Corpus Delicti

CORPUS DELICTI

Zähe Dystopie nach dem Bestseller von Juli Zeh

In naher Zukunft ist der Mensch gläsern, sämtliche Körperdaten werden erfasst, ein Implantat kontrolliert den Gesundheitszustand. Wer krank ist, gilt als Gefahr für die Gesellschaft. Regisseurin Lena Stahl zeichnet das Übermorgen-Deutschland als eine Mischung aus Überwachungsstaat und modernem Naziregime.

Mittendrin: Wissenschaftlerin Mia Holl (Hannah Herzsprung), systemergeben und angepasst. Daneben ihr Bruder Moritz (Damian Hardung), ein lässiger Freigeist, der lieber im Sperrgebiet schwimmen geht, als sich unterzuordnen. Eines Tages steht die Gestapo Polizei vor der Tür und verhaftet ihn. Die Anklage lautet: Vergewaltigung und Mord. Während ihr Bruder im Knast sitzt, sucht Mia mit allen Mitteln Beweise für seine Unschuld.

Corpus Delicti

CORPUS DELICTI probiert sich an großem Genrekino aus Deutschland: Kamera, Setdesign und Ausstattung müssen sich tatsächlich vor internationalen Produktionen nicht verstecken. Nur fragt sich, warum das Ganze so geleckt sauber wie in einer Werbung aussieht. Angeblich wurde die Welt von Kriegen, Revolutionen und Pandemien heimgesucht. Doch alles strahlt und glänzt so hell – ganz von selbst mit Wannen-Spray.

Und auch mit der Logik nimmt’s hier keiner so genau: Obwohl hochtechnisiert, haben Drohnen offenbar keine Wärmebildkameras. Bei der Observation im nächtlichen Wald reicht es, sich kurz hinter einen Busch zu ducken. Auch hört der Staat zwar immer mit, aber ausgerechnet an den entscheidenden Stellen gibt es weder Gesichtserkennung noch Kameraüberwachung. Das ist nicht dystopisch, sondern faules Drehbuchschreiben.

Corpus Delicti

Damian Hardung hat einen Top-Body, ist aber als Schauspieler eher tiefbegabt. Besonders auffällig wird das, wenn er gemeinsame Szenen mit der hervorragenden Hannah Herzsprung hat. Da prallen Welten aufeinander. Die Geschichte selbst wird quälend langsam erzählt. Szenen wiederholen sich, oft findet keinerlei Entwicklung statt, die Handlung tritt auf der Stelle. Dazu eine melodramatische Musik von Oscarpreisträger Volker Bertelmann, die es auch nicht besser macht.

Ein bisschen schämt man sich ja immer, wenn Deutsche versuchen, Science-Fiction-Filme zu machen. Irgendwie ist das nicht in unserer DNA. Bei CORPUS DELICTI stimmt immerhin die Verpackung. Nur reicht das leider nicht.

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2026
100 min
Regie Lena Stahl
Kinostart 1. Oktober 2026

Corpus Delicti

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