
Manche Filme erzählen eine Geschichte. Andere erzeugen eher ein Gefühl. IM SPIEGEL MEINER MUTTER gehört eindeutig zur letzteren Kategorie. Jutta Brückner bewegt sich in ihrem ersten Film seit zwei Jahrzehnten irgendwo zwischen Familiengeschichte, Trauerarbeit und Traumprotokoll.
Im Mittelpunkt steht die Archäologin Ursula (Corinna Harfouch), die nach dem Tod ihrer Mutter deren Wohnung auflöst und zur gleichen Zeit bei Ausgrabungen im Moor auf einen spektakulären Fund stößt. Wie aus dem Nichts taucht plötzlich Mel (Carla Juri) auf, Ursulas neue Assistentin, die scheinbar mehr weiss, als sie preisgibt. Bald beginnen Vergangenheit und Gegenwart ineinanderzufließen, Erinnerungen vermischen sich mit Träumen und verdrängte Gefühlen kommen an die Oberfläche. Das Moor wird dabei zur großen Metapher für alles, was über Jahrzehnte versunken war.
Die inzwischen 85-Jährige Regisseurin verzichtet fast vollständig auf klassische Dramaturgie und setzt stattdessen auf fragmentarische Erzählung und Stimmung. Der Film erinnert an einen leicht konfusen Traum, den man kurz vor dem Aufwachen hat – und an das Gefühl, nicht ganz einordnen zu können, ob man schon wach ist oder noch schläft.
IM SPIEGEL MEINER MUTTER liefert keine klare Antworten. Wer nach einem geradlinigen Plot sucht, dürfte schnell die Geduld verlieren. Lässt man sich aber auf die eigenwillige Geschichte ein, erlebt man einen schön sperrigen Film über Verlust und Trauer – auch wenn man am Ende nicht genau weiß, was das alles soll.
Deutschland 2026
95 min
Regie Jutta Brückner
alle Bilder © X Verleih
Ein Kommentar
We love films about mothers, don’t we?