DER KÖNIG DER LÖWEN

Egal, ob man Mu­si­cals nun mag oder nicht: „Der Kö­nig der Lö­wen“ sieht fan­tas­tisch aus und ist ei­ne tech­ni­sche Meis­ter­leis­tung.

Das Re­make des Zei­chen­trick-Klas­si­kers von 1994 ist vi­su­ell bahn­bre­chend, die fo­to­rea­lis­ti­schen Land­schaf­ten und Tie­re in die­sem zu hun­dert Pro­zent im Com­pu­ter ent­stan­de­nen Ani­ma­ti­ons­film se­hen un­fass­bar gut aus. Da­hin­ter steckt wie­der ein­mal Jon Fav­reau, der schon mit "Iron Man" und "The Jungle Book" Maß­stä­be im CGI-Fil­me­ma­chen ge­setzt hat.

Für die Op­tik al­so fünf Ster­ne plus, für das et­was mut­lo­se Eins-zu-eins-Re­make nur zwei. Denn Dis­ney geht mit die­ser Neu­auf­la­ge auf Num­mer si­cher: die be­kann­te Ham­let-Ge­schich­te vom Lö­wen­jun­gen Sim­ba, die Dia­lo­ge, die be­rühm­ten Ori­gi­nal­songs – fast al­les un­ver­än­dert. Im­mer­hin ist der nam­haf­te voice-cast neu: im Ori­gi­nal spre­chen und sin­gen un­ter an­de­rem Bey­on­cé, Seth Ro­gen und Do­nald Glover.

FAZIT

Grund­sätz­li­che Fra­ge nach „Dum­bo“ und „Al­ad­din“: Braucht es tech­nisch ge-up­date­te Ver­sio­nen al­ter Zei­chen­trick­klas­si­ker? Bei der Pres­se­vor­füh­rung von „Der Kö­nig der Lö­wen“ hat ei­ne er­wach­se­ne Frau auf dem Ne­ben­sitz ab­wech­selnd vor Freu­de ge­gluckst und Rotz und Was­ser ge­heult – Dis­ney scheint dies­mal al­les rich­tig ge­macht zu ha­ben.

Ori­gi­nal­ti­tel "The Li­on King"
USA 2019
117 min
Re­gie Jon Fav­reau
Ki­no­start 17. Ju­li 2019

ALADDIN

Das Bes­te an "Al­ad­din" ist ein aus­ge­spro­chen lie­bens­wer­ter flie­gen­der Tep­pich. Und – trotz al­ler Un­ken­ru­fe im Vor­feld – Will Smith. Der bringt in der Nach­fol­ge von Ro­bin Wil­liams die drin­gend be­nö­tig­te Por­ti­on schrä­gen Hu­mors in die Ge­schich­te. Doch bis zu sei­nem ers­ten Auf­tritt als Ge­nie quält sich der Film zäh im Stil ei­ner TV-Soap da­hin. Stra­ßen­dieb Al­ad­din und Prin­zes­sin Jas­mi­ne wir­ken mit ih­ren ge­weiß­ten Zäh­nen und frisch ge­stärk­ten Bol­ly­wood-Kos­tü­men so ma­kel­los sau­ber, als hät­ten sie sich aus ei­ner an­de­ren Dis­ney Pro­duk­ti­on, dem „High School Mu­si­cal“ in die Wüs­te ver­irrt. Die Künst­lich­keit der Dar­stel­ler passt zu den Papp­ku­lis­sen. Der Film sieht aus, als wä­re er in ei­nem Ver­gnü­gungs­park ge­dreht wor­den. 

"Al­ad­din" ist harm­lo­se, for­mel­haft ge­mach­te Un­ter­hal­tungs­wa­re. Viel­leicht wur­de Re­gis­seur Guy Rit­chie vom Stu­dio aus­ge­bremst, von sei­nem eins­ti­gen an­ar­chi­schen Touch ist je­den­falls nichts mehr zu spü­ren.

Im­mer­hin funk­tio­niert die Mu­sik: Klas­si­ker wie „Fri­end Li­ke Me“ und „A Who­le New World”, be­kannt aus dem 1992er Zei­chen­trick­film, er­wei­sen sich als un­zer­stör­bar und ent­fal­ten auch in der neu­en, zwei­di­men­sio­na­len Plas­tik­welt ih­re gan­ze Grö­ße.

Dis­ney plün­dert wei­ter das Ar­chiv und setzt bei sei­nen Neu­ver­sio­nen auf Quan­ti­tät – doch die Fehl­schüs­se häu­fen sich. Nach den ge­lun­ge­nen „Ma­l­e­fi­ci­ent”, „Das Dschun­gel­buch” und „Die Schö­ne und das Biest” ka­men mit „Ma­ry Pop­pins“, „Dum­bo“ und nun „Al­ad­din“ al­lein im letz­ten hal­ben Jahr drei eher durch­schnitt­li­che Fil­me ins Ki­no. Bleibt ab­zu­war­ten, ob „Der Kö­nig der Lö­wen“ und „Mu­lan“ bes­ser ge­lin­gen.

Ori­gi­nal­ti­tel "Al­ad­din"
USA 2019
128 min
Re­gie Guy Rit­chie
Ki­no­start 23. Mai 2019

Mary Poppins' Rückkehr

Lon­don, 30er Jah­re: die Wirt­schafts­kri­se drückt aufs Ge­müt und auch im Kirsch­baum­weg Num­mer 17 sind die Zei­ten al­les an­de­re als ro­sig. Mi­cha­el Banks ist mitt­ler­wei­le ein er­wach­se­ner Strick­ja­cken­trä­ger und muss sei­ne drei Kin­der als Wit­wer al­lei­ne groß­zie­hen. Nun soll das ge­lieb­te El­tern­haus ge­pfän­det wer­den. Um das zu ver­hin­dern, müs­sen er und sei­ne Schwes­ter Ja­ne bin­nen we­ni­ger Ta­ge be­wei­sen, dass sie die recht­mä­ßi­gen Be­sit­zer sind. Auf­tritt: Ma­ry Pop­pins. Durch die Wol­ken ge­schwebt, über­nimmt sie kur­zer­hand noch ein­mal das Ru­der und ret­tet den Tag.

Mit „Das Dschun­gel­buch“ kam 2016 ei­ne kon­ge­nia­le Re­al­ver­fil­mung des Zei­chen­trick­klas­si­kers in die Ki­nos. Im kom­men­den Jahr star­ten Neu­auf­la­gen von „Dum­bo“, „Ala­din“ und „Der Kö­nig der Lö­wen“: Dis­ney hat das Re­cy­cling ent­deckt. Mitt­ler­wei­le wird das ge­sam­te Port­fo­lio ei­nem Make­over un­ter­zo­gen, nun al­so Ma­ry Pop­pins. Für die Fort­set­zung des Chim Chim Cher-ee-Er­folgs von 1964 sind die Er­war­tun­gen hoch, das Ori­gi­nal hat sei­ner­zeit fünf Os­cars ge­won­nen und mach­te Ju­lie An­drews zum Welt­star.

Erst­mal die gu­te Nach­richt: Der Film sieht toll aus. Die Sets, die Cho­reo­gra­fien, die Kos­tü­me – das ist fan­ta­sie­voll in­sze­niert und bie­tet je­de Men­ge per­fekt ge­mach­tes Au­gen­fut­ter. Be­son­ders die quietsch­bun­ten Re­al­film-Zei­chen­trick­se­quen­zen ma­chen durch ih­ren re­tro „hand­ma­de“ Look gu­te Lau­ne. Die Be­set­zung ist so er­le­sen wie pro­mi­nent: Ben Whis­haw, Ju­lie Wal­ters, Me­ryl Streep, Co­lin Firth. Das Bes­te an Ma­ry Pop­pins' Rück­kehr ist aber oh­ne Zwei­fel Emi­ly Blunt. Die über­zeugt mit der nö­ti­gen Por­ti­on Schräg­heit und je­der Men­ge Charme in der Ti­tel­rol­le des flie­gen­den Kin­der­mäd­chens.

Nun die schlech­te Nach­richt: In Mu­si­cals wird ge­sun­gen, in die­sem be­son­ders viel. Das wä­re nicht wei­ter tra­gisch, wenn die Songs nicht so ba­nal wä­ren. La­la­la, reich­lich be­lang­los plät­schert es von ei­ner nichts­sa­gen­den Num­mer zur nächs­ten. Da fehlt jeg­li­ches Mit­sing- oder Ohr­wurm­po­ten­zi­al. Hät­ten die Ma­cher ge­nau­so viel Lie­be in die Ent­wick­lung der Songs wie in die vi­su­el­le Um­set­zung ge­steckt, Ma­ry Pop­pins’ Rück­kehr hät­te das Zeug zum mo­der­nen Klas­si­ker ge­habt.

FAZIT

Char­man­te Fort­set­zung, mehr fürs Au­ge als fürs Ohr.
Die Hälf­te der Songs, da­für su­per­ca­li­fra­gi­lis­tig ex­pia­li­ge­ti­scher, hät­te es auch ge­tan.

USA, 2018 
Re­gie Rob Mar­shall 
131 min 
Ki­no­start 20. De­zem­ber 2018