LONG SHOT – UNWAHRSCHEINLICH, ABER NICHT UNMÖGLICH

Im Wei­ßen Haus re­giert ein nar­ziss­ti­scher Depp. Im Ge­gen­satz zu Do­nald Trump strebt der fik­ti­ve US-Prä­si­dent al­ler­dings kei­ne zwei­te Amts­zeit an. Er möch­te lie­ber in Ki­no­fil­men mit­spie­len – das ha­be mehr Pres­ti­ge, fin­det er. Au­ßen­mi­nis­te­rin Char­lot­te Field (Char­li­ze The­ron) wit­tert ih­re Chan­ce, sei­ne Nach­fol­ge­rin und so­mit die ers­te Prä­si­den­tin der Ver­ei­nig­ten Staa­ten zu wer­den. Für ih­re Be­wer­bungs­kam­pa­gne en­ga­giert sie den chao­ti­schen, aber bril­lan­ten Jour­na­lis­ten Fred Flars­ky (Seth Ro­gen).

Es hät­te auch ei­ne Ab­rech­nung mit dem Wa­shing­to­ner Po­lit­pan­op­ti­kum oder ei­ne bei­ßen­de Sa­ti­re wer­den kön­nen. Aber die­sen An­spruch er­hebt „Long Shot“ nicht. Die Ro­man­tik­ko­mö­die schöpft ih­ren Witz und Charme aus der Un­wahr­schein­lich­keit ei­nes ge­gen­sätz­li­chen Paa­res. Da­mit das auch doo­fe Zu­schau­er ver­ste­hen, wird Char­li­ze The­ron durch­weg fan­tas­tisch aus­se­hend und stil­voll in Sze­ne ge­setzt, wäh­rend Seth Ro­gen wie ein 10-jäh­ri­ges Schul­kind ge­klei­det ist und durch ex­tre­me Toll­pat­schig­keit auf­fällt. Das Dreh­buch be­dient sich re­la­tiv scham­los bei an­de­ren Fil­men (u.a. „Pret­ty Woman“und „There's So­me­thing About Ma­ry“) – aber bes­ser gut ge­klaut, als schlecht neu er­fun­den.

"Long Shot" funk­tio­niert vor al­lem dank sei­ner Dar­stel­ler. Das Ti­ming sitzt, die meis­ten Gags zün­den. An Char­li­ze The­ron ist zwar kei­ne be­gna­de­te Ko­mö­di­an­tin ver­lo­ren ge­gan­gen, aber im Zu­sam­men­spiel mit dem oft sehr lus­ti­gen Seth Ro­gen stimmt die Che­mie. In Ne­ben­rol­len glän­zen „Bet­ter Call Saul“ Bob Oden­kirk als dümm­li­cher US-Prä­si­dent und ein bis zur Un­kennt­lich­keit ge­schmink­ter An­dy Ser­kis als gru­se­li­ge Schi­mä­re aus Ru­pert Mur­doch und Ste­ve Ban­non.

FAZIT

„Long Shot“ – gut ge­macht und lus­tig.

Ori­gi­nal­ti­tel "Long Shot"
USA 2019
125 min
Re­gie Jo­na­than Le­vi­ne
Ki­no­start 20. Ju­ni 2019