarten dürfen, dass er einen echten einäugigen Riesen castet.
Matt Damon spielt Odysseus mit einer schönen Mischung aus Erschöpfung und Entschlossenheit. Tom Holland überzeugt (mehr als gedacht) als Telemachos, und Robert Pattinson steht die Schurkenrolle hervorragend.
Ach ja, da gab’s noch die Diskussion um die zu moderne Sprache, die schon vor Kinostart losgetreten wurde. Na gut, Homer hat damals sicher nicht „My dad“ oder „Let’s go!“ geschrieben. Die deutsche Synchronfassung hilft hier ausnahmsweise, weil daraus „Mein Vater“ und „Vorwärts!“ werden. Wirklich irritierend allerdings, wenn jemand in der Originalversion mit amerikanischem Akzent fragt: „Are you okay?“
DIE ODYSSEE ist kein neuer Nolan-Meilenstein wie Oppenheimer, Interstellar oder The Dark Knight. Es ist ein hervorragend gemachtes, düsteres und komplett humorfreies Drama – eines, das mehr beeindruckt, als dass es wirklich mitreißt.
Originaltitel „The Odyssey“
GB / USA 2026
173 Minuten
Regie: Christopher Nolan
alle Bilder © Universal Pictures International Germany