Trautmann

Was fällt ei­nem Bri­ten spon­tan ein, wenn man ihn zu Deutsch­land be­fragt?
Fuß­ball und Na­zis – al­ler­dings nicht zwin­gend in die­ser Rei­hen­fol­ge. Zum Glück schreibt das Le­ben die schöns­ten Ge­schich­ten. Bert Traut­mann ist in die­ser Hin­sicht die per­fek­te Mi­schung: ein fuß­ball­spie­len­der Ex-Na­zi.

Bert Traut­mann? Nie ge­hört? Selbst größ­te Ki­cker­fans müs­sen da erst mal nach­den­ken. Der Deut­sche ge­rät wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs in eng­li­sche Ge­fan­gen­schaft. Nach Kriegs­en­de bleibt er in Eng­land und wird bei Man­ches­ter Ci­ty zum er­folg­reichs­ten Tor­hü­ter sei­ner Zeit. Er ver­liebt sich in Mar­ga­ret, die Toch­ter sei­nes Trai­ners, die bei­den hei­ra­ten und wer­den El­tern drei­er Söh­ne. Als er 1956 im Po­kal­fi­na­le trotz ge­bro­che­nen Hals­wir­bels wei­ter­spielt und so sei­nem Team den Sieg si­chert, wird er zum eng­li­schen Na­tio­nal­hel­den.

Ein Film wie ein Über­ra­schungs­ei: Traut­mann ist in­ter­es­san­tes His­to­ri­en­dra­ma, span­nen­de Sport­ler­bio­gra­fie und be­rüh­ren­de Lie­bes­ge­schich­te. Na­tür­lich wur­de für den Film das wah­re Le­ben et­was ge­pimpt und un­pas­sen­de De­tails wur­den aus­ge­spart. So hat­te der ech­te Bern­hard Traut­mann schon ei­ne ge­schei­ter­te Be­zie­hung hin­ter sich und war Va­ter ei­ner Toch­ter, be­vor er Mar­ga­ret ken­nen­lern­te. Und auch die­se Ehe hielt nur bis En­de der 1960er Jah­re. Aber egal, Film ist Il­lu­si­on und es ist Re­gis­seur Mar­cus H. Ro­sen­mül­ler zu ver­dan­ken, dass Traut­mann trotz Ge­schichts­glät­tung nicht zu ei­nem kit­schi­gen Feel­good-Mo­vie ge­wor­den ist. Da­vid Kross ist als Ti­tel­held ein Glücks­fall, denn er spielt die Rol­le des von in­ne­ren Dä­mo­nen ge­pei­nig­ten Man­nes an­ge­nehm zu­rück­hal­tend und ist oben­drein ein be­gab­ter Fuß­bal­ler.

FAZIT

Oh­ne Er­war­tun­gen ge­se­hen, po­si­tiv über­rascht. Schö­ner Film, trotz deut­scher Syn­chron­fas­sung.

Deutschland/​GB 2019
120 min
Re­gie Mar­cus H. Ro­sen­mül­ler
Ki­no­start 14. März 2019