EDIE – FÜR TRÄUME IST ES NIE ZU SPÄT

Am En­de ei­nes Le­bens: Der al­te Gries­gram von Ehe­mann tot, das Haus zu leer, die Toch­ter kühl und oh­ne Ver­ständ­nis. Der nächs­te un­aus­weich­li­che Schritt: das Al­ters­heim, wo Se­nio­ren wie un­mün­di­ge Kin­der be­han­delt wer­den. Die 83-Jäh­ri­ge Edie hat dar­auf kei­ne Lust. Nach­dem sie sich ein Le­ben lang den Wün­schen an­de­rer un­ter­ge­ord­net hat, bricht sie aus, um sich ei­nen Traum zu er­fül­len: die Be­stei­gung von Mount Suil­ven in den schot­ti­schen High­lands.

Die rüs­ti­ge Grei­sin macht sich auf die Rei­se und bleibt nicht lan­ge al­lei­ne. Gleich am Bahn­hof wird sie von Jon­ny um­ge­rannt, der rein zu­fäl­li­ger­wei­se Berg­füh­rer ist und ei­nen La­den für Wan­der­be­darf führt. Dort stat­tet sich Edie erst mal neu aus, denn na­tür­lich hat sie – ha­ha­ha, im­mer die­se al­ten Leu­te – von "mo­der­nem" Kram kei­ne Ah­nung. Ihr Cam­ping­ko­cher wird noch mit Koh­l­emo­tor an­ge­trie­ben, die Tee­kan­ne stammt aus dem 17. Jahr­hun­dert und – iiiih!! ein Han­dy – was ist das denn???
Ein paar Kli­schees we­ni­ger hät­ten es auch ge­tan.

So lahm teil­wei­se die Dreh­buch­ideen, so be­herzt spielt Shei­la Han­cock da­ge­gen an. Der hoff­nungs­lo­se Blick ins Lee­re, wäh­rend der ge­lähm­te Ehe­mann mit dem Trep­pen­lift nach un­ten fährt. Das wü­ten­de Ab­wi­schen des Lip­pen­stifts, weil ihr das ei­ge­ne Al­ter be­wusst wird und sie sich lä­cher­lich fühlt. Die Tra­gi­ko­mö­die hat vie­le solch schö­ner Mo­men­te. Re­gis­seur Si­mon Hun­ter hat das gut in­sze­niert und ver­traut zu Recht auf sei­ne groß­ar­ti­ge Haupt­dar­stel­le­rin.

"Edie – Für Träu­me ist es nie zu spät" – das sich ein­stel­len­de Ro­sa­mun­de Pilcher-Fee­ling liegt nicht nur am schnul­zi­gen deut­schen Ver­leih­ti­tel, son­dern vor al­lem an der Mu­sik, die un­nö­tig ba­na­li­siert. Der Holz­ham­mer-Score mit sei­nen 5.000 heu­len­den Gei­gen und klim­pern­den Akus­tik­gi­tar­ren schreibt pe­ne­trant vor, was man zu füh­len hat. We­ni­ger wä­re mehr. 
Sei’s drum. Mit et­was Al­ters­mil­de be­trach­tet, ist das net­te Un­ter­hal­tung mit schö­nen Na­tur­auf­nah­men und ei­ner wür­de­vol­len Haupt­dar­stel­le­rin.

FAZIT

Selbst­ver­wirk­li­chung im Al­ter.
Den Sil­ber­rü­cken im Ki­no hat’s ge­fal­len – es wur­de viel und zu­stim­mend ge­ki­chert.

Ori­gi­nal­ti­tel "Edie"
Groß­bri­tan­ni­en 2017
102 min
Re­gie Si­mon Hun­ter 
Ki­no­start 23. Mai 2019