Dracula - Die Auferstehung

DRACULA – DIE AUFERSTEHUNG

Dracula - Die Auferstehung

DRACULA – DIE AUFERSTEHUNG

Nicht tot zu kriegen - Dracula ist schon wieder zurück

Ab 30. Oktober 2025 im Kino

Der Originaltitel sagt es bereits: „Dracula: A Love Tale“ – Luc Bessons Interpretation des Bram Stoker-Klassikers (die wahrscheinlich fünftausendste der Filmgeschichte) ist eine Lovestory. Im Mittelpunkt stehen diesmal weniger die Vamirjäger, als vielmehr Dracula selbst. Die Geschichte von Prinz Vlad und seiner geliebten Ehefrau Elisabeta erzählt Besson mit einer riesengroßen, geradezu operettenhaften Portion Kitsch. Kostüme, Kulissen und Schauspiel wirken, als hätte man sich in die Bad Segeberger Karl May-Festspiele verirrt.

Dracula - Die Auferstehung

Caleb Landry Jones spielt Dracula nicht als dämonischen Bösewicht, sondern als Gepeinigten, der unter seiner Unsterblichkeit und dem Verlust der großen Liebe leidet. Christoph Waltz bringt als Priester ein wenig Witz in die Angelegenheit, der Rest des Casts erfüllt seinen Zweck, ohne weiter aufzufallen. Ein Schwachpunkt: Die Schauspieler sehen alle entschieden zu modern aus. Vor allem Zoë Bleu Sidel und Caleb Landry Jones glaubt man keine Sekunde, sie wären Menschen (oder Vamipre) aus dem 15. Jahrhundert.

Dracula - Die Auferstehung

Apropos zu modern: Drei inszenatorische Entscheidungen bleiben im Gedächtnis: Der neue Dracula benutzt ein eigens hergestelltes Parfum, um mit dessen Duft seine Opfer willenlos zu machen. An dieser kleinen Seitengeschichte arbeitet sich der Film mit Wonne ab. Ob Besson hier nochmal Süskinds Parfum neu verfilmen wollte? Und eben dieser Duft sorgt für die nächste unvergessliche Szene: Eine berauschte Tanzchoreografie, die sich über Jahrhunderte erstreckt. Das Revue-Intermezzo ist so albern, dass es fast schon wieder gut ist. Wechselnde Kostümierungen plus ausgefeilter Moves im vampirhaften Takt. Und zu schlechter Letzt: Statt mit Renfield und anderen Dienern, umgibt sich Bessons Graf mit einer Heerschar von (schlecht) animierten steinernen Gargoyles. Da werden Erinnerungen an die albernen Sieben Computerzwerge aus dem letzten Schneewittchen-Film wach.

Dracula - Die Auferstehung

Es ist alles eine Sache der Erwartungshaltung. Wer sich Bessons Dracula als Horrorfilm anschaut, der wird enttäuscht. Aber als Komödie mit kleinem Gruselfaktor funktioniert das Ganze tadellos.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Dracula: A Love Tale“
UK / Finnland / Frankreich 2025
129 min
Regie Luc Besson

Dracula - Die Auferstehung

alle Bilder © LEONINE STUDIOS

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Bugonia

BUGONIA

Bugonia

BUGONIA

Einsame Menschen, die in einer verstörenden Welt nach Sinn suchen + Emma Stone = der neue Lanthimos.

Ab 30. Oktober 2025 im Kino

Wer sich in Yorgos Lanthimos’ Filmwelten begibt, weiß: Hier ist nichts so, wie es scheint. Auch BUGONIA, das Remake der südkoreanischen Satire Save the Green Planet! (2003), beginnt halbwegs normal und endet in einem bizarren Taumel aus Paranoia, Gewalt und Komik.

Im Zentrum steht Teddy (Jesse Plemons), ein zurückgezogen lebender Mann, der sich in Verschwörungstheorien vergräbt. Für ihn ist klar: Die Menschheit wird längst von Außerirdischen kontrolliert. Als er überzeugt ist, die knallharte Konzernchefin Michelle Fuller (Emma Stone) sei eine dieser Eindringlinge, entführt er sie kurzerhand. Was folgt, ist ein groteskes Kammerspiel, das mal wie ein Thriller, mal wie eine bitterböse Farce wirkt.

Bugonia

Emma Stone, sonst oft als fragile Heldin im Lanthimos-Kosmos unterwegs, spielt hier das genaue Gegenteil: eine Frau, die vor Kraft und Kontrolle strotzt und deren Härte im Verlauf Risse bekommt. Jesse Plemons balanciert meisterhaft zwischen Wahnsinn, Bedrohlichkeit und Tragik. Und auch Aidan Delbis überzeugt als Teddys grenzdebiler Cousin Don.

Bugonia

Lanthimos inszeniert das Ganze mit der ihm eigenen Mischung aus gesellschaftlicher Versuchsanordnung und schwarzem Humor. Einordnen lässt sich das kaum: Ist BUGONIA eine Parodie auf das Zeitalter der „QAnon“-Mythen? Eine bitterböse Kritik am Raubtierkapitalismus? Oder einfach ein sadistisches Katz-und-Maus-Spiel, das sich lustvoll jeder Moral entzieht? Gerade wenn man glaubt, zu wissen, wohin die Reise geht, nimmt der Film eine groteske Wendung in plötzliche Komik oder blankes Grauen.

Bugonia

Natürlich gilt auch hier: Wer mit Filmen wie The Lobster, The Favourite oder Poor Things wenig anfangen konnte, wird auch BUGONIA nicht lieben. Für alle anderen aber ist es ein Fest: ein eigenwilliges Stück Kino, das sich jeder Erwartung entzieht. Und allein wegen der dreiminütigen Schlussmontage lohnt es sich.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Bugonia“
USA 2025
118 min
Regie Yorgos Lanthimos

Bugonia

alle Bilder © Universal Pictures

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Good Boy - Trust His Instincts

GOOD BOY

Good Boy - Trust His Instincts

GOOD BOY

Hundefreunde aufgepasst: Hier kommt der vielleicht ungewöhnlichste Horrorfilm des Jahres. Ungewöhnlichste, nicht beste.

Ab 30. Oktober 2025 im Kino

Todd ist schwer krank. Er spuckt literweise Blut. Da hilft vielleicht gesundes Landleben. Zusammen mit seinem Hund Indy zieht er in das leerstehende Haus seines verstorbenen Großvaters, mitten im Wald. Eine fragwürdige Entscheidung: Dort regnet es nicht nur unentwegt, es scheint auch zu spuken. Während Herrchen sich die blutige Seele aus dem Leib hustet, versucht Bello den Fall der besessenen Hundehütte zu lösen.

Es geht also nicht um eine tollwütige oder vom Teufel besessene Fellnase. GOOD BOY erzählt seine Geschichte konsequent aus der Perspektive eines Hundes – und fügt so dem Haunted-House-Genre eine neue Variante hinzu.

Good Boy - Trust His Instincts

Schatten und Geräusche werden effektvoll eingesetzt. Doch leider trägt die Idee nur für einen Kurzfilm – obwohl GOOD BOY mit einer Laufzeit von 73 Minuten ohnehin nicht gerade abendfüllend ist. Wenn Indy zum neunundsiebzigsten Mal erschrocken schaut oder etwas erschnüffelt, offenbart sich das dünne Drehbuch.

Good Boy - Trust His Instincts

Zumindest der Anfang von Ben Leonbergs Regiedebüt ist richtig unheimlich. Doch dann verliert sich der Film immer mehr in zusammenhanglosen Szenen und Jumpcuts aus dem Nichts. Statt Spannung herrscht zunehmend Ratlosigkeit. Amityville Horror? Poltergeist? Vier Pfoten für ein Halleluja? Das Ganze stolpert in der letzten halben Stunde Richtung „gehobener Studentenfilm“ – von einem überambitionierten Cutter zusammengehackstückt.

Wenigstens ist der Hund nicht nur ausgesprochen hübsch, sondern auch hochbegabt. Ein Leckerli-Oscar wäre mehr als verdient. Bravo Indy, good boy!

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Good Boy“
USA 2025
73 min
Regie Ben Leonberg

Good Boy - Trust His Instincts

alle Bilder © DCM

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Springsteen: Deliver me from nowhere

SPRINGSTEEN: DELIVER ME FROM NOWHERE

Springsteen: Deliver me from nowhere

SPRINGSTEEN: DELIVER ME FROM NOWHERE

Die Leiden des jungen B.

Ab 24. Oktober 2025 im Kino

Auch ein geerdeter Jeans- und Muscle-Shirt-Träger wie Bruce Springsteen trägt eine empfindsame Künstlerseele in seinem Herzen. Noch schlimmer: The Boss hat Depressionen. Das immerhin ist eine neue Erkenntnis – sofern man die Biografie „Deliver Me From Nowhere: The Making of Bruce Springsteen’s Nebraska“ des Musikjournalisten Warren Zanes nicht gelesen hat.

Anfang der 80er-Jahre kämpft Springsteen gegen seine inneren Dämonen: verdrängte Kindheitstraumata, die schwierige Beziehung zum gewalttätigen Vater. Mit einem Vierspurrekorder zieht er sich in sein Schlafzimmer zurück, um die Songs zu „Nebraska“ aufzunehmen – Gesang, Gitarre, Mundharmonika. Aus diesen düsteren Privatsessions entsteht später auch „Born in the U.S.A.“. Der Rest ist Musikgeschichte.

Springsteen: Deliver me from nowhere

Es soll keiner behaupten, er sei nicht gewarnt worden: Vor dem Pressescreening richtet sich Regisseur Scott Cooper per Videobotschaft ans Publikum – sein Werk, sagt er, zeige nur einen Moment im Leben Springsteens. Stadionkonzerte? Fehlanzeige. Und tatsächlich: SPRINGSTEEN: DELIVER ME FROM NOWHERE ist anders als erwartet. Einerseits ein klassisches, um nicht zu sagen konventionelles Künstlerbiopic über einen troubled artist, der sich (in Schwarz-Weiß, natürlich) an seine schwere Kindheit erinnert. Andererseits ein Film über Depression. Gute Laune macht beides nicht.

Der thematisch verwandte, aber unverständlicherweise gefloppte Robbie-Williams-Film A Better Man war da mit seinem äffischen Hauptdarsteller mutiger, schräger, lebendiger. Bei Cooper hat wenigstens die Musik noch Power: Die wenigen Konzertszenen sind elektrisierend – der Rest eher zäh. Kein Vorwurf an die Darsteller, aber irgendwann ist auch die x-te Szene, in der sie Musik von einer Kassette lauschen, dramaturgisch erschöpft.

Springsteen: Deliver me from nowhere

Jeremy Allen White – durch „The Bear“ und Calvin-Klein-Spots zum melancholischen Posterboy geworden – schlägt sich als Springsteen achtbar. Besonders ähnlich sieht er dem Original zwar nicht, doch Frisur, Kleidung und Blickrichtung stimmen. Kameramann Masanobu Takayanagi zeigt ihn vorzugsweise in Nahaufnahmen und schräger Aufsicht: trauriger Hundeblick, stiller Schmerz. White singt teilweise sogar selbst – und das beeindruckend.

Jeremy Strong („Succession“) spielt Springsteens Manager Jon Landau, der die undankbare Rolle hat, das Unsagbare hörbar zu machen. Ein raffinierteres Drehbuch hätte darauf verzichtet, Springsteens innere Monologe in Dialogform zu gießen.

Springsteen: Deliver me from nowhere

Natürlich ist SPRINGSTEEN: DELIVER ME FROM NOWHERE kein schlechter Film. Das sieht gut aus, ist feist produziert. Cooper versteht sein Handwerk. Neben dem Künstlerischen zeigt er auch – fast interessanter als der Rest – den technischen Aspekt des Album Machens. Doch das Depressions-Drama kommt mit seiner Innenschau immer wieder fast zum Stillstand. Wenn aber einer der Smash-Hits läuft – „Born in the U.S.A.“ oder „I’m on Fire“ – hebt SPRINGSTEEN: DELIVER ME FROM NOWHERE ab. Dann wird die Diskrepanz zwischen zu braver Inszenierung und Weltklasse-Musik umso deutlicher.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Springsteen: Deliver me from Nowhere“
USA 2025
115 min
Regie Scott Cooper

Springsteen: Deliver me from nowhere

alle Bilder © The Walt Disney Company Germany

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Tron: Ares

TRON: ARES

Tron: Ares

TRON: ARES

TRON: ARES – Die hohle Simulation von Kino

Ab 09. Oktober 2025 im Kino

TRON: ARES ist kein Film, sondern ein Hochglanzprodukt ohne Seele. Alles daran wirkt, als hätte ein Algorithmus ein Drehbuch berechnet, ohne zu begreifen, was Erzählung, Rhythmus oder Stil bedeuten. Das Ergebnis ist ein ästhetisch wie dramaturgisch entkerntes Produkt – laut, teuer, leer.

Regisseur Joachim Rønning inszeniert Szenen, als hätte er zwar ein hohes Budget, aber keine Idee gehabt. Die Bilder schwanken zwischen bombastischem Effektkino und billiger Digitalästhetik, die an minderwertige Fernsehproduktionen erinnert. Besonders grotesk wird es, wenn der Film versucht, den Look des 80er-Originals zu zitieren – und in einem halbgaren Hybrid aus „Kampfstern Galactica“ (der schlechten TV-Serie mit Lorne Greene) und scheußlichem Analog/Digital-Meshup endet.

Die Geschichte: egal. Irgendwie kann jetzt die Tron-Welt des Grids in die Realität gebracht werden – allerdings mit einer Lebenszeit von nur 29 Minuten. Warum? Auch das ist egal. Verschiedene Kasperletheater-Charaktere begeben sich auf die Jagd nach der „Unendlichkeits-Formel“. Jared Leto spielt einmal mehr Jared Leto: selbstbezogen und manieriert. Gillian Andersons Talent wird achtlos verschwendet; sie bleibt eine Randnotiz in einem Film, dessen Mitwirkung sie spätestens bei der Premiere bitterlich bereuen dürfte. Jodie Turner-Smith und Evan Peters verwechseln Kiefermahlen und Augenaufreißen mit Schauspiel.

Die Handlung ist ein Lehrstück der Belanglosigkeit: Figuren reden endlos, während sie im Auto sitzen, tun nichts nachvollziehbares, bleiben bedeutungslos. Trotz aller Banalität erklären immer wieder (offensichtlich nachträglich eingefügte) Dialoge die Handlung. Backstorys existieren nur, weil das Handbuch für Drehbuchschreiben es so vorsieht. Nichts trägt, nichts verbindet sich.
Selbst der Score von Nine Inch Nails – sonst ein Garant für Dichte und Atmosphäre – scheitert hier komplett: Musik und Film finden nie zueinander; jeder Einsatz wirkt zufällig.

TRON: ARES steht sinnbildlich für misslungenes Franchise-Kino: Produkte, die sich als Ereignisse verkleiden, während sie inhaltlich verdorren. Eine leere Simulation von Kino – perfekt gerendert, aber ohne jede Seele. Die Amerikaner haben für solche Unterhaltungsware ein schönes deutsches Wort: Dreck.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Tron: Ares“
USA 2025
119 min
Regie Hans Joachim Rønning

Tron: Ares

alle Bilder © Walt Disney Company

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The Mastermind

THE MASTERMIND

The Mastermind

THE MASTERMIND

Achtung, Ironie: Kunsträuber JB Mooney ist alles andere als ein genialer Geist

Ab 16. Oktober 2025 im Kino

Der Titel verspricht einen raffinierten Krimi, das Marketing verkauft den Film als Heist-Movie – doch wer Regisseurin Kelly Reichardt kennt, ahnt schnell: THE MASTERMIND ist weder das eine noch das andere. Statt Spannung oder Tempo bietet die Regisseurin ein lakonisch-entschleunigtes Drama mit tragikomischen Untertönen. Der eigentliche Coup: wie konsequent sie dabei Genreerwartungen unterläuft.

Massachusetts, 1970: Der arbeitslose Tischler JB Mooney (Josh O’Connor) plant seinen ersten großen Raub. Gemeinsam mit zwei Freunden will er vier moderne Gemälde aus einem Provinzmuseum stehlen. Der Plan ist dilettantisch, die Durchführung ebenso. Obwohl das Wachpersonal schläft, geht alles schief.

The Mastermind

THE MASTERMIND beginnt als charmante Loser-Geschichte mit trockenem Humor und stimmigem Retro-Flair in greige. Das 70er-Jahre-Setting wirkt authentisch, der lakonische Ton erinnert in Momenten an frühe Werke der Coen-Brüder. Doch tonal bleibt der Film unentschlossen: Mal scheint er ein tragikomischer Charakterfilm, dann wieder ein gescheitertes Krimidrama sein zu wollen – ohne sich je klar für eine Richtung zu entscheiden.

The Mastermind

Josh O’Connor ist großartig in seiner Rolle als unbegabter Kunsträuber. Er ist einer dieser Schauspieler, bei denen man sich fragt, woher man ihn noch kennt. Spätestens seit God’s Own Country (2017) ist er kein Geheimtipp mehr, Challengers (2023) mit Zendaya machte ihn einem breiten Publikum bekannt. Zuletzt drehte er – wieder unter der Regie von God’s Own Country-Regisseur Oliver Hermanus – gemeinsam mit Paul Mescal die schwule Liebesgeschichte The History of Sound.

The Mastermind

Quo vadis, MASTERMIND? Beim tragikomischen Abgesang auf große Pläne kleiner Geister ist der Weg interessanter als das Ziel. Die Geschichte driftet, je länger sie dauert, immer mehr Richtung Nichts. Am Ende fragt man sich: Was wollte uns das sagen?

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Originaltitel „The Mastermind“
USA 2025
110 min
Regie Kelly Reichardt

The Mastermind

alle Bilder © MUBI

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Amrum

AMRUM

Amrum

AMRUM

Für seine Eltern kann man nichts – schon gar nicht, wenn sie glühende Nazis sind

Ab 09. Oktober 2025 im Kino

Mission Honigbrot: Nanning lebt mit Mutter, Tante und jüngeren Geschwistern auf der nordfriesischen Insel Amrum, wohin die Familie aus dem zerbombten Hamburg geflohen ist. Der Vater sitzt in Gefangenschaft, die Mutter – hochschwanger und überzeugte Nationalsozialistin – kämpft nach Kriegsende mit Depressionen. Der Führer ist tot, wozu noch weiterleben? Auf den Schultern des Jungen lastet plötzlich die Verantwortung, die Familie durchzubringen. Auf Tauschhandel und Einfallsreichtum angewiesen, macht er sich auf die Suche nach Weißbrot, Butter und Honig, denn das ist das Einzige, was die traurige Mutter noch essen mag.

Die Vorlage liefern die Kindheitserinnerungen von Hark Bohm. Da der mittlerweile 85-Jährige keine Kraft mehr hatte, das Projekt selbst zu realisieren, steht im Vorspann: „Ein Hark Bohm Film von Fatih Akin“. Tatsächlich ist AMRUM stärker Bohm als Akin – ein stilles Vermächtnis, weniger ein typisches Akin-Werk.

Amrum

Vergleiche zu In die Sonne schauen drängen sich auf: Auch dort wird Kindheit in einer schwierigen Vergangenheit verhandelt, auch dort wird Dialekt gesprochen – zum Glück mit Untertiteln, sonst würde man kein Wort verstehen. Doch während In die Sonne schauen formal wie inhaltlich neue Maßstäbe setzt, bleibt AMRUM klassischer und damit für das breite Publikum leichter zugänglich.

Amrum

Von den großen Namen auf dem Plakat sollte man sich nicht täuschen lassen: Diane Kruger und Detlev Buck spielen nur Minirollen, Matthias Schweighöfer ist – wenn überhaupt – für eine Minute im Bild. Die eigentliche Kraft des Films liegt bei der wie immer großartigen Laura Tonke als fanatische Nazimutter und beim Newcomer Jasper Billerbeck, der in seiner ersten Rolle den jungen Nanning mit beeindruckender Natürlichkeit spielt.

Amrum

AMRUM ist ein sehr persönlicher Film über Schuld, Verantwortung und den schwierigen Beginn einer neuen Zeit. Dass er heute, im Angesicht des wiedererstarkenden Rechtsradikalismus, von so bedrückender Aktualität ist, macht ihn umso sehenswerter.

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2025
93 min
Regie Fatih Akin

Amrum

alle Bilder © Warner Bros. Pictures Germany

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A Big Bold Beautiful Journey

A BIG BOLD BEAUTIFUL JOURNEY

A Big Bold Beautiful Journey

A BIG BOLD BEAUTIFUL JOURNEY

Groß? Mutig? Schön? A BIG BOLD BEAUTIFUL JOURNEY ist allenfalls ganz nett

Ab 02. Oktober 2025 im Kino

Ja, das hätte was werden können: ein rauschhaftes, wildes Märchen, eine große Liebesgeschichte. Doch Regisseur Kogonada hat sich nicht getraut. 

Es beginnt mit einer kuriosen Episode: David leiht sich ein Auto, fährt zu einer Hochzeit, trifft dort auf Sarah. Es funkt, aber nur ein bisschen. Am nächsten Tag lotst ihn sein altmodisches Navi in ein Burger-Restaurant, wo sich die beiden erneut begegnen. Dann stellt das Gerät die entscheidende Frage: Wollen David und Sarah gemeinsam eine große, herausfordernde, wunderschöne Reise antreten? Natürlich sagen sie ja.

A Big Bold Beautiful Journey

Immerhin: Mit Margot Robbie und Colin Farrell stehen zwei echte Filmstars vor der Kamera, und wenigstens wegen der beiden lohnt sich die Reise. Vor allem Robbie verströmt Hollywoodglamour aus jeder Pore – egal, ob sie als Barbie verkleidet durch eine Plastikwelt läuft oder, wie hier, als Taylor-Swift-Doppelgängerin zurechtgemacht ist. Der verlässlich gute Colin Farrell ergänzt sie mit irisch-melancholischem Understatement.

A Big Bold Beautiful Journey

Die Reise führt sie durch Türen, die in die eigene Vergangenheit öffnen. Ein Roadtrip durch Erinnerungen, Kindheit, Jugend, verpasste Chancen. Doch schon bald zeigt sich das Problem: Was David und Sarah in ihren Rückblenden tun oder lassen, hat keinerlei Folgen. Es bleibt beim Schauen und Staunen – eine Nabelschau ohne Konsequenzen. Und schon kommt die nächste Tür. Und noch eine. Und dann noch eine. Und so weiter.

A Big Bold Beautiful Journey

So recht funktioniert A BIG BOLD BEAUTIFUL JOURNEY weder als Liebesfilm noch als Fantasy-Geschichte. Man hat eher den Eindruck, einem Off-Broadway-Theaterstück zuzuschauen, bei dem die Leinwandadaption nicht richtig geglückt ist. Alles ist korrekt ausgeleuchtet, hübsch anzusehen, nur nie wirklich riskant. Kogonada scheint überfordert von der konstruierten Geschichte; die Inszenierung tastet sich vorsichtig durch Szenen, die nach Mut, Überschwang, ja sogar nach großem Kitsch verlangt hätten. Stattdessen herrscht artige Behutsamkeit.

A BIG BOLD BEAUTIFUL JOURNEY will vieles sein – Liebesgeschichte, Fantasy, existenzielles Roadmovie – und ist am Ende vor allem eines: zu brav. Ein Film, dem das entscheidende Quäntchen Wahnsinn fehlt.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „A Big Bold Beautiful Journey“
USA 2025
109 min
Regie Kogonada

A Big Bold Beautiful Journey

alle Bilder © Sony Pictures

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The Smashing Machine

THE SMASHING MACHINE

The Smashing Machine

THE SMASHING MACHINE

Wenn der Fels zerbricht – THE SMASHING MACHINE

Ab 02. Oktober 2025 im Kino

Dass man Dwayne „The Rock“ Johnson mal als verletzlichen Charakterdarsteller sehen würde, hätte vor ein paar Jahren wohl niemand gedacht. Nun aber schlüpft der ehemalige Wrestling-Star in die Rolle des Mixed Martial Arts-Kämpfers Mark Kerr – und siehe da: Der Mann kann mehr, als CGI-Monster verprügeln. In THE SMASHING MACHINE zeigt Johnson eine überraschende Wandlungsfähigkeit: verletzlich, suchend, fast schon zart.

Regie führt Benny Safdie, der schon in Der schwarze Diamant Adam Sandler vom Komiker zum tragischen Helden wandeln konnte. Auch diesmal hat Safdie ein Händchen dafür, einen Schauspieler aus seiner Komfortzone zu locken – und mitten hinein in den seelischen Abgrund. Johnsons Kerr ist ein Berserker im Ring, doch im Leben ein Getriebener, zerrissen zwischen Erfolgsdruck, Rausch und Selbstzerstörung. Es ist eine Paraderolle für Dwayne Johnson, ähnlich mutig, wie zuletzt Pamela Andersons in The Last Showgirl.

The Smashing Machine

An Johnsons Seite: Emily Blunt als Dawn Staples. Mit schöner amerikanischer Tussigkeit sorgt sie dafür, dass die Geschichte nicht in testosterongetränkter Pose versinkt. Und ganz nebenbei hat das Paar Blunt/Johnson eine Chemie, die man eher in einem Indie-Drama vermutet hätte als im MMA-Milieu.

The Smashing Machine

Natürlich sollte man Freund dieses ganz speziellen Sports sein: Brutale Schläge ins Gesicht und Tritte in die Rippen sind nicht jedermanns Sache. Auf Dauer (und es gibt zahllose Kampfszenen in THE SMASHING MACHINE) ist das etwas ermüdend. Interessanter ist vor allem das, was außerhalb des Rings passiert – Beziehungskrisen, Sucht und der Kampf Kerrs gegen seine eigenen Dämonen, die viel schwerer niederzuringen sind als jeder Gegner.

The Smashing Machine

THE SMASHING MACHINE ist nicht nur ein Sportlerdrama, sondern auch eine interessante Antwort auf den DC- und Marveloverkill des Kinos: keine Superhelden, keine Laserstrahlen, kein Weltuntergang. Stattdessen ein Dwayne Johnson, der tatsächlich schauspielern kann. Und das ist – Überraschung! – spannender als jede CGI-Schlacht.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „The Smashing Machine“
USA 2025
123 min
Regie Benny Safdie

The Smashing Machine

alle Bilder © LEONINE STUDIOS

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Momo

MOMO

Momo

MOMO

Zigarren waren gestern: Die grauen Herren vapen jetzt

Ab 02. Oktober 2025 im Kino

Das ist nur eine von zu vielen Modernisierungen, die der Michael-Ende-Klassiker erdulden muss. Politisch korrekt haben sich unter die grauen Herren nun auch graue Damen gemischt. Momos bester Freund, der Fremdenführer Gigi, heißt jetzt Gino und ist eine Person of Colour. Unnötig zu erwähnen, dass Social Media beim Zeitstehlen eine große Rolle spielt.

Momo

Immerhin – die Grundgeschichte bleibt: Die kleine Momo lebt in den Ruinen eines Amphitheaters und hat die besondere Fähigkeit, gut zuzuhören. Doch eines Tages tauchen graue Herren (und Damen) auf und beginnen, den Menschen ihre Zeit zu stehlen. Bald kontrollieren sie die ganze Stadt.

Verstand Michael Ende seine grauen Herren noch als Analogie auf Banken, die sich am Geld ihrer Kunden bereichern, stehen die modernen Zeit-Diebe für die heute allgegenwärtigen Technologien, denen die Menschen freiwillig ihre persönlichen Daten und vor allem ihre Lebenszeit geben.

Momo

Die Großproduktion MOMO macht keine Gefangenen. Poesie war gestern – die Neuverfilmung bläst das zarte Ende-Märchen mit Vollgas zum Eventkino auf. Und anfangs funktioniert die Mischung aus Harry Potter meets Matrix meets Star Wars meets Blade Runner sogar. Man schaut sich die feisten Bilder an und denkt: So muss Kino inzwischen wohl aussehen, um die jugendliche Zielgruppe vom Tablet wegzulocken. Doch je länger der Film schnauft und lärmt, desto unsympathischer wird er.

Momo

Ein triefender Streicher-Score schmiert jede noch so kleine Emotion zu, und Alexa Goodall schaut unter roter Extentions-Lockenpracht mit großen blauen Augen in die glossy Fantasy-Welt. Wer nach 90 Minuten immer noch nicht begriffen hat, worum es geht, dem erklärt am Ende eine Off-Stimme nochmal, dass Zeit das wichtigste Gut der Menschen ist. Binsenweisheiten, während es rosarote Blütenblätter vom Himmel regnet.

MOMO 2025 ist purer Kitsch, wie ihn selbst Hollywood heutzutage kaum noch produziert. Technisch beeindruckend und hochprofessionell gemacht – klar. Kindern wünscht man trotzdem, dass sie zuerst das Buch lesen oder wenigstens die weitaus werkgetreuere Filmversion von 1986 anschauen mögen. Die neue Momo mag hohen Schauwert haben, doch leider wenig Herz.

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2025
91 min
Regie Christian Ditter

Momo

alle Bilder © Constantin Film

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The Negotiator

THE NEGOTIATOR

The Negotiator

THE NEGOTIATOR

Politthriller mit Riz Ahmed und Lily James

Ab 25. September 2025 im Kino

Whistleblower leben gefährlich. Gut, dass es Menschen wie Ash gibt – ein sogenannter „Fixer“, der zwischen Unternehmen mit dunklen Geheimnissen und Mitarbeitern, die über brisante Informationen verfügen, vermittelt. Alles läuft vollkommen anonym ab: Telefonate werden ausschließlich über einen Relay-Dienst (daher der Originaltitel „Relay“) für Hörgeschädigte geführt. Anstelle der Stimmen der Gesprächspartner hören alle Beteiligten nur die eines neutralen Vorlesers.

The Negotiator

Eines Tages erhält Ash (Riz Ahmed) eine Nachricht von Sarah (Lily James), Wissenschaftlerin in einem großen Biotech-Konzern. Sie berichtet von einer Vertuschungsaktion ungeahnten Ausmaßes. Da ihre Firma sie bereits ins Visier genommen hat, sucht Sarah Schutz bei Ash.

Der Film entfaltet sich als raffiniertes Katz-und-Maus-Spiel – eine Mischung aus Spionage- und Politthriller. Ein klassischer „Slowburner“, der sich Zeit nimmt und die Spannung behutsam steigert. Das erinnert an Klassiker wie Die drei Tage des Condors oder Der Schakal.  Sehr hübsche Idee: Der US-Trailer ist im Retro-Stil dieser Filme gemacht, inklusive altmodischer Offstimme (siehe Link weiter unten).

The Negotiator

Regisseur David Mackenzie gelingt es zumindest in den ersten zwei Dritteln, einen stillen, aber fesselnden Paranoia-Thriller zu inszenieren. Leider geht dem Film gegen Ende die Luft aus.

Statt dem Publikum mehr zuzutrauen, verliert sich das Drehbuch in Übererklärungen und allzu vorhersehbaren Wendungen. Vor allem die letzte Viertelstunde mit einer lachhaften Verfolgungsjagd und uninspiriert inszenierten Actionszenen trübt den Gesamteindruck. Am Ende bleibt THE NEGOTIATOR der Versuch, an die großen Politthriller der 70er-Jahre anzuknüpfen, ohne deren Klasse zu erreichen.

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Originaltitel „Relay“
USA 2025
112 min
Regie David Mackenzie

The Negotiator

alle Bilder © LEONINE STUDIOS

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Maria Reiche: Das Geheimnis der Nazca Linien

MARIA REICHE: DAS GEHEIMNIS DER NAZCA-LINIEN

Maria Reiche: Das Geheimnis der Nazca Linien

MARIA REICHE: DAS GEHEIMNIS DER NAZCA-LINIEN

Die wahre Geschichte von Maria Reiche, die in der peruanischen Wüste weiße Linien entdeckte.

Ab 25. September 2025 im Kino

Weiße Linien in der Wüste? Nein, um Koks geht es hier nicht. Sondern um die junge Dresdnerin Maria Reiche (Devrim Lingnau), die während der 1930er-Jahre als Mathematiklehrerin in Peru arbeitet. Durch den Archäologen Paul (Guillaume Gallienne) stößt sie auf ein Geheimnis in der Wüste von Nazca: gewaltige Bilder, präzise in den Sand gezogen, sichtbar nur aus der Luft. Fasziniert gibt sie ihr Leben in Lima auf und widmet sich fortan der Erforschung dieser Geoglyphen – gegen alle Widerstände und ganz allein.

Maria Reiche: Das Geheimnis der Nazca Linien

MARIA REICHE: DAS GEHEIMNIS DER NAZCA-LINIEN erzählt von einer Besessenen und zeigt, wie aus einer Randfigur der Wissenschaft eine nationale Ikone wurde. Peru verdankt einen seiner größten Kulturschätze der Hartnäckigkeit dieser Dresdner Mathematikerin. Devrim Lingnau verkörpert die Getriebene mit großer Intensität. Dem Film gelingt es, die Zuschauer in Reiches konzentrierte, fast manische Welt hineinzuziehen. Man ist förmlich dabei, wenn sie nachts ihre Berechnungen notiert, Mahlzeiten vergisst und immer tiefer in das Rätsel der Nazca-Linienen abtaucht. Die hervorragende Kamera von Gilles Porte fängt dazu die Weite und Kargheit der Wüste in beeindruckenden Bildern ein, ohne je ins Postkartenhafte zu verfallen.

Maria Reiche: Das Geheimnis der Nazca Linien

Natürlich zielt die Inszenierung auch aufs breite Publikum: ein Schuss Dramatik, eine zarte (lesbische) Liebesgeschichte. Am stärksten ist MARIA REICHE jedoch, wenn er die Einsamkeit der Forscherin zeigt – unter gleißender Sonne oder funkelndem Sternenhimmel, ganz ohne Ablenkung, als hätte sie den „digital detox“ erfunden, lange bevor es ihn gab.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Lady Nazca“
Deutschland / Frankreich 2025
99 min
Regie Damien Dorsaz

Maria Reiche: Das Geheimnis der Nazca Linien

alle Bilder © TOBIS

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One Battle After Another

ONE BATTLE AFTER ANOTHER

One Battle After Another

ONE BATTLE AFTER ANOTHER

Ein Kampf nach dem anderen – Paul Thomas Andersons meisterhafter neuer Film

Ab 25. September 2025 im Kino

Amerika, ein vergiftetes Land: Schwarz gegen Weiß, Arm gegen Reich, Militär gegen Zivilisten – Ein Kampf nach dem anderen und kaum einer, der nicht mit Gewalt ausgetragen wird. Ein Bürgerkrieg steht unmittelbar bevor, wenn er nicht längst begonnen hat. In dieser zerrissenen Gesellschaft siedelt Paul Thomas Anderson sein neues Werk ONE BATTLE AFTER ANOTHER an – und liefert einen Film, der gleichermaßen politische Satire, Action- und Familiendrama ist.

Es ist ein wildes Überraschungsei, ein fiebriger, dreistündiger Trip durch ein Land am Abgrund, der den Zuschauer gleichermaßen elektrisiert und erschöpft. Aber genau diese Überforderung ist es, die den Film zu einem Ereignis macht.

One Battle After Another

Im Zentrum steht Bob (Leonardo DiCaprio), ein gealterter Revolutionär, der seine Tage im Rausch aus Drogen und Paranoia verbringt. Einzig seine Tochter Willa (Chase Infiniti) bildet eine geerdete Konstante in seinem Leben. Als sein alter Erzfeind Colonel Steven J. Lockjaw (Sean Penn) auftaucht und Willa verschwindet, beginnt eine verzweifelte Suche – und eine Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit.

So sehr ONE BATTLE AFTER ANOTHER als Familiendrama funktioniert, so deutlich ist es auch ein politischer Kommentar. Die Vereinigten Staaten, die der Film zeichnet, werden von weißen Männern aus dem Hintergrund in Richtung Diktatur gelenkt. Was als Satire beginnt, kippt immer wieder ins Beängstigende – gerade weil vieles nicht mehr weit von der Realität entfernt scheint. Mittlerweile stehen die Männer aus dem Hintergrund schamlos im Rampenlicht.

One Battle After Another

Anderson inszeniert das mit epischer Wucht im VistaVision-Format. Zwischen grotesken Satiremomenten – etwa einer weißen Geheimgesellschaft, die sich weihnachtlich mit „Hail, St. Nick!“ grüßt – und furiosen Actionszenen, wie einer atemlosen Autoverfolgung über schnurgerade Wüstenstraßen, gelingt ihm die Balance von Ernst und Groteske.

Das Ensemble agiert dabei in Hochform: Leonardo DiCaprio, Teyana Taylor, Benicio del Toro und vor allem Sean Penn als finsterer Antagonist. Es wäre ein Wunder, wenn nicht wenigstens einer von ihnen für den Oscar nominiert würde.

One Battle After Another

Ja, die fast drei Stunden fordern Durchhaltevermögen. Doch ONE BATTLE AFTER ANOTHER ist Kino in Reinform: überbordend, verstörend, berührend – und politisch von unheimlicher Aktualität. Die Fülle an Charakteren und Handlungssträngen ist meisterhaft verknüpft. Es passiert viel, doch nichts davon ist überflüssig. Anderson hat einen modernen Klassiker geschaffen.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „One Battle After Another“
USA 2025
162 min
Regie Paul Thomas Anderson

One Battle After Another

alle Bilder © Warner Bros. Pictures Germany

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Animale

ANIMALE

Animale

ANIMALE

Schleppendes Body-Horror-Drama aus Frankreich

Ab 25. September 2025 im Kino

ANIMALE hat eine originelle Idee: Statt eines Werwolfs, verbreitet hier ein „Werstier“ Angst und Schrecken. Doch statt Tempo und Nervenkitzel, plätschert der Film lange vor sich hin – Spannung kommt erst spät auf, und bis dahin droht das Publikum einzuschlafen.

Animale

Im Zentrum steht Nejma, 22, die sich in der männerdominierten Welt des Stierkampfs behaupten will. Ein „Sport“, in dem Frauen fast unsichtbar sind, neben der Formel 1 der ultimative Macho-Club. Sie trainiert hart, hängt mit den Jungs ab – und gerät nach Alkohol, Drogen und Gruppenzwang in eine fatale Mutprobe: nachts allein auf eine Weide voller Stiere. Am nächsten Morgen erinnert sie sich an nichts. Kurz darauf werden ihre Freunde einer nach dem anderen ermordet aufgefunden.

Animale

Visuell kann ANIMALE punkten. Kamera und Atmosphäre sitzen, die Verwandlung des Werstiers ist stimmig und schön analog umgesetzt. Inhaltlich jedoch schwächelt der Film: Die Figuren bleiben blass, bis auf Nejmas schwulen Bruder, der als einziger etwas Tiefe bekommt. Problematisch bleibt auch das Thema Stierkampf. Selbst in der hier gezeigten „milden“ Variante ist es eine ungute Tradition – Mitgefühl für die tierquälenden Toreros fällt schwer.

Animale

Eine female-empowerment-story zwischen Mythos und toxischer Männlichkeit – Emma Benestans zweiter Spielfilm hätte ein wilder, schräger Trip werden können. In der Praxis ist er ein größtenteils langatmiger Ritt mit viel Leerlauf. Wer Geduld aufbringt, wird mit eindrucksvollen Bildern und einem dramatischen Ende belohnt – doch für echte Spannung oder packendes Drama fehlt es dem Film zu lange an Tempo.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Animale“
Frankreich 2024
98 min
Regie Emma Benestan

Animale

alle Bilder © PLAION PICTURES

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Ganzer halber Bruder

GANZER HALBER BRUDER

Ganzer halber Bruder

GANZER HALBER BRUDER

Zeigt mal wieder, was an deutschen Komödien alles falsch ist

Ab 18. September 2025 im Kino

Immobilienbetrüger Thomas ist ein schlechter Mensch: Gerade aus dem Knast entlassen, erbt er unverhofft die Villa seiner Mutter. Marktwert: zwei Millionen. Dumm nur, dass darin sein Halbbruder Roland lebt – der hat nicht nur das Down-Syndrom, sondern auch lebenslanges Wohnrecht.

Ganzer halber Bruder

Man spürt in jeder Szene die angestrengte Bemühung, einen „witzigen“ Film zu machen. Aber genau diese Verkrampftheit lässt das Ganze bleischwer untergehen. Gute Comedy braucht Timing, Timing, Timing und Mut zum Risiko – GANZER HALBER BRUDER hat nichts davon. Jeder Gag, jede Wendung ist vorhersehbar, wirklich überraschen kann die Story zu keiner Zeit. Immerhin funktionieren die dramatischen Momente besser: Wenn es traurig oder emotional wird, beginnt der Film kurz zu fliegen – bis der nächste fade Witz alles wieder zunichtemacht.

Ganzer halber Bruder

Dass GANZER HALBER BRUDER so schwach ist, liegt nicht an den Schauspielern. Christoph Maria Herbst ist eine Bank, gerade in seiner Paraderolle als Arschloch mit Restherz. Und bei Nicolas Randel ist man froh, dass ein Mensch mit Downsyndrom tatsächlich von einem solchen gespielt wird – und nicht von einem zurechtgeschminkten Schauspieler, der auf den Filmpreis schielt. Schön auch, dass sein Roland kein bemitleidenswerter Gutmensch ist, sondern ein Typ mit Ecken und Kanten.

Ganzer halber Bruder

Nein, die Besetzung trägt keine Schuld. Schlecht sind vor allem das Drehbuch und die biedere Inszenierung. Ob mangelnde Zeit, zu kleine Budgets oder schlicht Unvermögen – man fragt sich, warum niemand vor Drehbeginn nochmal am Buch feilt und die Dialoge schärft, bevor so viele Menschen Arbeitszeit und Geld investieren.

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2025
102 min
Regie Hanno Olderdissen

Ganzer halber Bruder

alle Bilder © Wild Bunch Germany

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Downton Abbey: Das große Finale

DOWNTON ABBEY: DAS GROSSE FINALE

Downton Abbey: Das große Finale

DOWNTON ABBEY: DAS GROSSE FINALE

Nach 15 Jahren ist Schluss: Eine letzte Reise in die Welt der Adelsfamilie Crawley und ihrer Dienerschaft.

Ab 18. September 2025 im Kino

Menschen, die sich noch nie für Downton Abbey interessiert haben, werden den Abschiedsfilm sterbenslangweilig finden. Familie Crawley? Who? Für Fans der Serie dagegen ist DOWNTON ABBEY: DAS GROSSE FINALE zwei Stunden perfekte Kinounterhaltung.

Downton Abbey: Das große Finale

Upstairs, Downstairs – ein kleiner Rückblick: Sechs TV-Staffeln und zwei Kinofilme lang durfte man den Crawleys und ihrem Personal dabei zusehen, wie sie Tee servieren, um Porzellan streiten und historische Umbrüche erstaunlich unbeschadet überstehen. Tote im Bett, gefallene Dienstmädchen und überraschend auftauchende Cousins sorgten für Drama, während der Butler steif „I’d rather not say, Mylord“ murmelte. Spätestens seit ein Filmteam durchs Schloss stolperte, wusste man: Diese Serie war immer schon die am teuersten produzierte Seifenoper unter den Historiendramen.

Downton Abbey: Das große Finale

Nun also das Jahr 1930: Lady Mary (Michelle Dockery) leidet nach ihrer Scheidung unter gesellschaftlicher Ächtung, Lord Robert Crawley (Hugh Bonneville) unter Finanzsorgen, und Großmutter Violet hat ihre scharfzüngigen Kommentare für immer eingestellt.

Downton Abbey: Das große Finale

Der Film ist ein fabelhafter Abschied von allen Figuren und dem herrlichen Landsitz in der Grafschaft Hampshire. Die Sets strahlen in opulentem Glanz, der Humor bleibt verlässlich britisch trocken. Und das Beste: Der Film spielt tatsächlich in Downton Abbey mit den Originalstars. Keine Reise nach Frankreich oder sonstige Ablenkungen.

Downton Abbey: Das große Finale

Fanservice mal positiv: DOWNTON ABBEY: DAS GROSSE FINALE hat alles, was sich Freunde der Serie erhoffen dürfen. Es ist ein eleganter, emotionaler und befriedigender Abschied.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Downton Abbey: The Grand Finale“
UK / USA 2025
124 min
Regie Simon Curtis

Downton Abbey: Das große Finale

alle Bilder © Universal Pictures International Germany

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Miroirs No. 3

MIROIRS No. 3

Miroirs No. 3

MIROIRS No. 3

Christian Petzold at it’s best - oder worst - je nach Geschmack.

Ab 18. September 2025 im Kino

Der Titel des neuen Christian Petzold-Films MIROIRS No. 3 bezieht sich auf ein Klavierstück von Maurice Ravel. Da ist schon klar, wohin die Reise geht. Und natürlich ist Laura, die Hauptfigur, eine angehende Pianistin. Junge Kunststudenten sind fester Bestandteil des Petzoldschen Kosmos. Nach einem Autounfall, bei dem ihr Freund stirbt, zieht Laura bei Betty ein, die zufällig Zeugin des Unfalls war. Die beiden Frauen verbindet spontan eine tiefe Zuneigung.

Miroirs No. 3

Landleben wie im Traum: Betty hat ein hübsches Häuschen im Grünen, die Bienen summen, ab und zu schauen „ihre Männer“ vorbei – Ehemann und Sohn, beide liebenswerte Stoiker. Bei Königsberger Klopsen, Klavierspiel und Pflaumenkuchen findet Laura im Brandenburger Idyll wieder zu sich selbst. Auch Betty und ihrer Familie scheint die junge Frau aus Berlin gutzutun.

Miroirs No. 3

Statt Nina Hoss spielt nun schon zum vierten Mal Paula Beer die leicht somnambule Hauptrolle. Enno Trebs, Matthias Brandt und Barbara Auer sind ebenfalls alte Petzold-Bekannte aus Roter Himmel und Polizeiruf. Der Regisseur der Berliner Schule hat auch diesmal einen Märchenfilme für Erwachsene gemacht. Nicht von dieser Welt sind dabei vor allem seine Figuren: Kein AfD-Wähler weit und breit – wäre Brandenburg wirklich von derart sanftmütigen Intellektuellen bevölkert, man würde glatt da hinziehen.

Miroirs No. 3

Man muss das mögen und sich auf den manchmal ins unfreiwillig Komische kippenden Tiefsinn einlassen. Doch wem die anderen Werke des Autorenfilmers gefallen, der wird auch MIROIRS No. 3 lieben. Mehr Petzold geht nicht.

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2025
86 min
Regie Christian Petzold

Miroirs No. 3

alle Bilder © Piffl Medien

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The Long Walk

THE LONG WALK

The Long Walk

THE LONG WALK

Den Titel kann man wörtlich nehmen: In THE LONG WALK geht es um genau das – einen mörderisch langen Fußmarsch.

Ab 11. September 2025 im Kino

Gar nicht so utopisch: Die USA werden von einem autoritären Militärregime kontrolliert. Zur Volksunterhaltung muss einmal im Jahr eine Gruppe junger Männer um ihr Leben laufen. Wer langsamer wird oder gar stoppt, wird erschossen.

Sport als Überlebenskampf? Das erinnert an Die Tribute von Panem. Hat auch derselbe Regisseur gemacht: Francis Lawrence ist Fachmann für dystopische Jugendgeschichten.

The Long Walk

Nach The Life of Chuck ist das schon die zweite gelungene Verfilmung einer Stephen-King-Geschichte in diesem Jahr. Bemerkenswert: THE LONG WALK wurde in chronologischer Reihenfolge gedreht – eine Seltenheit in Hollywood –, um die psychischen und physischen Strapazen der Schauspieler möglichst authentisch einzufangen.

The Long Walk

Ganz hervorragend: Cooper Hoffman, bekannt aus Licorice Pizza, und David Jonsson, der zuletzt für Alien: Romulus vor der Kamera stand. Und wie in The Life of Chuck spielt auch hier Star-Wars-Legende Mark Hamill mit – diesmal als menschenverachtender Bösewicht.

The Long Walk

THE LONG WALK ist harte Kost. Ein, zwei Nahaufnahmen weniger von Kopfschüssen hätten es auch getan. Aber die Brutalität schafft Fallhöhe: Alles ist möglich, jeder kann der Nächste sein.

Das etwas andere Roadmovie: toll gespielt und packend bis zum bitteren Ende. Der lange Weg ins Kino lohnt sich.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „The Long Walk“
USA 2025
108 min
Regie Francis Lawrence

The Long Walk

alle Bilder © LEONINE STUDIOS

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Brave the Dark

BRAVE THE DARK

Brave the Dark

BRAVE THE DARK

Christliche Werte vermitteln – warum nicht? Wer’s mag. Ob das allerdings so klischeebeladen und cringe wie in BRAVE THE DARK geschehen muss, ist fraglich.

Ab 11. September 2025 im Kino

Pennsylvania, 1986: Stan Deen (Jared Harris) ist Mitte fünfzig und oft traurig. Der Lehrer für Englisch und Theater hat vor über zwei Jahren seine Mutter verloren. Die alte Dame und ihr alleinstehender Sohn haben zusammengelebt, Stan hat sich aufopferungsvoll um sie gekümmert.

An seiner Schule sind alle wahnsinnig nett und grüßen sich mit Namen. Nur der 17-jährige Nate (Nicholas Hamilton) macht Ärger. Keine Überraschung, schließlich trägt er Lederjacke und raucht! Dann wird er auch noch bei einem Einbruch erwischt und landet im Knast. Die Eltern tot, die Großeltern entfremdet, die Freundin wendet sich ab. Nur sein Lehrer Mr. Deen sieht das Gute in dem jungen Troublemaker und bietet an, seine Vormundschaft zu übernehmen.

Brave the Dark

Der hübsche Boy, der von der Seite ein bisschen wie der junge Kevin Bacon aussieht (und in einer späteren Tanzszene auch dessen Footloose-Moves drauf hat), und der ältere, alleinstehende Herr ziehen zusammen.

Nein, Halt. So eine Geschichte ist das nicht.

BRAVE THE DARK ist keine schwule Sugardaddy-Story. Dass der Lehrer – ganz nach guter alter Onkelmanier – dem Knaben Schokolade schenkt, ihn bei sich einziehen lässt und der Jungschauspieler einmal zu oft grundlos das T-Shirt auszieht: geschenkt. Wer Böses denkt, hat die himmlische Botschaft nicht verstanden.

Brave the Dark

Die christliche Gutmenschgeschichte basiert auf wahren Begebenheiten (steht jedenfalls im Vorspann) und wurde von den Angel Studios produziert. Dahinter steckt eine erzkonservative Mormonengruppe aus Utah. Neben BRAVE THE DARK haben die bereits das dilettantisch gemachte und inhaltlich fragwürdige Drama Bonhoeffer in die Kinos gebracht. Erschreckenderweise, aber wenig überraschend, sind die Angel-Studios mit ihren Werken in den USA sehr erfolgreich.

Brave the Dark

Interessanter als das öde Rührstück: Der 2002 verstorbene irische Schauspieler Richard Harris (Gladiator, Harry Potter) hatte zwei Söhne. Der eine ist ebenfalls ein berühmter Schauspieler: Jared Harris – genau, der aus Mad Men und Chernobyl. Der andere heißt Damian Harris und ist Regisseur, unter anderem von BRAVE THE DARK. Und das erklärt wiederum, weshalb sich ein so hervorragender Schauspieler wie Jared in einen derart fragwürdigen Film verirrt: aus Bruderliebe! Amen.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Brave the Dark“
USA 2025
112 min
Regie Damian Harris

Brave the Dark

alle Bilder © Kinostar

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Conjuring 4: Das letzte Kapitel

CONJURING 4: DAS LETZTE KAPITEL

Conjuring 4: Das letzte Kapitel

CONJURING 4: DAS LETZTE KAPITEL

Der mittlerweile neunte Teil der „Conjuring“-Reihe bietet angenehmen Nostalgie-Grusel.

Ab 04. September 2025 im Kino

Vor zwölf Jahren revolutionierte ein vergleichsweise kleiner Film aus Amerika das Horrorgenre. Der auf angeblich „wahren“ Begebenheiten basierende Conjuring wurde zur Blaupause für nahezu alle Spuk- und Exorzismusfilme der folgenden Jahre – ein Effekt, den zuvor nur Der Exorzist Anfang der 1970er-Jahre ausgelöst hatte.

Conjuring 4: Das letzte Kapitel

Das Conjuring-Universum (ja, so etwas gibt es) wächst immer weiter. Das Franchise rund um Geister, besessene Puppen und böse Nonnen hat inzwischen so viele Prequels, Spin-offs und Sequels, dass es mitunter schwer fällt, den Überblick zu behalten.

Der Titel verrät es: Die Ur-Story geht mit „Das letzte Kapitel“ zu Ende – zumindest vorläufig. Wer weiß, ob nicht bald eine „Next Generation“ auf Geisterjagd geht. Nach dem schwächeren dritten Teil schlüpfen erneut Vera Farmiga (wie immer großartig) und Patrick Wilson in die Rollen der paranormalen Ermittler Ed und Lorraine Warren.

Conjuring 4: Das letzte Kapitel

Im Jahr 1986 wird die Smurl-Familie von einem Dämon heimgesucht, der sich in einem Spiegel verbirgt. Gespoilert wird hier nichts, doch das Drehbuch versteht es, den neuen Fall geschickt mit dem Schicksal der Warrens zu verknüpfen. Anstatt hastig von einem Jumpscare zum nächsten zu hetzen, nimmt sich der Film wohltuend viel Zeit und drückt zuverlässig die richtigen emotionalen Knöpfe. Vor allem ein Publikum, das sich am digitalen Effektgewitter moderner Horrorproduktionen müde gesehen hat, dürfte an diesem fast altmodisch anmutenden Geisterfilm Gefallen finden.

Conjuring 4: Das letzte Kapitel

Und wie gruselig ist das Ganze nun? Nicht übermäßig. Das liegt weniger an handwerklichen Schwächen als vielmehr am allzu vertrauten Schema solcher Filme. Es ist ein wenig wie die hundertste Fahrt mit der Geisterbahn: nicht mehr so erschreckend wie beim ersten Mal, aber immer noch gut für eine wohlige Gänsehaut.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „The Conjuring: Last Rites“
USA 2025
135 min
Regie Michael Chaves

Conjuring 4: Das letzte Kapitel

alle Bilder © Warner Bros. Pictures

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22 Bahnen

22 BAHNEN

22 Bahnen

22 BAHNEN

Es gibt Filme, die sich mit ihren großen Themen selbst im Weg stehen. 22 BAHNEN, nach dem gleichnamigen Bestsellerroman, gehört dazu.

Ab 04. September 2025 im Kino

Die Geschichte um Tilda, eine Mathematikstudentin, die zwischen Studium, Supermarktjob und der Verantwortung für ihre kleine Schwester Ida zerrieben wird, hat eigentlich alles, was ein packendes Drama ausmacht: eine dysfunktionale Familie, Alkoholismus, Liebe, Tod und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Doch was im Roman von Caroline Wahl Tiefe hat, wirkt auf der Leinwand zu glatt und mutlos.

22 Bahnen

Regisseurin Mia Maariel Meyer greift immer wieder auf Voice-over zurück – ein Mittel, das den Eindruck eines bebilderten Hörbuchs hinterlässt. Man spürt förmlich die Angst, das Publikum mit Uneindeutigkeiten oder Leerstellen zu überfordern. Statt Reibung gibt es Erklärung, statt Drama: Young-Adult-Klischees.

22 Bahnen

Sehenswert macht 22 BAHNEN sein Ensemble. Allen voran Luna Wedler: Mit feiner Zurückhaltung trägt sie den Film, macht die Überforderung und Zerrissenheit ihrer Figur spürbar, bleibt dabei absolut glaubwürdig. Auch Zoë Baier, die Tildas kleine Schwester Ida spielt, überzeugt mit Natürlichkeit. Laura Tonke hingegen bekommt kaum Gelegenheit, ihrer Rolle als alkoholkranke Mutter echte Tiefe zu verleihen: Entweder jammert sie, oder sie ist betrunken. Mehr Facetten erlaubt das Drehbuch nicht. Und Jannis Niewöhner als Love Interest Viktor bleibt bei aller äußerlichen Attraktivität ein Fremdkörper: Das Sixpack sitzt, die Nachdenklichkeit wirkt aufgesetzt.

22 Bahnen

Handwerklich ist das Ganze durchaus sauber: Die Kamera fängt mit klaren, ruhigen Bildern Tildas Welt ein – unter Wasser, im immer erstaunlich leeren Schwimmbad, an der Supermarktkasse oder beim Rave im Steinbruch. Alles ästhetisch bis zur Beliebigkeit. Der Soundtrack setzt zudem auf Mainstream-Pop, der mit den ernsten Themen kollidiert und jede Schwere verdampfen lässt.

So bleibt 22 BAHNEN kein schlechter Film, aber ein erstaunlich zahmer. Alles wirkt ein bisschen zu gefällig – es fehlt das Drama, die Wucht, die diesen Stoff hätte groß machen können.

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2025
102 min
Regie Mia Maariel Meyer

22 Bahnen

alle Bilder © Constantin Film

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Caught Stealing

CAUGHT STEALING

Caught Stealing

CAUGHT STEALING

An diesem Thriller ist nichts, aber auch gar nichts außergewöhnlich.

Ab 28. August 2025 im Kino

Außer vielleicht, dass der Regisseur Darren Aronofsky heißt. Der hat mit Werken wie Requiem for a Dream, The Wrestler oder dem Oscar-prämierten The Whale bisher vor allem Filme von künstlerischem Gewicht abgeliefert – eher „Arthouse“ als Blockbuster-Kino. Umso überraschender, dass er sich nun CAUGHT STEALING als neues Projekt ausgesucht hat. Die Tagline „Zwei Russen, zwei Juden und ein Puertoricaner gehen in eine Bar“ fasst den simplen Plot schon recht präzise zusammen.

Caught Stealing

Ex-Baseballspieler Hank Thomas (Austin Butler) führt ein unspektakuläres Leben: nette Freundin (Zoë Kravitz), Barkeeper-Job in New York, liebevolle Mama. Bis sein Punk-Nachbar Russ (Matt Smith) ihn bittet, für ein paar Tage auf seine Katze aufzupassen. Was harmlos klingt, entwickelt sich zum Albtraum. Plötzlich tauchen ultrabrutale Gangster auf, die alle etwas von Hank wollen – nur er selbst hat keine Ahnung, was das sein könnte.

Caught Stealing

Das ist souverän inszeniert, keine Frage. Auch die Besetzung kann sich sehen lassen: Neben Butler, Kravitz und Smith treten Regina King, Vincent D’Onofrio und Liev Schreiber in Nebenrollen auf.

Und doch wirkt CAUGHT STEALING wie eine routinierte Auftragsarbeit. Weder visuell noch inhaltlich sticht der Film heraus. Am ehesten erinnert die Geschichte vom ahnungslosen Mann, der wider Willen in einen Strudel aus Gewalt gerät, an eine geerdete Version von John Wick.

Caught Stealing

Die Romanvorlage von Charlie Huston bildet den ersten Teil einer Trilogie – da wird die Fortsetzung (bei Erfolg) nicht lange auf sich warten lassen. Das Buch erklärt auch die zeitliche Verortung der Geschichte: Denn warum das Ganze 1998 spielt, erschließt sich auch nach dem dritten Establishing Shot mit den Twin Towers nicht wirklich.

CAUGHT STEALING unterscheidet sich deutlich von Aronofskys bisherigen Arbeiten. Statt existenzieller Schwere gibt’s wildes Geballer. Immerhin scheint es, als hätten der Regisseur und sein Ensemble beim Dreh ihren Spaß gehabt. Das Ergebnis kann man sich anschauen – kuckt sich gut weg, ohne nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Caught Stealing“
USA 2025
107 min
Regie Darren Aronofsky

Caught Stealing

alle Bilder © Sony Pictures

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Die Rosenschlacht

DIE ROSENSCHLACHT

Die Rosenschlacht

DIE ROSENSCHLACHT

Remake von "Der Rosenkrieg": Liebe, Hass und ein Hauch von Foodporn

Ab 28. August 2025 im Kino

Nach Der Schuh des Manitu und Naked Gun ist DIE ROSENSCHLACHT endlich mal eine Komödie für Erwachsene. Sie (Olivia Colman) steht kurz davor, als gefeierte Köchin ihre eigene Restaurantkette zu eröffnen, er (Benedict Cumberbatch) ist ein visionärer Architekt, der mit Statik auf Kriegsfuß steht. Als eines seiner Prestigeprojekte – ein Museum in Form eines Schiffes – spektakulär in sich zusammenbricht, verliert er Job und Reputation. Rollenwechsel: Er kümmert sich um die Kinder, sie macht Karriere.

Die Rosenschlacht

Das Drehbuch, basierend auf Warren Adlers Roman The War of the Roses, 1989 schon einmal mit Michael Douglas, Kathleen Turner und Danny DeVito verfilmt, schlägt diesmal einen leichteren Ton an. In der ersten Hälfte sieht man den beiden schlicht beim Glücklichsein zu – und wünschte fast, es bliebe dabei. Doch wer die Vorlage kennt, ahnt: Das Glück währt nicht. Der dritte Akt, in dem der Rosenkrieg offen ausbricht, ist vielleicht der schwächste Teil – nicht schlecht, aber weniger charmant als das lange Vorspiel.

Die Rosenschlacht

Cumberbatch und Colman spielen die Liebe ebenso glaubhaft wie den tiefen Hass. Die beiden SNL-Veteranen Andy Samberg und Kate McKinnon setzen als herrlich schräg-creepy Nebenfiguren komödiantische Glanzlichter. Regisseur Jay Roach (vor allem für die Austin-Powers-Reihe bekannt) inszeniert mit straffem Bogen, schnellen Wortgefechten und visueller Opulenz: Foodporn aus der Profiküche trifft auf architektonische Träume (das Haus am Meer!).

Die Rosenschlacht

DIE ROSENSCHLACHT ist ein bissiges Ehedrama und zugleich eine elegante, witzige Studie darüber, wie schnell Nähe in Krieg umschlagen kann – gewürzt mit britischem Humor und einem tollen Ensemble. Fazit: Beziehungen sind wie Häuser und Soufflés: schön, solange sie nicht zusammenfallen.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „The Roses“
USA 2025
105 min
Regie Jay Roach

Die Rosenschlacht

alle Bilder © The Walt Disney Company

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In die Sonne schauen

IN DIE SONNE SCHAUEN

In die Sonne schauen

IN DIE SONNE SCHAUEN

Das Filmfestival in Cannes und der deutsche Film – das war lange keine Erfolgsgeschichte. Doch in diesem Jahr ist plötzlich alles anders.

Ab 28. August 2025 im Kino

Zählt man Fatih Akins Amrum und Christian Petzolds Miroirs No. 3 dazu – beide liefen in Nebenreihen –, dann war der deutsche Film mit gleich drei Produktionen an der Croisette vertreten. Die größte Überraschung: Mascha Schilinskis IN DIE SONNE SCHAUEN, die für ihr Werk mit dem Preis der Jury ausgezeichnet wurde – eine doppelte Premiere. Erstmals ging diese Auszeichnung an eine deutsche Regisseurin.

In die Sonne schauen

IN DIE SONNE SCHAUEN ist kein gefälliger Film. Die komplexe Erzählweise mit ihren abrupten Zeitsprüngen verlangt dem Publikum einiges an Aufmerksamkeit ab. Auch der Verzicht auf eine lineare Handlung oder einen klassischen dramaturgischen Bogen macht den Zugang nicht leichter. Und doch – oder gerade deshalb – ist dieser Film ein Gesamtkunstwerk. Oder, um Wikipedia zu zitieren: „ein assoziativer Erinnerungsstrom“.

Kamera, Musik, Billie Minds’ präzises Sounddesign und das durchweg herausragende Ensemble – mit Luise Heyer, Lena Urzendowsky, Susanne Wuest, Laeni Geiseler und Hanna Heckt als die siebenjährige Alma – rufen Erinnerungen wach an Das weiße Band oder Edgar Reitz’ große Heimat-Chronik.

In die Sonne schauen

Tod und weibliche Verzweiflung durchziehen Mascha Schilinskis einzigartigen Film, der ein ganzes Jahrhundert umspannt und dabei trotzdem intim bleibt. Im Zentrum stehen vier junge Frauen – Alma, Erika, Angelika und Lenka –, deren Leben von Abhängigkeiten, Brüchen und den Erwartungen der Männer geprägt ist.

Derselbe Hof, irgendwo in Deutschland, später DDR, dieselben Räume, derselbe Stall – und doch andere Menschen. Oder dieselben in anderen Gestalten? Die Figuren spiegeln einander, über Jahrzehnte hinweg, manchmal auf unheimliche Weise.

In die Sonne schauen

Wer in einem alten Haus, oder auch nur in einer Altbauwohnung lebt, hat sich vielleicht schon mal gefragt: Wer war vor mir hier? Was hat sich zwischen diesen Wänden abgespielt? Mascha Schilinski gibt die filmische Antwort auf solche Fragen. Und inszeniert dabei jede Zeitebene so überzeugend, dass man sich unmittelbar hineinversetzt fühlt: in die 1910er-Jahre, in die 40er, die 80er, bis ins Heute.

IN DIE SONNE SCHAUEN ist ein mutiger Film. Eine sinnliche Erfahrung. Eine poetische Mischung aus Geistergeschichte, Frauenporträt und Zeitreise. Und verdientermaßen preisgekrönt.

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2025
149 min
Regie Mascha Schilinski

In die Sonne schauen

alle Bilder © Neue Visionen Filmverleih

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