Boys in trouble

Diesmal drei Filme zum Thema "Jungs in Schwierigkeiten":

Beautiful Boy

Nic steht die Welt of­fen. Er ist krea­tiv, schlau, hübsch, ein gu­ter Schü­ler und könn­te ein sorg­lo­ses Le­ben bei sei­nen wohl­ha­ben­den El­tern füh­ren. Wie ein pri­vi­le­gier­ter Teen­ager als Crys­tal Me­th-Jun­kie en­den und wel­che ver­hee­ren­den Aus­wir­kun­gen das auf die gan­ze Fa­mi­lie ha­ben kann, da­von er­zählt Fe­lix Van Groe­nings neu­er Film.
Beau­tiful Boy ba­siert auf gleich zwei Bü­chern: dem ei­nes ver­ständ­nis­vol­len Va­ters und dem sei­nes dro­gen­süch­ti­gen Sohns. Bei­de be­schrei­ben je­weils aus ih­rer Sicht den sich wie­der­ho­len­den Kreis­lauf von Sucht, Ent­zug und Rück­fall. Ein in­ter­es­san­ter An­satz, aber zu­gleich auch das gro­ße Pro­blem des Films: wenn sich Nic zum x‑ten Ma­le ei­ne Sprit­ze in die salz­stan­gen­dün­nen Ar­me setzt, hat sich die Em­pa­thie des Zu­schau­ers ir­gend­wann auf­ge­braucht. Die Ge­schich­te wie­der­holt sich wie­der und wie­der und da­bei bleibt das In­ter­es­se am Schick­sal der Fi­gu­ren auf der Stre­cke. Auch tut dem Film sei­ne an­stren­gen­de, in der Zeit sprin­gen­de Er­zähl­wei­se nicht gut.
Se­hens­wert ma­chen das Gan­ze nur die Dar­stel­ler: Ste­ve Ca­rell spielt den Va­ter an­ge­nehm zu­rück­hal­tend und Jung­star Ti­mo­thée Cha­l­a­met schafft es, sei­ne Fi­gur ge­ra­de noch zer­brech­lich lie­bens­wert und schon in der nächs­ten Sze­ne ab­ge­stumpft und un­sym­pa­thisch er­schei­nen zu las­sen.

Ei­ne ähn­li­che und doch ganz an­de­re Ge­schich­te er­zählt

Ben is back

Ben (Lu­cas Hedges) kehrt am Weih­nachts­abend über­ra­schend aus der Ent­zugs­kli­nik zu sei­ner Fa­mi­lie zu­rück. Sei­ne Mut­ter Hol­ly (Ju­lia Ro­berts) freut sich zwar, ist aber gleich­zei­tig ver­un­si­chert, denn ihr Sohn hat auf ei­ge­nen Wunsch hin die The­ra­pie un­ter­bro­chen.
Den Schmuck und die Me­di­ka­men­te im Ba­de­zim­mer ver­steckt sie vor­sichts­hal­ber, Schwes­ter und Stief­va­ter blei­ben skep­tisch. Sie ha­ben dem Jun­kie schon zu oft ver­traut und sind dann doch be­lo­gen und ent­täuscht wor­den. Hol­ly be­schließt, nicht mehr von der Sei­te ih­res Sohns zu wei­chen, um so ei­nen mög­li­chen Rück­fall zu ver­hin­dern.
Wäh­rend Beau­tiful Boy vom Auf und Ab ei­ner El­tern-Jun­kie­kind-Be­zie­hung über Jah­re hin­weg er­zählt, kon­zen­triert sich Ben is back auf 24 Stun­den im Le­ben sei­ner Prot­ago­nis­ten. In die­sem kur­zen Zeit­fens­ter wird die Mut­ter/­Sohn-Be­zie­hung auf ei­ne har­te Pro­be ge­stellt. Hol­ly er­fährt in ei­ner schick­sals­haf­ten Nacht mehr über Ben und sei­ne Ver­gan­gen­heit, als ihr lieb ist.
Ju­lia Ro­berts über­zeugt mit ih­rer be­we­gen­den Per­for­mance ei­ner ver­zwei­fel­ten Mut­ter, die um je­den Preis ih­ren Sohn ret­ten will. In der zwei­ten Hälf­te wan­delt sich Ben is back von der Cha­rak­ter­stu­die über­ra­schend zum düs­te­ren Thril­ler. Se­hens­wert. 

Wie­der neun­zehn Jah­re alt. Wie­der Lu­cas Hedges. Dies­mal nicht als Ex-Jun­kie, son­dern als schwu­ler Teen­ager in

Der verlorene Sohn (Boy erased)

Jared (Lu­cas Hedges), der Sohn ei­nes Bap­tis­ten­pre­di­gers in Ar­kan­sas – mit­ten im Bi­ble Belt der USA – outet sich ge­gen­über sei­nen streng­gläu­bi­gen El­tern (Ni­co­le Kid­man und Rus­sell Cro­we) als schwul. Kei­ne gu­te Idee. Die drän­gen ihn dar­auf­hin an ei­nem Um­er­zie­hungs­pro­gramm teil­zu­neh­men, um so von sei­ner Ho­mo­se­xua­li­tät „ge­heilt“ zu wer­den. An­dern­falls wer­de er aus der Fa­mi­lie und Ge­mein­de aus­ge­schlos­sen.

Die Ge­schich­te vom se­xu­el­len Ex­or­zis­mus ba­siert auf den Me­moi­ren von Gar­rard Con­ley, der sich in sei­ner Ju­gend in die un­gu­ten Hän­de der Kon­ver­si­ons­or­ga­ni­sa­ti­on „Love in Ac­tion“ be­gab. Dass es sol­che zwei­fel­haf­ten Ver­ei­ne im kon­ser­va­ti­ven Ame­ri­ka tat­säch­lich im­mer noch gibt, ist schlimm. Über die­sen Miss­stand ei­nen Film zu ma­chen, ist eh­ren­wert und löb­lich.
Und trotz­dem: ob­wohl Der ver­lo­re­ne Sohn her­aus­ra­gend be­setzt ist und sich sehr ernst­haft mit sei­nem The­ma aus­ein­an­der­setzt, ist es lei­der kein emp­feh­lens­wer­ter Film ge­wor­den. Zu zäh, zu kühl, zu trist er­zählt Re­gis­seur Jo­el Ed­ger­ton die doch ei­gent­lich er­grei­fen­de Ge­schich­te vom ge­pei­nig­ten Teen­ager. Die Fi­gu­ren blei­ben ein­di­men­sio­nal, der Blick auf sie zu di­stan­ziert. Die er­leb­ten Qua­len in der Um­er­zie­hungs­höl­le be­frem­den zwar, las­sen aber trotz­dem kalt.
Wie bei Beau­tiful Boy wird auf ei­ne li­nea­re Er­zähl­wei­se ver­zich­tet. Der Ge­schich­te mit ih­ren ver­schach­tel­ten Rück­blen­den ist des­halb auch hier bis­wei­len schwer zu fol­gen. Viel­leicht liegt die sich ein­stel­len­de Lan­ge­wei­le aber auch an dem vi­su­el­len Grau­schlei­er, der den gan­zen Film über­zieht.

FAZIT

Drei neue Fil­me über Jungs in Schwie­rig­kei­ten, drei­mal na­ja. Am emp­feh­lens­wer­tes­ten ist Ben is back, we­gen ei­ner über­ra­gen­den Ju­lia Ro­berts.

Beau­tiful Boy
USA, 2018
121 min
Re­gie Fe­lix Van Groe­nin­gen
Ki­no­start 24. Ja­nu­ar 2019

Ben is back
USA, 2018
102 min
Re­gie Pe­ter Hedges
Ki­no­start 10. Ja­nu­ar 2019

Der ver­lo­re­ne Sohn (Boy era­sed)
USA, 2018
115 min
Re­gie Jo­el Ed­ger­ton
Ki­no­start 21. Fe­bru­ar 2019