Vaterland

VATERLAND

Der einzige Trick, mit dem Sandra Hüller noch überraschen könnte, wäre, wenn sie mal richtig schlecht spielen würde.

Ab 3. September im Kino

So gesehen bietet auch VATERLAND nichts Neues. Die spätestens seit ihrer Oscar-Nominierung 2024 weltberühmte deutsche Schauspielerin bleibt weiterhin auf dem ewigen Höhepunkt ihrer Karriere. Große Hollywoodblockbuster („Hail Mary“) ebenso wie düsteres Arthouse („Rose“) oder Komödie („Toni Erdmann“) – es gibt kaum ein Genre, in dem die 48-Jährige nicht glänzt. Jetzt spielt sie in VATERLAND die Tochter von Thomas Mann und ist (natürlich) wieder hervorragend.

Sommer 1949. Thomas Mann kehrt nach langen Jahren des Exils gemeinsam mit seiner Tochter Erika zurück nach Deutschland. Genauer gesagt nach Frankfurt und nach Weimar. Beide Städte verleihen ihm den Goethe-Preis, denn beide deutschen Staaten wollen den Schriftsteller vor ihren Karren spannen. Doch was bedeutet „Vaterland“ für jemanden, den dieses Land vor kurzem vertrieben hat?

Vaterland

Wer sich noch an die großartige Doku-Fiktion „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ erinnert (nicht zu verwechseln mit „Diese Drombuschs“): VATERLAND handelt zwar auch von Deutschlands wohl berühmtester Schriftstellerfamilie, erzählt aber keine epische Familiensaga, sondern nur ein kurzes Kapitel aus Manns Leben.

Hanns Zischler sieht Thomas Mann nicht nur verblüffend ähnlich, sondern hat sich dessen Sprachmelodie und Duktus präzise angeeignet. Und Sandra Hüller? Was soll man noch über sie schreiben, außer dass sie auch für diese Rolle wieder jede Menge Preise verdient hätte? Demnächst spielt sie neben Tom Cruise in „Digger“ – dann reicht’s für dieses Jahr. Nicht, dass noch eine Hüller-Übersättigung eintritt. Dazu eine ganze Schar hochkarätiger Nebendarsteller: August Diehl, Devid Striesow und ein schön aasiger Joachim Meyerhoff als Gustav Gründgens.

Vaterland

Regisseur Pawel Pawlikowski interessiert sich neben der Vater-Tochter-Beziehung vor allem für die politische Vereinnahmung einer Symbolfigur. Im Westen soll Mann helfen, die NS-Vergangenheit möglichst schnell unter den Teppich zu kehren, im Osten wird er zur moralischen Stimme des Sozialismus erklärt. VATERLAND macht daraus keinen öden Geschichtsunterricht, sondern eine atmosphärische Zeitreise.

Der Film schafft das Kunststück, die Zuschauer über seine angenehm kurze Laufzeit von nur 82 Minuten vollständig ins Jahr 1949 zurückzuversetzen. Alleine das macht ihn zu einem kleinen, großen Meisterwerk.

INFOS ZUM FILM

Polen / Deutschland / Italien / Frankreich 2026
82 min
Regie Paweł Pawlikowski

Vaterland

Kommentar

  1. Avatar von Christoph Bull

    „Angenehm kurze Laufzeit von nur 82 Minuten“ finde ich auch gut.
    Erinnert mich an das einstmalige Diktum von Woody Allen, ein Film möge nicht länger als 90 Minuten sein.
    (Bei ‚Die Odyssee‘ war es aber okay.)

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