Kalter Hund

KALTER HUND

Wieder so ein Film, bei dem man nach einer Stunde auf die Uhr schaut und erschrickt, dass erst die Hälfte rum ist.

Der Patriarch ist tot. Ausgerechnet an seinem 100. Geburtstag bringt sich Mariannes Gatte Herrmann um. Die geplante Feier findet trotzdem statt, schließlich werden die Lokalpresse und sogar der Bürgermeister erwartet. Doch schon bald brechen zwischen Witwe, Kindern, Enkeln und Anhang alte Konflikte, verletzte Eitelkeiten und dunkle Familiengeheimnisse auf.

Vieles spricht zunächst für Pauline Roennebergs Langfilmdebüt KALTER HUND: ein starkes Ensemble, kluge Dialoge (die am Set improvisiert wurden) und ein bissiger Humor. Nur fehlt dem Film irgendwann die Disziplin, sich – ganz wie das Familienoberhaupt – selbst zu beenden.

An der Besetzung liegt’s nicht: Corinna Harfouch ist einfach gut. Punkt. Mindestens genauso beeindruckend ist Lea Drinda. Die Newcomerin spielt die Enkelin des verstorbenen Patriarchen mit einer überzeugenden Natürlichkeit und Unaufgeregtheit. Daneben Victoria Mayer, Karoline Eichhorn und Niels Bormann.

Kalter Hund

Vor der Pressevorführung hieß es vom Verleih, dies sei nach der Uraufführung beim Filmfest München bereits die um 15 Minuten gekürzte Kinofassung. Doch selbst in dieser „Kurzfassung“ gibt es genügend Szenen, die so unnötig wie ein Aufguss im Hochsommer sind. Beispielsweise eine lange Episode im improvisierten Saunazelt. Sie bringt weder die Handlung voran noch lernt man Neues über die Figuren.

Paradoxerweise wirkt der Film dann gegen Ende, als sei etwas zu beherzt mit der Schere gearbeitet worden. Plötzlich springen Zeiten, Figuren verlieren an Kontur, manches wirkt nur halb erzählt.

Und trotzdem wäre es falsch, KALTER HUND einfach abzutun. Deutsche Produktionen, die sich etwas trauen, gibt es viel zu selten. Lieber einmal KALTER HUND als zum neunzehnten Mal den Vor-, Nach- oder Spitznamen. Pauline Roennebergs Debüt hat Witz und hervorragende Schauspieler. Nur fehlt ihm ausgerechnet das, was man bei einem Familientreffen oft am dringendsten braucht: jemand, der sagt: „So, jetzt reicht’s.“

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2026
125 min
Regie Pauline Roenneberg
Kinostart 17. September 2026

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