BENT

Was ha­ben Ki­nos und Bor­del­le ge­mein­sam?
Bei­de ge­hö­ren zu den so­ge­nann­ten "Ver­gnü­gungs­stät­ten" und dür­fen des­halb – im Ge­gen­satz zu Thea­tern und Kon­zert­häu­sern – bald wie­der auf­ma­chen. Ju­che!
Die Bun­des­län­der kön­nen sich über­ra­schen­der­wei­se nicht ei­ni­gen: Hier gehts am 15. Mai, da drei Ta­ge spä­ter und dort erst nach Pfings­ten los. Ber­lin macht sich’s ge­müt­lich und nimmt sich ein biss­chen län­ger Zeit – in der Haupt­stadt blei­ben die Ki­no­sä­le bis 5. Ju­ni ver­schlos­sen. Das un­ein­heit­li­che Vor­ge­hen ist für Ver­lei­her ein De­sas­ter, denn ein gro­ßer Hol­ly­wood­film wird kaum Bun­des­land für Bun­des­land an den Start ge­schickt. Bis sich dann al­le doch noch ge­ei­nigt ha­ben, gibt es wei­ter­hin neue Vi­deo-on-De­mand-Ver­öf­fent­li­chun­gen: dies­mal ein di­gi­tal re­stau­rier­ter Klas­si­ker des Que­er­films, "Bent".

Er­staun­lich, wer da al­les mit­spielt: Mick Jag­ger, Cli­ve Owen, Ni­ko­laj Cos­ter-Wald­au, Ian McKel­len und der noch un­be­kann­te Ju­de Law – in ei­ner win­zi­gen Ne­ben­rol­le, „Bent“ wur­de 1997 ge­dreht.

Der ho­mo­se­xu­el­le Max (Cli­ve Owen) ge­nießt ein rausch­haft de­ka­den­tes Le­ben im Ber­lin der 30er Jah­re. Wäh­rend des "Röhm-Put­sches" kön­nen er und sein Freund Ru­di zu­nächst flie­hen, wer­den aber bald ge­fasst und ver­haf­tet. Um nicht den ro­sa Win­kel für Ho­mo­se­xu­el­le tra­gen zu müs­sen, lässt sich Max auf dem Weg nach Dach­au ei­nen Ju­den­stern ge­ben. Sei­ne Selbst­ver­leug­nung geht so­gar so weit, dass er sei­nen Freund auf Ge­heiß der Na­zis tot prü­gelt.

Im La­ger trifft Max auf Horst (Lo­thai­re Blu­teau), ei­nen In­sas­sen, der stolz das ro­sa Drei­eck trägt. Die bei­den Män­ner ver­lie­ben sich, ob­wohl ih­nen streng ver­bo­ten ist, mit­ein­an­der zu spre­chen oder sich gar zu be­rüh­ren. 

Die ers­te Hälf­te des Films hat mit ih­ren opu­len­ten Par­ty­sze­nen und Mick Jag­ger als Drag­queen (!) noch Schau­wert, doch spä­tes­tens im zwei­ten Teil kippt „Bent“ in ei­ne selt­sa­me Künst­lich­keit. Im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger wer­den in wei­ßer Ku­lis­se mi­nu­ten­lang Stei­ne von rechts nach links ge­tra­gen und in ge­stelz­ten Dia­lo­gen phi­lo­so­phiert. Dass der Film auf ei­nem Thea­ter­stück ba­siert, merkt man ihm da nur all­zu deut­lich an. 

FAZIT

Stär­ker auf der Büh­ne als auf der Lein­wand.

p.s. Soll­ten die Ki­nos bis An­fang Ju­ni al­le wie­der auf sein, kann man sich schon­mal auf fol­gen­de Fil­me freu­en:
"Exil" ab 04. Ju­ni
"Un­di­ne" von Chriti­an Pet­zold ab 11. Ju­ni
und ab 25. Ju­ni "Ber­lin Alex­an­der­platz" von Bur­han Qur­ba­ni

Ori­gi­nal­ti­tel "Bent"
UK / JP 1997
102 min
Re­gie Sean Ma­thi­as
OV mit dt. UT
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