Bitteres Fest

BITTERES FEST

Der neue Almodóvar: Auch ein Meister kann mal schwächeln.

Ab 30. Juli 2026 im Kino

Das Nebenzimmer, in dem das offene Umarmen des bevorstehenden Todes ihm den Goldenen Löwen von Venedig einbrachte, war bereits eine weibliche Belagerung, in dem er darlegte, wie die Pharmakologie der filmischen Schöpfung die tödliche Somatisierung des Halbhinken reinigen konnte.

Wer bis hierhin nichts verstanden hat: Herzlichen Glückwunsch, dass Sie nicht in Spanien leben. Denn so urteilen die Kritiker dort über Almodóvars neuesten Film, behauptet jedenfalls Google-Translate.

Bitteres Fest

Zwei Zeitebenen verweben sich zu einem Spiel zwischen Realität und Fiktion: Der schwule Regisseur Raúl ringt mit einem neuen Drehbuch. Es handelt von der Filmemacherin Elsa, ihrem Partner Bonifacio und ihrer besten Freundin Patricia, die ihr Kind bei einem Unfall verloren hat. Während des Schreibens gerät auch Raúls Leben aus den Fugen, denn seine langjährige Mitarbeiterin Mónica kündigt, um sich um eine Freundin und deren todkrankes Kind zu kümmern.

Der verschachtelten Erzählung von Film im Film (und dann beinahe nochmal im Film) ist mitunter etwas mühsam zu folgen. Natürlich ist so ein Almodóvar-Werk immer noch um Klassen besser (und interessanter) als vieles, was sonst aus Europa in die Kinos kommt. Aber gemessen an Klassikern wie Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs, Volver oder Parallele Mütter ist „Amarga Navidad“ (Originaltitel) eher durchschnittlich. Wäre man wohlwollend, könnte man BITTERES FEST als Rückblick auf Almodóvars eigenes Schaffen beschreiben, weniger freundlich auch Nabelschau nennen.

Bitteres Fest

An den Schauspielern Bárbara Lennie und Leonardo Sbaraglia liegt es nicht. Genauso wenig an den schönen Bildern und der gewohnt erlesenen Ausstattung. Die Geschichte will einen einfach nicht recht packen, sie lässt einen über weite Strecken sogar kalt. Ein ungewohnter Effekt bei einem Almodóvar-Film. Vielleicht ist es selbst bei einem Großmeister ab und zu an der Zeit, einen anderen Drehbuchautoren ranzulassen. Inszenierung und Look sind exquisit, nur die Story ist es leider nicht.

Dafür entschädigt das Ende: Da konfrontiert Mónica Regisseur Raúl mit all den Schwächen seines Drehbuchs, die genau die Schwächen von BITTERES FEST sind. Und spricht damit das aus, was man als Zuschauer selbst gedacht hat. Das ist als Metaebene dann schon wieder genial.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Amarga Navidad“
Spanien 2026
111 min
Regie Pedro Almodóvar

Bitteres Fest

alle Bilder © STUDIOCANAL

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