
Da sitzt man im Kino und denkt: Das habe ich doch vorletztes Jahr auf Deutsch und in schlechter schon einmal gesehen. Ganz falsch ist der Gedanke nicht. Denn die Geschichten ähneln sich. Aber THE INVITE ist weder das Remake der Florian-David-Fitz-Komödie „Der Vierer“ noch deren Vorlage Amor en Polvo, sondern die US-Neuverfilmung eines anderen spanischen Films namens Sentimental.
Darauf schnell noch ein paar Vergleiche mehr: „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ trifft auf „Der Gott des Gemetzels“. Zwei Paare, eine Wohnung und jede Menge aufgestauter Frust: Angela und Joe stecken seit Jahren in einer festgefahrenen Beziehung. Als sie eines Tages die Nachbarn Pina und Hawk zum Abendessen einlädt, ist ihr Mann davon wenig begeistert. Nach ein paar Gläsern Wein und den üblichen Höflichkeiten landet plötzlich ein Vorschlag auf dem Tisch, der den Abend in eine völlig andere Richtung kippen lässt.
Die Zutaten sind nicht neu: Beziehungskrise und sexuelle Spannungen in einem Kammerspiel. Entscheidend ist, wie gut THE INVITE daraus intelligente Unterhaltung für Erwachsene macht. Die Dialoge sind schön bissig, die Figuren erfreulich lebensnah und viele der peinlichen Situationen sind so cringe, dass sie genau deshalb komisch sind. Vielleicht zündet nicht jeder Gag und zwischendurch gönnt sich der Film ein paar kleine Hänger mit endlosem Gezeter, doch immer wieder überrascht er mit Witz und Tiefgang.
Dass das alles so gut funktioniert, liegt vor allem an der Besetzung. Seth Rogen spielt den passiv-aggressiven Ehemann mit perfektem Timing, Olivia Wilde überzeugt nicht nur als Regisseurin des Films, sondern auch vor der Kamera, Edward Norton zeigt sich ungewohnt als Softie, und Penélope Cruz ist sowieso immer gut.
THE INVITE ist keine Klamauk-Komödie, sondern eine manchmal fast unangenehm wahre Beziehungssatire über die Frage, ob Ehrlichkeit eine Ehe rettet – oder einfach zerstört.
Originaltitel „The Invite“
USA 2026
107 min
Regie Olivia Wilde
alle Bilder © TOBIS