Die Frau des Nobelpreisträgers

⭐️⭐️⭐️

Nach fast vier­zig Ehe­jah­ren sind Jo­an (Glenn Clo­se) und Joe Cast­le­man (Jo­na­than Pri­ce) ein ein­ge­spiel­tes Team. Er ist der be­wun­der­te, et­was welt­frem­de Ro­man­au­tor, sie hat sich da­mit ab­ge­fun­den, die star­ke Frau im Hin­ter­grund zu sein. Mit Geist und di­plo­ma­ti­schem Ge­spür küm­mert sie sich um sei­nen All­tag: "Zeit für dei­ne Ta­blet­ten. Du hast Mund­ge­ruch. Da ist ein Krü­mel im Bart."
Als Joe mit dem Li­te­ra­tur-No­bel­preis aus­ge­zeich­net wer­den soll, macht sich das Paar auf den Weg nach Stock­holm. Mit da­bei ist Sohn Da­vid (Max Irons), eben­falls Schrift­stel­ler, und als un­will­kom­me­ner Be­glei­ter ein Ent­hül­lungs­jour­na­list (Chris­ti­an Sla­ter), der ein nicht ganz so schmei­chel­haf­tes Buch über den Star-Au­tor plant. In Stock­holm kon­fron­tiert er Jo­an mit ei­nem skan­da­lö­sen Ver­dacht...

Kaum zu glau­ben: Glenn Clo­se hat tat­säch­lich noch nie ei­nen Os­car ge­won­nen. No­mi­niert war sie zwar schon sechs Mal, zu­letzt 2011 für "Al­bert Nobbs", aber ge­klappt hat es bis­her nie. Mit ih­rer fa­cet­ten­rei­chen Dar­stel­lung in The Wi­fe könn­te es nun was wer­den. Wie sie sich im Lau­fe der Ge­schich­te zur re­spekt­for­dern­den, selbst­be­wuss­ten Frau wan­delt, das be­ein­druckt.
Fun fact: Die leib­li­che Toch­ter von Glenn Clo­se spielt die jun­ge Jo­an in Rück­blen­den. Und noch ein Star ‑Nach­wuchs ist da­bei: Je­re­my – Max – Irons Ju­ni­or als Sohn der Cast­lem­ans.
Glän­zend be­setz­tes Schau­spie­ler­ki­no.

FAZIT

Klu­ge, poin­tier­te Ver­fil­mung des Ro­mans von Meg Wo­lit­zer mit ei­ner über­ra­gen­den Glenn Clo­se.
Wer mag, kann ein the­ma­ti­sches Dou­ble Fea­ture ge­nie­ßen: Bald star­tet "Co­let­te" in den Ki­nos – glei­ches The­ma, ganz an­de­rer Film.

GB / Schwe­den / USA 2018
Re­gie Björn Run­ge
100 min
Ki­no­start 03. Ja­nu­ar 2019

Colette

⭐️⭐️⭐️

Co­let­te (Kei­ra Knight­ley) hei­ra­tet den Le­be­mann Wil­ly (Do­mi­nic West) und wird so aus ih­rer be­schau­li­chen Welt des länd­li­chen Frank­reichs ins Pa­ri­ser Groß­stadt­le­ben ka­ta­pul­tiert. We­gen fi­nan­zi­el­ler Schwie­rig­kei­ten, über­re­det der Schrift­stel­ler sei­ne Frau als Ghost­wri­te­rin für ihn zu ar­bei­ten. Die von ihr ver­fass­ten se­mi-au­to­bio­gra­fi­schen "Claudine"-Bücher fei­ern un­ter sei­nem Na­men gro­ßen kom­mer­zi­el­len Er­folg, Co­let­te und Wil­ly stei­gen zum Power­cou­ple der Pa­ri­ser Künst­ler­sze­ne auf.

Kanye West und Kim Kar­des­hi­an der Bel­le Épo­que – heut­zu­ta­ge wä­ren die bei­den wahr­schein­lich In­sta­gram-Stars. Das at­mo­sphä­risch dich­te Bio­pic von Re­gis­seur West­mo­r­elands er­zählt die Ge­schich­te ei­ner wehr­haf­ten Frau in Zei­ten des Um­bruchs. Ne­ben­bei ent­deckt sie ih­re les­bi­sche Ader und stellt Ge­schlech­ter­rol­len in­fra­ge. Sie bricht mit al­ten Struk­tu­ren, wird zwi­schen­zeit­lich so­gar Va­rie­té­künst­le­rin. Nach ei­ner er­folg­rei­chen Kla­ge ge­gen ih­ren Ex-Mann er­fährt sie noch zu Leb­zei­ten die ver­dien­te An­er­ken­nung.

Die ech­te Si­do­nie-Ga­bri­el­le Co­let­te ist ei­ne fran­zö­si­sche Le­gen­de, die nach ih­rem Tod 1954 als ers­te Frau mit ei­nem Staats­be­gräb­nis ge­ehrt wur­de.

FAZIT

Es be­ginnt wie ein ty­pi­scher Kei­ra Knight­ley-Film: schö­ne Bil­der von jun­gen Da­men in Kor­setts. Dass sich die Ge­schich­te dann aber ganz an­ders ent­wi­ckelt, macht Co­let­te zu ei­nem un­ge­wöhn­li­chen und über­ra­schend zeit­ge­mä­ßen Kos­tüm­film.

Wer mag, kann ein the­ma­ti­sches Dou­ble Fea­ture ge­nie­ßen: Bald star­tet "Die Frau des No­bel­preis­trä­gers" in den Ki­nos – glei­ches The­ma, ganz an­de­rer Film.

GB/USA, 2018
Re­gie Wa­sh West­mo­r­eland
111 min
Ki­no­start 03. Ja­nu­ar 2019