
Die beste Filmhochschule ist immer noch das Kino. George Lucas hat sich für Star Wars von den Abenteuerserials der 30er-Jahre beeinflussen lassen, Steven Spielberg von Großmeistern wie John Ford oder Robert Wise und Brian De Palma galt jahrzehntelang als Wiedergeburt von Alfred Hitchcock. Nur recht und billig, dass sich das Regieduo Pål Øie und Sjur Aarthun seine Inspiration ebenfalls von erfolgreichen Vorbildern zusammenzitiert oder besser gesagt: zusammenklaut. Denn subtil sind die Anleihen an Alien, Alien und nochmals Alien, King Kong, Der weiße Hai und (sogar) Titanic nun wirklich nicht.
Problematisch ist vor allem die Zeichnung der Figuren. Denn die sind einem herzlich egal. Als die Heldin in höchster Gefahr schwebt, denkt man sich: Ach Gott, wenn sie jetzt verspeist würde, wäre es auch nicht weiter schlimm. Eine ausgleichende Strafe für den jahrhundertelangen Calamari-Fritti-Verzehr der Menschheit. Ja, ja, Kraken sind keine Kalamare: Die einen haben acht, die anderen zwei leckere Arme mehr.
Die Handlung ist nicht allzu komplex und schnell zusammengefasst: Es gibt Probleme im Fjord! Die Fische gehen an Land, die Menschen verschwinden im Wasser. Meeresbiologin Johanne untersucht das Massensterben vor Ort. Der Schuldige ist schnell gefunden: ein monströses Tentakelwesen, das durch eine für die Lachszucht entwickelte Schalltechnologie aus den Tiefen des Gewässers nach oben gelockt wurde.
Fast schon ärgerlich, dass KRAKEN so wenig Spannung oder wenigstens leichten Grusel erzeugt. Denn der Film ist zwar eine norwegische Low-Budget-Produktion, sieht aber viel teurer aus. Die Effekte sind (bis auf wenige Ausnahmen) gut gemacht und orientieren sich glücklicherweise an der alten Maxime: Wenn du kein Geld hast, zeige dein Monster nie richtig. Auch die Geschichte ist halbwegs originell. Nur leider schaffen Pål Øie und Sjur Aarthun das schier Unmögliche: Obwohl ihr Film nur 86 Minuten lang ist, erzeugen sie durch quälend langsames Erzählen vor allem eins: Langeweile.
Originaltitel „Kraken“
Norwegen 2026
86 min
Regie Pål Øie und Sjur Aarthun
alle Bilder © Splendid Film