Gentle Monster

GENTLE MONSTER

Gut gemeint, aber verzettelt

Für ihren neuen Film GENTLE MONSTER hat sich Regisseurin Marie Kreutzer einen überraschenden Starmix aus Deutschland, Österreich und Frankreich vor die Kamera geholt: Léa Seydoux, Jella Haase, Laurence Rupp und Catherine Deneuve.

Sängerin und Komponistin Lucy (Léa Seydoux) lebt mit Philip (Laurence Rupp) und dem gemeinsamen Sohn in einem idyllischen Landhaus in der Nähe von München. Könnte alles so schön sein, wenn nicht eines Morgens die Polizei vor der Tür stehen würde. Philips Computer und Festplatten werden beschlagnahmt, er selbst muss mit aufs Revier. Der Vorwurf: Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie. Die Ermittlungen leitet Elsa (Jella Haase), die sich neben dem Fall noch um ihren dementen Vater (Sylvester Groth) kümmern muss.

Gentle Monster

Ist Philip schuldig oder handelt es sich um ein großes Missverständnis? Was gerade noch glaubwürdig kingt, entpuppt sich bald als Lüge und dann wieder doch als Wahrheit. Der Zuschauer bleibt dabei bis zuletzt im Unklaren, muss sich selbst ein Urteil bilden. GENTLE MONSTER behandelt ein hartes Thema und ist ausgezeichnet gespielt. Nur Léa Seydoux’ Figur wirkt auf Dauer etwas eindimensional. Gefühlt fließt ihr in jeder zweiten Szene eine Leidensträne über die Wange. Ohnmacht lässt sich auch abwechslungsreicher darstellen. 

Das größere Problem ist der zweite Handlungsstrang um Elsa und ihren an Demenz erkrankten Vater, der seine Finger nicht von der Pflegerin lassen kann. Das wäre als eigene Geschichte interessant, wirkt hier aber überflüssig und zieht den Film unnötig in die Länge. Dass sich die junge Frau die nächtlichen Besuche des Patienten nicht mehr gefallen lässt und ihre Koffer packt, kommentiert Elsa mit den Worten „Wenn Sie die Tür abschließen, passiert das nicht mehr.“ und „Ich gebe Ihnen auch mehr Geld, wenn Sie bleiben.“ So wird die Ermittlerin im Privatleben selbst zur Missbrauch tolerierenden Frau. Klassischer Fall von Doppelmoral. Besonders subtil ist das allerdings nicht. 

Gentle Monster

Zwei Frauen, die ihr Leben um Männer organisieren – und deren dunkle Seite dabei ausblenden. GENTLE MONSTER wäre gestrafft und fokussierter ein besserer Film. Die gewohnt starke Kamera von Judith Kaufmann und die Botschaft überzeugen trotzdem: Das Wegschauen hört nie auf, auch unter Erwachsenen nicht.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Gentle Monster“
Österreich, Deutschland, Frankreich 2026
114 min
Regie Marie Kreutzer
Kinostart 17. September 2026

Gentle Monster

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