B12 – Gestorben wird im nächsten Leben

BAYE­RI­SCHER HEI­MAT­FILM

Das Le­ben ist ei­ne lan­ge, viel be­fah­re­ne Bun­des­stra­ße – des­halb trifft sich pünkt­lich je­den Tag der glei­che Stamm­tisch in ei­ner her­un­ter­ge­kom­me­nen Rast­stät­te, di­rekt an der B12 ge­le­gen. Da­zu ge­hö­ren: Kon­rad, ehe­ma­li­ger Rock'n'Roll-Tänzer und An­wär­ter auf zwei neue Hüft­ge­len­ke; Franz, schlitz­oh­ri­ger, stets gut ge­laun­ter "Saukopf"-Experte, so­wie Ma­ne, der stoi­sche Park­platz­wäch­ter mit ei­ner Vor­lie­be für zu viel Bier.

„Jo mei, I me­chad nur noch ster­ben“, sagt Alt­wirt Lenz Gant­ner bei je­der Ge­le­gen­heit und zu je­dem, der es nicht hö­ren will. Nach ei­nem Schlag­an­fall ist er mit sei­nen 89 Jah­ren am En­de und haust in der ehe­ma­li­gen Groß­kü­che des Rast­hofs. Sein Sohn Man­fred ist der Chef und hat we­nig Mit­leid mit dem Al­ten. Denn der hat ihm, ne­ben der schrab­be­li­gen An­samm­lung von Ge­bäu­den und Con­tai­nern, auch die Schul­den ver­macht. Nun sträubt er sich zu­dem ve­he­ment ge­gen jeg­li­che Neue­rung. Ka­put­ter Ort, ka­put­te Men­schen. Könn­te man mei­nen.

MACHART

Im Do­ku­men­tar­film „B12“ geht es um die ganz gro­ßen The­men des Le­bens: Lie­be, Freund­schaft und Tod. Kom­pri­miert auf ein be­eng­tes Bio­top: Hei­mat, di­rekt an der Schnell­stra­ße. Chris­ti­an Lerchs Lang­zeit­stu­die nimmt sich viel Zeit für sei­ne schrä­gen Ge­stal­ten und be­ob­ach­tet ge­nau. Der selbst­mit­lei­di­ge Lenz wird beim Ge­nuss ei­ner Le­ber­knö­del­sup­pe plötz­lich wie­der sehr agil und auch die ver­meint­li­che Er­blin­dung ist beim Be­trach­ten al­ter Schul­fo­tos auf ein­mal ver­ges­sen. So schafft der Film vie­le ko­mi­sche Mo­men­te. Der Hö­he­punkt ist ei­ne Sze­ne von solch er­staun­li­cher Dus­se­lig­keit, dass man es kaum glau­ben möch­te.

FAZIT

Hu­mor- und lie­be­vol­le Be­ob­ach­tung von ech­ten baye­ri­schen Ori­gi­na­len. Se­hens­wert.

Deutschland, 2018
Regie Christian Lerch
92 min