ANEMONE
Ab 27. November 2025 im Kino
Vor acht Jahren erklärte Daniel Day-Lewis, er werde nie wieder vor eine Kamera treten. Der wohl größte Schauspieler seiner Generation verabschiedete sich scheinbar für immer von der Leinwand. Und nun das Comeback – im Regiedebüt seines Sohnes Ronan.
Passenderweise geht es in ANEMONE auch um Väter und Söhne (und Brüder und Mütter): Jem Stoker (Sean Bean) setzt sich auf sein Motorrad und fährt in die Wälder, um dort seinen untergetauchten Bruder Ray (Daniel Day-Lewis) wiederzusehen. Die Männer verbindet eine komplizierte Vergangenheit. Ray ist ehemaliger Soldat und desertierte aus der Irisch-Republikanischen Armee. Jem kümmerte sich danach um Rays Ehefrau Nessa und ihren Sohn Brian. Auch der wurde zum Militär eingezogen – und bald wieder nach Hause geschickt, nachdem er einen Kameraden fast totgeprügelt hatte.
ANEMONE ist eine filmgewordene Actor’s Masterclass. Nichts weniger durfte man bei dieser Besetzung erwarten: natürlich Daniel Day-Lewis und Sean Bean, aber auch Samantha Morton und Samuel Bottomley in den Rollen von Mutter und Sohn spielen herausragend. Der Film ist ein langer, langsam erzählter Dialog über Schuld, Verlassen und Verlassenwerden – über das Versagen der Väter, der leiblichen wie der geistlichen.
Viel Häme aus der Presse: IndieWire schreibt, ANEMONE sei ein „von Kopf bis Fuß miserabler Film“. Nein, ist er nicht. Man muss sich nur auf dieses ungewöhnliche Erstlingswerk des gerade mal 27-jährigen Regisseurs einlassen. In der falschen Stimmung kann man sich natürlich auch herrlich langweilen und den Sinn des Ganzen hinterfragen. Zwei Stunden Menschen beim Reden zuzusehen – was soll das? Aber das ist zu kurz gegriffen.
Zunächst ist es schlicht eine Freude, den Schauspielern bei der Arbeit zuzuschauen. Fantastisch auch Ben Fordesmans Kamera – vor allem die immer wieder eingestreuten, fast märchenhaften Bilder, die wie Gemälde alter Meister wirken. Kein Wunder: Regisseur Ronan Day-Lewis hat bisher vor allem als Maler auf sich aufmerksam gemacht. Dazu die aufregende Musik von Bobby Krlic, der sonst meist für Ari Aster komponiert.
Ja, der Film erfordert Geduld – und mit seiner Langsamkeit und Düsternis ist er sicher nicht jedermanns Sache. Aber er ist zwei Stunden beinahe meditatives Kino. Manchmal erinnert er an ein anderes Meisterwerk des modernen Kinos: Magnolia. Und allein, Daniel Day-Lewis noch einmal auf der großen Leinwand zu sehen, lohnt sich. Hoffentlich lässt er sich mit seinem nächsten Auftritt nicht wieder acht Jahre Zeit.
INFOS ZUM FILM
Originaltitel „Anemone“
USA / GB 2025
126 min
Regie Ronan Day-Lewis
alle Bilder © Universal Pictures International Germany








