Extrawurst

EXTRAWURST

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EXTRAWURST

Gesellschaftssatire, der ein kleines Update gutgetan hätte

Ab 15. Januar 2026 im Kino

Würste und andere Lebensmittel haben ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Für manche Filme – oder in diesem Fall: Theaterstücke – wäre das ebenfalls sinnvoll. Denn dass die Vorlage zur deutschen Komödie EXTRAWURST aus dem Jahr 2019 stammt, mag man kaum glauben.

Worum geht’s? Um einen kulturkämpferischen Aufreger aus der Mottenkiste deutscher Befindlichkeitskomik. In einem spießigen Tennisclub irgendwo in Westdeutschland soll ein neuer Grill angeschafft werden. Eigentlich banal, wäre da nicht Melanie, die aus political correctness einen Extragrill für ihren Tennispartner Erol fordert. Schließlich darf die Wurst des gläubigen Muslims nicht mit den Schweinewürstchen der Kartoffeldeutschen in Berührung kommen. Die Empörung nimmt Fahrt auf, der Debattenmotor läuft heiß, und plötzlich stehen auch eigene Grills für Schwule oder, Gott bewahre, Vegetarier im Raum.

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Was als Petitesse beginnt, eskaliert zur Grundsatzdebatte über Toleranz und das angeblich bedrohte Abendland. Nur leider wirkt das alles so, als hätte jemand vergessen, die Uhr auf 2026 weiterzudrehen. In einer Gegenwart, in der selbst im letzten Kuhdorf Döner und Falafel angeboten werden, diskutiert EXTRAWURST mit großem Ernst über halal und nicht halal – und hält das offenbar für brandaktuell. Auch Provokationen altern. Manche eher schlecht.

Immerhin: Wenn schon die Geschichte nicht mehr ganz frisch wirkt, kann man sich an den Schauspielern erfreuen. Der Star ist eindeutig Hape Kerkeling als selbstverliebter Clubvorsitzender, der seine fettleibige Rolle fast ein wenig zu glaubwürdig ausfüllt. 2026 scheint ohnehin sein Jahr zu werden: Demnächst kehrt er als Horst Schlämmer ins Kino zurück. Der Rest ist routiniert besetzt. Christoph Maria Herbst spielt den Zyniker seit Jahren im Schlaf, Fahri Yardım, Friedrich Mücke, Anja Knauer – alles solide. Erwähnenswert – weil sehr gut – ist Schwarzwaldklinik-Urgestein Gaby Dohm als rechtspopulistische Oma.

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Neben den guten Schauspielern hat EXTRAWURST durchaus knackige Dialoge zu bieten und ist zwischendurch tatsächlich komisch. Was hingegen kaum funktioniert, ist die „Physical Comedy“. Jeder Gag kündigt sich nicht nur Sekunden, sondern gefühlt Stunden im Voraus an. Wer beispielsweise gleich zu Beginn den riesigen Tennisschläger in der Einfahrt zum Clubhaus bemerkt, ahnt bereits, was gegen Ende des Films unweigerlich passieren wird.

Rätselhaft bleibt, weshalb die Drehbuchautoren Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob die Geschichte nicht konsequent aktualisiert haben. Ein Tennisclub in Ostdeutschland, ein wenig AfD-Siff, reale Gegenwartsnerven – all das hätte dem Film dringend benötigte Schärfe verliehen. Stattdessen bleibt EXTRAWURST eine Satire, die, statt weh zu tun, nur ein bisschen piekst.

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2025
95 min
Regie Marcus H. Rosenmüller

Extrawurst

alle Bilder © Studiocanal

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