Werk ohne Autor

★★★★

Eli­sa­beth (Saskia Ro­sen­dahl) liebt ih­ren klei­nen Nef­fen Kurt über al­les. Doch die un­kon­ven­tio­nel­le jun­ge Frau lebt in ge­fähr­li­chen Zei­ten. Wäh­rend des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus wird sie als schi­zo­phren dia­gnos­ti­ziert und spä­ter in ei­ner An­stalt ver­gast. Die Fol­gen die­ses grau­sa­men Ver­bre­chens be­glei­ten Kurt (Tom Schil­ling) ein Le­ben lang.

Als jun­ger Mann be­ginnt er nach dem En­de des 2. Welt­kriegs ei­ne Aus­bil­dung an der Kunst­hoch­schu­le Dres­den. Hier trifft er auf El­lie (Pau­la Beer), die bei­den ver­lie­ben sich. El­lies Va­ter (Se­bas­ti­an Koch) ist Pro­fes­sor See­band, ein er­folg­rei­cher Arzt und frü­he­rer Na­zi­of­fi­zier, des­sen Ge­schich­te un­heil­voll mit Kurts Schick­sal ver­knüpft ist. Nach dem Stu­di­um in der DDR wird Kurt zu­nächst Auf­trags­künst­ler für so­zia­lis­ti­schen Rea­lis­mus. Kurz vor Mau­er­bau flieht er mit El­lie in die BRD. Im Düs­sel­dorf der 60er und frü­hen 70er Jah­re be­ginnt sein Auf­stieg zu ei­nem der be­kann­tes­ten Ma­ler sei­ner Ge­ne­ra­ti­on. „Werk oh­ne Au­tor“ ba­siert lo­se auf der Le­bens­ge­schich­te des Künst­lers Ger­hard Rich­ter.

MACHART

Ja, schon wie­der ei­ne Künst­ler­bio­gra­fie. Aber was für ei­ne: „Werk oh­ne Au­tor“ ist zwar stel­len­wei­se gran­dio­ser Kitsch, aber auch gro­ßes, pa­cken­des Ki­no ge­wor­den. Mit sei­nem drit­ten Spiel­film woll­te Os­car­preis­trä­ger Flo­ri­an Hen­ckel von Don­ners­marck kei­ne klei­nen Bröt­chen ba­cken. Sex, Lie­be, Kunst, Ge­walt, Ver­bre­chen, Wahn­sinn, Na­tio­nal­so­zia­lis­mus, Krieg, deutsch-deut­sche Ge­schich­te. Das al­les hat der Re­gis­seur in sein epi­sches, 188 Mi­nu­ten lan­ges Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­werk ge­steckt.

Aus­stat­tung und In­sze­nie­rung be­we­gen sich auf höchs­tem Ni­veau. Tom Schil­ling, Pau­la Beer, Oli­ver Mas­cu­ti, Han­no Koff­ler, Lars Ei­din­ger, Ben Be­cker, und, und, und. Die Schau­spie­ler sind ers­te Gar­de und durch­weg her­vor­ra­gend, wer­den aber al­le von Se­bas­ti­an Koch als Pro­fes­sor Carl See­band über­ragt. So viel Lob, da muss es na­tür­lich auch ei­nen Wer­muts­trop­fen ge­ben. Und das ist über­ra­schen­der­wei­se der Score von Max Rich­ter. Be­son­ders bei den ei­gent­lich lei­sen, emo­tio­na­len Sze­nen drängt sich die Mu­sik viel zu sehr in den Vor­der­grund und er­zeugt so das Ge­gen­teil von ech­ten Ge­füh­len.

FAZIT

Der Künst­ler schnack­selt ger­ne und oft. Das ist be­nei­dens­wert, muss aber nicht zwin­gend un­ent­wegt ge­zeigt wer­den. Die Hälf­te an Sex­sze­nen hät­te es auch ge­tan.

"Werk oh­ne Au­tor" hat kei­ne Angst vor gro­ßen Ge­füh­len: drei Epo­chen deut­scher Ge­schich­te – mit­rei­ßend und be­we­gend er­zählt. Ei­ne Hom­mage an die Kraft der Kunst. Emp­feh­lens­wert.

Deutschland, 2018
Regie Florian Henckel von Donnersmarck
188 min
Kinostart, pünktlich zum Tag der deutschen Einheit, am 3. Oktober 2018