Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE

Die Lebenserinnerungen des Schauspielers Joachim Meyerhoff umfassen mittlerweile sechs Bände. Der dritte und zugleich beste, ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE, wurde nun von Simon Verhoeven genial verfilmt.

Ab 29. Januar 2026 im Kino

Beim Lesen von Meyerhoffs Büchern denkt man immer wieder: wahnsinnig lustig, traurig, schier unglaublich – aber eigentlich unverfilmbar. Dass es doch geht, hat Sonja Heiss vor drei Jahren mit „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ bewiesen: vielleicht etwas zu vollgepackt, aber dank Besetzung, Zeitgefühl und Emotionen ein überraschend guter Film. Nun legt Simon Verhoeven – spätestens seit seinem gelungenen Milli-Vanilli-Biopic „Girl You Know It’s True“ eine verlässliche Größe für publikumswirksame, nie plumpe Filme – noch einmal nach.

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

München ist schon in den 80er-Jahren ein teures Pflaster, für Studenten erst recht. Joachim, Anfang 20, hat Glück: Er wird nicht nur problemlos an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule angenommen, sondern darf auch kostenlos in der Villa seiner Großeltern wohnen. Die sind herrlich exzentrisch: Großmama Inge (Senta Berger), einst gefeierte Schauspielerin, und Großpapa Hermann (Michael Wittenborn), ein Philosophie-Professor im Ruhestand. Ihr idealer Tag wird von viel Alkohol strukturiert – gerne schon morgens beim synchronen Schnaps-Gurgeln, danach ist es Zeit für den ersten Champagner. So beschwingt das Leben im Haus, so zerrissen ist Joachim zwischen der Trauer um seinen verstorbenen Bruder, eigenen Zweifeln und einem fordernden Studium.

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Regisseur und Drehbuchautor Simon Verhoeven hat Meyerhoffs Buch nahezu perfekt für die Leinwand adaptiert. Die Mischung aus Melancholie, gutem Humor sowie eine punktgenaue Besetzung machen den Film zu einem großen Vergnügen. Für die Rolle der Inge musste Verhoeven nicht lange suchen und fragte einfach seine Mutter. Senta Berger zeigt hier – vielleicht tatsächlich ein letztes Mal –, warum sie zu den größten Schauspielerinnen des Landes zählt. Skeptiker mochten sie nach der Buchlektüre für zu nett halten: ein Irrtum. Ihre exzentrische Grande Dame überzeugt zu hundert Prozent. An ihrer Seite der fabelhafte Michael Wittenborn, dessen Stimme und Erscheinung wirken, als sei er direkt einer Wirtschaftswunderkomödie mit Heinz Erhardt entstiegen.

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In den Nebenrollen gibt sich das Who’s who des deutschen Films die Klinke in die Hand: Laura Tonke, Devid Striesow, Tom Schilling, Friedrich von Thun, Karoline Herfurth und viele mehr. Das Herzstück des Films aber ist Bruno Alexander. Ein nahezu perfektes Casting. Bekannt als Boris Becker in „Der Rebell – Von Leimen nach Wimbledon“ und aus „Die Discounter“, spielt er den zwischen Unsicherheit, Zorn und norddeutscher Coolness schwankenden Jungschauspieler grandios.

ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE ist ein deutscher Unterhaltungsfilm – und das ist ausdrücklich als Kompliment gemeint. Technisch wie inszenatorisch auf hohem Niveau, mit wohltuendem Verzicht auf Plattheiten und Zoten. Lieber Simon Verhoeven, lassen Sie sich bitte nie vom deutschen Kinoeinheitsbrei verschlucken. Und wenn es geht: verfilmen Sie ruhig auch noch die restlichen Meyerhoff-Bände. Am besten, bevor es Sönke Wortmann tut.

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2026
137 min
Regie Simon Verhoeven

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

alle Bilder © Warner Bros. Pictures Germany

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