Drei Gesichter

⭐️⭐️⭐️

Schau­spie­le­rin Behnaz Ja­fa­ri er­hält ein ver­stö­ren­des Han­dy-Vi­deo: ei­ne jun­ge Frau be­haup­tet dar­in, sie ha­be mehr­fach ver­sucht, die im Iran be­rühm­te Schau­spie­le­rin zu kon­tak­tie­ren. Auf­ge­wühlt er­klärt sie, dass ih­re Fa­mi­lie sie dar­an hin­de­re, eben­falls Schau­spie­le­rin zu wer­den. Am En­de des Vi­de­os er­hängt sich das Mäd­chen au­gen­schein­lich. Die er­schüt­ter­te Behnaz Ja­fa­ri macht sich ge­mein­sam mit ih­rem Re­gis­seur auf die Su­che nach der ver­meint­li­chen Selbst­mör­de­rin. Bei ih­rer Rei­se über ver­schlun­ge­ne Stra­ßen durch ab­ge­le­ge­ne Berg­dör­fer im Nor­den des Iran kommt es zu teils ob­sku­ren Be­geg­nun­gen.

Bei­na­he in­ter­es­san­ter als der Film selbst ist sei­ne Ent­ste­hungs­ge­schich­te: Re­gis­seur Ja­far Pa­nahi hat im Iran of­fi­zi­ell Be­rufs­ver­bot und konn­te, wie schon zu­vor beim Ber­li­na­le-Ge­win­ner „Ta­xi Te­he­ran“, nur heim­lich dre­hen. Nach Fer­tig­stel­lung ließ er den Film au­ßer Lan­des schmug­geln, so­dass er dann – in sei­ner Ab­we­sen­heit – auf ver­schie­de­nen Fes­ti­vals ge­zeigt wer­den konn­te. Beim aben­teu­er­li­chen Dreh in sei­nem Hei­mat­dorf agier­te Pa­nahi in ei­ner Dop­pel­funk­ti­on als Dar­stel­ler und Re­gis­seur. Au­ßer ihm be­stand das Team meist nur aus sei­ner Haupt­dar­stel­le­rin Behnaz Ja­fa­ri und ei­nem Ka­me­ra­mann.

Drei Ge­sich­ter ver­mischt ge­konnt Fik­ti­on und Rea­li­tät: Behnaz Ja­fa­ri spielt sich selbst. Die Schau­spie­le­rin ist ein Film- und Fern­seh­star im ge­gen­wär­ti­gen Iran. Die an­de­re, im Film ge­sichts­los blei­ben­de Fi­gur, ist Shahrzad. Sie war vor lan­ger Zeit, in der vor­re­vo­lu­tio­nä­ren Ära, der Star des ira­ni­schen Main­stream-Ki­nos. Heu­te ar­bei­tet sie als Au­torin, lebt zu­rück­ge­zo­gen. Im Film taucht sie nur als Schat­ten­riss auf und ih­re Stim­me ist beim Ver­le­sen ei­nes ih­rer Ge­dich­te zu hö­ren.

FAZIT

Ein mä­an­dern­des Road­mo­vie, schlau und tief­grün­dig.

Iran, 2018
Re­gie Ja­far Pa­nahi
100 min
Ki­no­start 26. De­zem­ber 2018