DAS ZWEITE LEBEN DES MONSIEUR ALAIN

Der Die­sel­skan­dal hat die Au­to­mo­bil­bran­che er­schüt­tert, jetzt set­zen die Her­stel­ler auf Elek­tro­mo­bi­li­tät. Beim Gen­fer Au­to­sa­lon soll das neue fran­zö­si­sche E‑Auto LX2 vor­ge­stellt wer­den. Ma­na­ger Alain Wap­ler steht nach drei Jah­ren Ent­wick­lungs­zeit un­ter Druck, im Kon­zern ist er oh­ne­hin an­ge­zählt.

5 Uhr 50, der Ra­dio­we­cker spielt die Bör­sen­nach­rich­ten: Alains Arm fühlt sich selt­sam taub an, im Bü­ro geht sein Power­nap naht­los in ei­ne Ohn­macht über und auf dem Weg zum nächs­ten Ter­min folgt plötz­lich ein Ge­hirn­schlag. So schnell kann’s ge­hen, der Work­aho­lic mit dem über­gro­ßen Ego ist au­ßer Ge­fecht ge­setzt. Sein Sprach­zen­trum ist schwer ge­stört, die Wor­te kom­men nur noch dreh­vert aus dem Mund und mit dem Ori­en­tie­rungs­sinn steht es auch nicht zum bes­ten.

„Das zwei­te Le­ben des Mon­sieur Alain“ ba­siert auf der Au­to­bio­gra­fie des Ex-Air­bus- und Peu­geot-Kon­zern­ma­na­gers Chris­ti­an Streiff. Des­sen ko­misch-dra­ma­ti­scher Kampf zu­rück ins Le­ben und sein Ver­such, das Herz sei­ner ent­frem­de­ten Toch­ter wie­der­zu­ge­win­nen, hät­ten für ei­nen abend­fül­len­den Ki­no­film aus­ge­reicht. Aber zu­sätz­lich wird in ei­ner Par­al­lel­hand­lung die zwar char­man­te, aber kom­plett über­flüs­si­ge Lie­bes- und Ad­op­ti­ons­ge­schich­te der Lo­go­pä­din Jean­ne er­zählt. Dann gibt’s noch ei­nen „Ich bin dann mal weg“-Jakobsweg-Selbstfindungstrip aus­zu­hal­ten, da wähnt man sich schon wie­der in ei­nem ganz an­de­ren Film. We­ni­ger wä­re mehr. 

FAZIT

Gu­te Schau­spie­ler, in­ter­es­san­te Ge­schich­te – stel­len­wei­se be­rüh­rend und ko­misch – ins­ge­samt aber zu un­ent­schlos­sen um­ge­setzt. Vor al­lem im letz­ten Drit­tel zer­fa­sert der Film kom­plett.

Ori­gi­nal­ti­tel „Un hom­me pres­sé„
Frank­reich 2018
100 min
Re­gie Her­vé Mim­ran
Ki­no­start 22. Au­gust 2019