EIN VERBORGENES LEBEN

Die wah­re Ge­schich­te des jun­gen ös­ter­rei­chi­schen Bau­ern Franz Jä­g­er­stat­ter: ein Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rer aus Ge­wis­sens­grün­den, der nicht für die Na­zis kämp­fen oder Hit­ler wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs die Treue schwö­ren will. Die tie­fe Lie­be zu sei­ner Frau Fa­ni ver­leiht ihm die Kraft, trotz Ge­fäng­nis und dro­hen­der To­des­stra­fe fest zu sei­nen Prin­zi­pi­en zu ste­hen.

Un­ter der Re­gie von Ter­rence Malick spie­len ne­ben Au­gust Diehl und Va­le­rie Pach­ner wei­te­re be­kann­te Schau­spie­ler wie To­bi­as Mo­ret­ti, Mat­thi­as Schoen­aerts, Ul­rich Matthes und Bru­no Ganz (in sei­ner letz­ten Rol­le).

Sind die Schau­spie­ler fa­bel­haft? Ja! Sind die Land­schafts- und Na­tur­auf­nah­men aus den ös­ter­rei­chi­schen Ber­gen ein vi­su­el­ler Rausch? Un­be­dingt! Hät­te man den Film um min­des­tens ei­ne Stun­de kür­zen kön­nen? Auf je­den Fall! Ty­pisch Malick, vor al­lem be­kannt für sei­ne me­di­ta­ti­ven Fil­me über das Le­ben an sich, gibt es mi­nu­ten­lan­ge Sze­nen, in de­nen man der Na­tur in ih­rer Schön­heit und den Prot­ago­nis­ten beim Nichts­tun zu­schau­en kann. Brie­fe wer­den ge­le­sen, Gras mit der Sen­se ge­schnit­ten, Bli­cke ge­tauscht, in den Him­mel ge­starrt. Das könn­te zwar be­sinn­lich sein – und hat im ci­ne­as­ti­schen Meis­ter­werk „The Tree of Life“ auch ganz wun­der­bar funk­tio­niert – hier wirkt es oft zäh und er­mü­dend. 

Wer sich bis­her mit der sehr lang­sa­men Er­zähl­wei­se von Ter­rence Malick-Fil­men nicht an­freun­den konn­te, den wird auch „Ein ver­bor­ge­nes Le­ben“ kaum be­keh­ren. Zu­mal das knapp 3‑stündige Werk auch „Weit­win­kel – der Film“ hei­ßen könn­te. Al­le Ein­stel­lun­gen wur­den von Ka­me­ra­mann Jörg Wid­mer kon­se­quent mit ei­ner un­ter­sich­ti­gen Weit­win­kel­op­tik ge­filmt. Das mag auf der gro­ßen Ki­no­lein­wand noch wir­kungs­voll sein, auf dem hei­mi­schen Bild­schirm nervt die­ser Kunst­griff schnell.

FAZIT

Schwie­rig­kei­ten be­rei­ten so­wohl der Ori­gi­nal­ton – deut­sche Schau­spie­ler, die in ei­ner ös­ter­rei­chi­schen Ge­schich­te eng­lisch spre­chen – das ist schlicht ir­ri­tie­rend – wie auch die deut­sche Syn­chro­ni­sa­ti­on: Die Lip­pen­be­we­gun­gen matchen nicht und der ste­ri­le Sound der Nach­ver­to­nung will nicht in die gro­ße Na­tür­lich­keit des Set­tings pas­sen. Hät­te Malick doch nur zwei Ver­sio­nen ge­dreht…

Ori­gi­nal­ti­tel „A Hid­den Life"
Deutsch­land / USA 2019
173 min
Re­gie Ter­rence Malick
DVD & Blu­ray-Re­lease 03. Ju­li 2020